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Serie Als Der Krieg Nach Rheinberg Kam (3)
Ein Lazarett für die Kriegsverwundeten

Xanten. 1909 wird das Rheinberger Krankenhaus fertig. Im September 1914 trifft der erste Transport mit 103 verletzten Soldaten ein, Von Anja Rupprecht

Rheinberg Wäre es nicht vor einigen Jahren Abrissbirne und -bagger zum Opfer gefallen, könnte das Rheinberger Krankenhaus am morgigen Samstag seinen 106. Geburtstag feiern.

Schon lange war der "Neubau eines katholischen Krankenhauses" in Rheinberg geplant, reichten doch die Räumlichkeiten im bisherigen Haus in der Orsoyer Straße längst nicht mehr aus. Als im Oktober 1907 der Grundstein für den Neubau gelegt wird, sind sämtliche Honoratioren der Stadt anwesend. Festliche Reden und Lieder, viele Hammerschläge und gute Wünsche bestimmen die Feier.

Rund zwei Jahre werden die Bauarbeiten dauern, mit denen die Rheinberger Firma Gebr. Küsters betraut ist. Am 18. Juli 1909, einem Sonntag, findet die feierliche Einweihung statt. Die heimische Presse zeigt sich begeistert: "Das neue Krankenhaus gereicht unserer Stadt zur Zierde" und "Der überaus stattliche Bau macht einen gediegenen Eindruck und erweckt bei aller Ausdehnung doch das Gefühl der Wohnlichkeit und des behaglichen Innenlebens".

Fünf Jahre später befindet sich die Welt im Krieg. Und das Rheinberger Krankenhaus wird zum Kriegslazarett. Platz für rund 160 Betten bietet das Haus zu der Zeit. 60 der Stellflächen sind für Belegbetten der Rheinberger Ärzte Boytinck, Schmitz und Trautwein reserviert. Die übrigen hundert Plätze werden jetzt vom Vaterländischen Frauenverein für Lazarettzwecke mit Betten bestückt, außerdem noch 25 Notbetten eingeplant.

Am Nachmittag des 17. September trifft auf dem Kreisbahnhof Winterswick der erste Transport mit verwundeten Soldaten ein: 103 Männer, die zum Krankenhaus gebracht werden. Wer nicht selber laufen kann, wird mangels Fahrzeugen von der freiwilligen Sanitätskolonne auf Tragen transportiert. Viele schaulustige Rheinberger stehen am Straßenrand - sehr zum Unmut von Dr. Aloys Wittrup, dem Leiter der Rheinberger Rektoratschule, der in einem Schreiben an Bürgermeister Roll klagt: Leider war nun gestern aus Rheinberg eine gewaltige Masse von Gaffern auf dem Wege versammelt. Was trieb all die Leute hinaus? Doch nur Neugierde! Es muss doch sehr peinlich für die armen Verwundeten sein, von allen Seiten begafft zu werden.

Zur Versorgung der Verwundeten bittet der Vaterländische Frauenverein um "Liebesgaben" jedweder Art: Wäsche, Lebensmittel, Geld, alles wird gebraucht. Ganze Fuhren Obst und Gemüse werden von den Landwirten angeliefert und mithilfe von Freiwilligen eingekocht.

Noch vor Jahresfrist wird die Bettenzahl im Lazarett auf 145 erhöht. Gleichzeitig werden bei Solvay in Ossenberg und Borth Zweigstellen mit 25 bzw. 50 Betten zur Unterbringung von Leichtverwundeten und Genesenden eingerichtet.

Dennoch reicht die Kapazität bisweilen nicht aus. Im Oktober 1915 findet sich für 15 Verwundete noch nicht einmal mehr ein Bett, so dass an alle Rheinberger der Aufruf ergeht, "überzählige Bettstellen, hölzerne und eiserne, dem Krankenhause leihweise für die Kriegszeit zu überlassen".

Rund 6000 verwundete Soldaten werden in den Jahren des 1. Weltkriegs Aufnahme im Rheinberger Lazarett finden. Zu den wenigen verbliebenen Erinnerungen an diese Zeit gehört eine Steinplatte auf dem Friedhof am Annaberg - längst verwittert und die Inschrift nur noch teilweise lesbar: "Zum Gedächtnis der im Lazarett des Vaterländischen Frauenvereins zu Rheinberg gestorbenen ...".

Quelle: RP
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