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Xanten
Ein Arzt, der die Flüchtlinge versteht

Xanten: Ein Arzt, der die Flüchtlinge versteht
Seit einem halben Jahr bietet Dr. Osmat Darwiche im Rathaus in Xanten mittwochs von 13 bis 15 Uhr Sprechstunden für Flüchtlinge an. Er würde gerne in der Unterkunft am Küvenkamp eine kleine Ambulanz einrichten. FOTO: Fischer, Armin (arfi)
Xanten. Dr. Osmat Darwiche, der regelmäßige Sprechstunde für Flüchtlinge im Xantener Rathaus abhält, weiß, was Flucht heißt. Von Heidrun Jasper

Dr. Osmat Darwiche kann nachvollziehen, wie sich Menschen fühlen, die auf der Flucht sind. Mit 17 Jahren verließ der Arzt, der mit sechs Brüdern und drei Schwestern in Beirut im Libanon groß geworden ist, seine Heimat und kam nach Deutschland. "Ich war auch zu Hause ab und zu Flüchtling: Wegen der Unruhen haben wir oft woanders leben müssen", sagt er.

Der Mediziner, der in Mannheim am Goethe-Institut in fünf Monaten Deutsch gelernt, in Münster Abitur gemacht und Medizin studiert hat, absolvierte seine Facharzt-Ausbildung zum Allgemeinmediziner und Herzchirurgen in Kliniken in Düsseldorf, Bonn-Siegburg, im Herzzentrum Dresden und in Passau. 17 Jahre war er auf dem Gebiet der Herzchirurgie tätig, vor sechs Jahren übernahm er die Internistische Praxis von Dr. Wolfgang Boell an der Bahnhofstraße in Xanten.

Seit einem halben Jahr kümmert er sich um Flüchtlinge, die in Xanten Unterkunft gefunden haben. Jeden Mittwoch sitzt der Vater von vier Kindern von 13 bis 15 Uhr im Rathaus und behandelt die Menschen, die so viel Leid hinter sich haben und sich bei ihm geborgen fühlen: Endlich ein Arzt, der sie nicht nur medizinisch versorgt, dem sie auch ihre Probleme erzählen können. Denn Darwiche spricht ihre Sprache, er kennt die Kulturen.

Ein Flüchtling aus Syrien unterstützt ihn, ist quasi seine Sprechstundenhilfe. Den Arztkoffer hat der Mediziner stets dabei, auch wenn er ihn nicht immer braucht. Denn oft reicht es auch, wenn er den Menschen einfach nur zuhört. Wenn sie mit ihm über ihre ganz persönlichen Sorgen reden können, ihre Ängste, ihre ungewisse Zukunft.

Gerade auch das Schicksal von Kindern geht ihm nahe. "Diese hilflosen Menschen, ihre Trauer in den Augen: Das ist für mich Motivation zu helfen, ohne auf die Uhr zu gucken", sagt der Arzt. Osmat Darwiche ist froh, dass er selber seit 32 Jahren in einem Land leben kann, in dem Meinungsfreiheit gilt, die Wirtschaft in Ordnung ist. Ein Land, in dem er sich sicher und geborgen fühlt, in dem er auch seine Frau und seine vier Söhne (17, 16, 7 und sechs Jahre alt) gut aufgehoben weiß. Gesundheit und Geborgenheit, das sind nach seiner Meinung "unschätzbare Güter".

"Im Libanon fühlte ich mich nicht geborgen, auch wenn es ein offenes, modernes, ein demokratisches Land ist. Aber es ist zerrissen durch Mächte von außen", erzählt er. 18 verschiedene Religionen (die größten sind maronitische Christen, schiitische und sunnitische Muslime) leben in dem kleinen Land, das sich seit der Gründung des Nachbarstaates Israel 1948 im Kriegszustand mit Israel befindet, das selber mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu kämpfen hat, in dem militante Gruppen wie der Islamische Staat (IS) ihr Unwesen treiben. Schätzungsweise zwei Millionen Syrer halten sich in einem Land mit 4,5 Millionen Einheimischen auf.

447 Flüchtlinge leben nach Auskunft von Noah Decker (Fachbereich Soziales und Beratung) zur Zeit in Xanten, 154 von ihnen kommen aus Syrien.

Der engagierte Mediziner möchte in der Unterkunft am Küvenkamp eine kleine Ambulanz einrichten, mit Warteraum, Sprechzimmer, sanitären Anlagen. Und weil auch ein Arzt mal Urlaub braucht, krank werden kann oder auf einem Kongress ist, würde er gerne die Last auf mehrere Schultern verteilen. Beim nächsten Treffen der Xantener Ärzteschaft will Dr. Osmat Darwiche für seine Idee werben.

Quelle: RP
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