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Rp-Serie Heimat
Ein Leben für die Natur

Xanten. Er ist das Gesicht des Weseler Naturschutzes. Wie kaum ein Zweiter setzt sich Peter Malzbender für Tiere und ihre Lebensräume am Niederrhein ein. Ein Porträt des 64-jährigen Vorsitzenden der Nabu-Kreisgruppe Wesel. Von Michael Elsing

Wesel Wenn Peter Malzbender einmal so richtig in Fahrt kommt, dann ist er kaum noch zu stoppen. Der 64-Jährige liebt die Natur nicht nur, er lebt sie. Kein Wunder also, dass er, wenn es um das Thema Naturschutz geht, das Gesicht schlechthin in Wesel ist. Er selbst bezeichnet einen Film, den er als kleiner Junge im damaligen Apollo-Kino in der Fußgängerzone gesehen hat, als Knackpunkt für seinen Werdegang. Es war ein dokumentarischer Spielfilm, in dem es um in der Taiga lebende Vögel ging. "Ab da an war ich infiziert", erzählt Malzbender, der aber auch seinen Eltern einen Anteil an seiner Naturverbundenheit gibt. "Die waren schon grün, bevor es die Grünen überhaupt gab", erzählt Malzbender, der im Alter von elf Jahren bereits um die 100 Vogelarten kannte.

Heute sind es laut seiner Aussage nahezu unglaubliche 1000 Vogelarten, die der gebürtige Dinslakener auseinander halten kann. 20 Jahre lang arbeitete der gelernte technische Zeichner als Journalist, gehörte in dieser Zeit 14 Jahre lang zu den Machern der Zeitung "Der Buntspecht". Aber es ist nicht die berufliche Vita, die den Menschen Peter Malzbender so außergewöhnlich erscheinen lässt. Es sind seine persönlichen Geschichten rund um die Natur und es ist vor allem sein Herzblut, mit dem er für die Sache kämpft. Wer kann schon von sich behaupten, in seiner Jugend einen Fuchs zu Hause gehalten zu haben, für den extra ein Stall gebaut wurde und mit dem Malzbender an der Leine spazieren ging. "Meine Eltern haben mich gewähren lassen, denn sie wussten, dass ich nicht zu retten bin", sagt er mit ironischem Unterton. "Ich bin eben mit Leib und Seele ein Feld-Ornithologe. Die Natur wird für mich nie langweilig."

So ist es keine Überraschung, dass Peter Malzbender das am längsten amtierende Vorstandsmitglied der Nabu-Kreisgruppe Wesel ist. Seit 1986 ist er dabei, seit acht Jahren ist er der Vorsitzende der Gruppe, die etwa 6500 Mitglieder hat und damit landesweit die größte Gruppe darstellt und auch auf Bundesebene zu den mitgliederstärksten Gruppen zählt.

Und wieder gerät der vierfache Vater ins Schwärmen. Diesmal über das Umfeld, in dem er tätig ist. "Den Niederrhein muss man inhalieren. Er erschließt sich einem nicht sofort, man muss ihn kennenlernen wollen."

Dass ein Typ wie Malzbender nicht daran denkt, es etwas ruhiger angehen zu lassen, das ist beinahe schon selbstverständlich. Und schon ist er bei den Plänen, die er als Nabu-Vorsitzender realisieren möchte. Den Ausbau der Nabu-Naturarena "Auf dem Mars" beispielsweise, die schon jetzt auf dem 8000 Quadratmeter großen Areal einen enormen Arten-Zuwachs aufweisen kann. Ein weiteres Projekt will er gemeinsam mit Frank Seibt, Geschäftsführer des Erholungszentrums "Grav-Insel", realisieren. Und zwar die Errichtung eines Feuchtwiesenschutzgebietes auf einer Fläche von 220 Hektar. "Es wird dauern, vielleicht zehn Jahre, aber dann wird es gigantisch", ist er von dem Erfolg des Projektes fest überzeugt.

Und was tut Peter Malzbender, wenn er mal zur Ruhe kommen will? Er geht in die Natur. "Wenn ich dort allein bin, dann ist alles in Ordnung", sagt er und erzählt eine weitere von jenen Geschichten, die einen erstaunen lassen. Die von dem Rehkitz, das er verletzt im Wald gefunden hat, zu Hause pflegte, das in einem Körbchen an seinem Bett schlief, das er nach einem halben Jahr wieder in den Wald entließ, das er wieder zurücknehmen musste, weil es alleine noch nicht klar kam und für das er schließlich im Waldgebiet der Schill-Kaserne ein neues Zuhause fand.

Wer bis dahin schon glaubt, es würde sich um eine ungewöhnliche Begebenheit handeln, der sollte aus Malzbenders Mund hören, wie es weitergeht: "Wenn ich zur Entspannung dort spazieren gehe, dann rufe ich ihn. Er kommt dann immer zu mir und geht mit mir ein Stück, bekommt hin und wieder auch einen Apfel oder ein Stück Pumpernickel von mir." Spätestens jetzt ist der Punkt erreicht, an dem klar sein dürfte: Nicht nur Peter Malzbender liebt die Natur, die Natur liebt ihn ebenfalls.

Quelle: RP
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