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Xanten
Ein Lebenskünstler wird zwei mal 40

Xanten: Ein Lebenskünstler wird zwei mal 40
Ein echtes Original: Gerd Mattissen mit einer Stahlskulptur auf seinem Bauernhof am Bruckend in Wardt FOTO: Armin Fischer
Xanten. Gerd Mattissen aus Wardt ist Lehrer, Optimist, Künstler, Dichter und Erzähler. Gerade hat er zudem seinen 80. Geburtstag hinter sich gebracht. Das wird morgen gefeiert. Von Heidrun Jasper

Wer Gerd Mattissen in seinem alten Bauernhaus am Bruckend besucht, muss Zeit mitbringen. Und die wird einem nicht lang mit dem Mann, der in Xanten und der weiteren Umgebung bekannt ist wie der sprichwörtliche "bunte Hund" - im positiven Sinne. Gerade hat er seinen 80. Geburtstag hinter sich gebracht, am Sonntag will er ihn mit den Menschen feiern, "die mir in meinem Leben Freude bereitet haben".

Es dürfte also voll werden bei Gerd Mattissen, der in St. Tönis geboren ist, in Krefeld Maschinenschlosser gelernt und Webstühle gebaut hat und im zweiten Lehrjahr den Kultusminister angeschrieben hat, dass er doch gerne Lehrer werden möchte. "Was kann ich denn da machen?", hat er ihn gefragt. Er müsse erst sein Abitur machen, haben ihm der Kultusminister geantwortet, und dann auf Lehramt studieren.

Das tat Gerd Mattissen denn auch: Er machte sein Abitur an einem Abendgymnasium in Düsseldorf, studierte dann an der Pädagogischen Hochschule in Aachen Mathematik, Deutsch, Geschichte und Kunst, trat an der damaligen Volksschule in Lüttingen seine erste Stelle als Lehrer an und wechselte 1968 zur Hauptschule Sonsbeck, an der er gut 30 Jahre unterrichtete. "Das war die schönste Zeit meines Lebens", sagt der Wardter, der seit Jahrzehnten in Sonsbeck an St. Martin den Bettler gibt - "ich muss immer aufpassen, dass mein Temperament nicht mit mir durchgeht und ich hinterher auf dem Pferd sitze". Viele Jahre war er dort auch Leiter der Volkshochschule und hat Kurse gegeben. In Keramik- und Emailletechnik.

Denn Mattissen ist nicht nur Poet, er ist auch Künstler, erschafft Stahl-skulpturen, die überall in seinem großen Garten stehen, eine davon auch am Mitteltor in Xanten. "Siegfried tötet den Drachen unter freundlicher Mithilfe von Gerd Mattissen", nennt er die Skulptur. "Ich muss auf meinen Vater kommen, der hatte auch viel Humor", schiebt er im nächsten Satz nach. Und eigentlich sei er ja noch gar nicht so alt, sagt der 80-Jährige und zeigt als Beweis das T-Shirt, das seine Enkelin Finja (10) für den Opa zum Geburtstag bedruckt hat: "Ich bin nicht 80, ich bin 2 x 40".

Im nächsten Moment greift er zu seinem kleinen Buch, in dem er einige seiner Gedichte veröffentlicht hat. "Er dichtet bei jeder Gelegenheit", verrät seine Frau Gerhild. Mit dem Büchlein geht er übrigens auch in ein Altenheim. "Da sorg' ich dann für einen schönen Nachmittag." Das tut der Optimist und Künstler, der Dichter und Erzähler und Lebenskünstler eigentlich immer, wenn man ihn in seinem Refugium am Bruckend besucht.

Quelle: RP
 
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