| 00.00 Uhr

Xanten
Einbruch: Mildere Strafe für Algerier

Xanten. Das Klever Landgericht milderte gestern das Urteil gegen einen 29-jährigen Algerier ab, der 2013 in ein Wohnhaus in Xanten eingebrochen war. Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil aus 2016 aufgehoben - nun muss der Angeklagte nur drei statt dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe verbüßen. Von Jens Helmus

Weil der Bundesgerichtshof (BGH) ein Urteil des Klever Landgerichtes gegen einen 29-jährigen Algerier teilweise aufgehoben hatte, musste das Strafmaß gestern neu verhandelt werden. Die auswärtige Kammer des Landgerichtes in Moers hatte den Angeklagten im vergangenen Jahr wegen versuchter räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Wohnungseinbruchsdiebstahl zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. In Kleve wurde das Strafmaß gestern auf drei Jahre reduziert.

Nach den Feststellungen der auswärtigen Kammer im ersten Urteil ist der Angeklagte im Mai 2013 zusammen mit einem weiteren Asylbewerber in ein Wohnhaus in Xanten eingebrochen. Die Täter nahmen Wertgegenstände und Bargeld aus dem Haus und verließen dieses. Weil sie jedoch im Schlafzimmer zusätzliches Bargeld vermuteten, kehrten sie zurück und drangen auch in das Schlafzimmer ein, in dem ein damals 73-jähriger Mann schlief. Als dieser erwachte, traktierte der Komplize des Angeklagten den Bewohner mit Schlägen und Tritten. Als der Geschädigte in Todesangst einen Herzanfall vortäuschte, schleiften ihn die beiden Männer mit der Forderung nach mehr Geld ins Erdgeschoss, wo der 73-Jährige sich losreißen und durch die Haustür fliehen konnte.

Durch Beschluss des BGH wurde das Urteil im Strafausspruch aufgehoben, weil die auswärtige Kammer eine mögliche Strafmilderung aufgrund der lediglich versuchten räuberischen Erpressung mit nicht tragfähiger Begründung abgelehnt haben soll. Die erste Große Strafkammer in Kleve musste das Strafmaß daher gestern neu festlegen, ohne die Feststellungen des ersten Urteils zur Tat neu zu verhandeln.

Die Klever Strafkammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Ruby milderte das Strafmaß gestern dementsprechend auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren ab. Die räuberische Erpressung, die nach Erwachen des Geschädigten begann, sei laut Ruby "weit von der Vollendung entfernt gewesen", was eine Milderung nach Versuchsgrundsätzen notwendig mache. Die Staatsanwaltschaft hatte das Strafmaß hingegen als angemessen bezeichnet und gefordert, die Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren aufrecht zu erhalten. Die Verteidigung hatte eine Strafe von unter drei Jahren gefordert.

Der Angeklagte war in Algerien aufgewachsen und zur Schule gegangen, bevor er 2011 nach Deutschland kam. Er lebte unter anderem mehrere Monate in einer Asylunterkunft in Xanten, bevor er nach der Ablehnung seines Asylantrags nach Frankreich zog. Dort wurde er im Februar 2016 festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert, wo er sich seitdem in verschiedenen Justizvollzugsanstalten in U-Haft befindet. Die Haft bleibt aufrechterhalten, bis das Urteil in einer Woche rechtskräftig wird. Bis dahin kann der Mann Berufung einlegen.

Quelle: RP