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Xanten
Ein Pferdetag für Flüchtlingskinder

Xanten. Auf dem Rosenhof Kiwitz gab es ein buntes Programm für Xantener Asylbewerberkinder und ihre Eltern. Von Erwin Kohl

"Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde", hat schon der Schriftsteller Friedrich von Bodenstedt erkannt. Dieses Glück wurde jetzt 22 Xantener Flüchtlingskindern und deren Eltern auf dem Rosenhof Kiwitz zuteil. "Wir wollten unseren Neuankömmlingen einfach mal einen schönen Vormittag bieten", erzählt Waltraud Schmitz. Gemeinsam mit Hofbetreiberin Heike Kiwitz und einer 15-köpfigen Stallgemeinschaft hatte sich die Reittherapeutin einige Attraktionen ausgedacht.

Im Mittelpunkt standen Ponys wie der 30-jährige Mecki. Mit einer Mischung aus Mehl und Lebensmittelfarbe hat sich der rüstige Rentner geduldig von Kinderhänden anmalen lassen. Rosa Herzchen, himmelblaue Sternchen oder der Händeabdruck der kleinen Ragma aus Syrien haben Mecki in ein lebendiges Kunstwerk verwandelt. Auch Artgenosse Johnny erstrahlte in vielen bunten Farben. Den Tieren macht das nichts aus, so Waltraud Schmitz: "Im Gegenteil, die beiden lassen sich total gerne betüddeln. Hinterher bürsten wir die Farbe wieder raus, das finden sie ganz toll."

Nebenan im Reitstall haben die vielen Helfer einen abwechslungsreichen Parcours aufgebaut. Mit Schaumstoffstangen als Lanzen werden Ringe im Vorbeireiten anvisiert, bevor es durch einen Glitzervorhang und über Hindernisse weitergeht. Marine mochte am liebsten gar nicht mehr absteigen. Für sie ist ein Traum in Erfüllung gegangen. "Ich mag Pferde über alles", sagt die neunjährige Armenierin.

Weil nicht alle so reitbegeistert sind, hat sich die Stallgemeinschaft ein Alternativprogramm mit Bällebad, Hüpfkissen und Fußball-Kegeln ausgedacht. Vor allem von Mädchen stark umlagert war der Basteltisch. Unter fachlicher Anleitung entstanden hier mit Schere und Kleber kleine Papierpferde. Für das leibliche Wohl sorgte Karla Groschang, die unentwegt Waffeln mit Puderzucker servierte.

Einen solchen Pferdevormittag mit Flüchtlingskindern zu organisieren, ist nicht ganz einfach. "Wir wissen heute nicht, wie viele Flüchtlinge morgen da sind. Selbst eine mittelfristige Planung wird da schwer. Hinzu kommt, dass Neuankömmlinge oft weder Deutsch noch Englisch sprechen, was dazu geführt hat, dass manche Kinder heute Morgen mit einer Schultasche am Bus standen", berichtete Heike Pullich-Stöffken, Mitarbeiterin der Xantener Flüchtlingshilfe. Zum Glück stand David Abdolahian, Hausmeister der Flüchtlingsunterkünfte, als Übersetzer bereit. Für die An- und Abreise sorgte der DBX.

Dass der Weg von Flüchtlingskindern in eine unbeschwerte Kindheit noch sehr viel Verständnis und Hilfsbereitschaft erfordert, zeigt sich am Beispiel von Gordon. Der Hofhund wollte sich nur ein paar Streicheleinheiten abholen, als einige Kinder verschreckt davon liefen. Heike Kiwitz kennt den traurigen Hintergrund: "Im Iran werden Hunde zur Folter eingesetzt. Wir haben ihnen erklärt, dass es unsere Freunde sind, aber die Skepsis blieb."

Quelle: RP
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