| 10.22 Uhr

Xanten
Eindruckvolle Würdigung für Udo Jürgens

Eindruckvolle Würdigung für Udo Jürgens von der Chorgemeinschaft Lüttingen
Ein Jahr hat die Chorgemeinschaft Lüttingen jede Woche Lieder von Udo Jürgens geprobt, die sie jetzt vor vollem Haus in der Mensa am Gymnasium aufführte. Ein gelungener Konzertabend! FOTO: AF
Xanten. "Aber bitte mit Sahne": Die Chorgemeinschaft Lüttingen erinnerte mit einem Konzert an die Musik des Österreichers. Von Heidrun Jasper

Damit hat Paul Rammler nicht gerechnet: "Schön, dass Sie da sind", freute sich der Leiter der Chorgemeinschaft Lüttingen, die sich vor einem Jahr mit weiteren Sängerinnen und Sängern an ein Projekt wagte, das jetzt in einem Konzertabend in der Mensa am Gymnasium gipfelte. Das Projekt hieß Udo Jürgens - ein großartiger Sänger, Komponist, Songwriter, der mehr als 60 Jahre weltweit mit seinen Liedern begeisterte und am 21. Dezember 2014 in seiner Heimat Schweiz gestorben ist. Schon wenige Wochen nach seinem Tod beschloss die Chorgemeinschaft, ihn mit einem Konzert zu ehren.

Aber bitte mit Sahne, Griechischer Wein, Ein ehrenwertes Haus, Merci Cherie, Ich war noch niemals in New York: Der Künstler war bereits zu Lebzeiten eine Legende, war größtes Idol der deutschen Jugend, musikalischer Wegbegleiter unzähliger Menschen, die alle seine Lieder kennen und mitsingen können. Einer von ihnen ist Heiko Eyll, Mitglied der Chorgemeinschaft Lüttingen und Udo-Jürgens-Fan. Er outete sich als profunder Kenner des Künstlers, dementierte im (einstudierten) Dialog mit Chorleiter Rammler, dass der charismatische Mann "nur" ein Schlagersänger war. "Udo Jürgens konnte alles, war im Chanson ebenso zu Hause wie im Jazz. Er hat mehr als 1000 Lieder komponiert und getextet, hat Brücken gebaut zu unterhaltender und ernsthafter Musik".

"Ich glaube, dass der Acker, den wir pflügen, uns eine Weile nur gehört": Der Mann am Klavier hat in seinen Liedern Stellung bezogen, war sozialkritisch, hat sich in "Die letzte große Gier", eines seiner letzten Lieder, mit der Treibjagd nach dem ganz großen Geld auseinandergesetzt. Ein Stück, mit dem die Chorgemeinschaft quasi Weltpremiere feierte. Denn der Künstler selber hatte es noch nie aufgeführt. Es war gut, dass Paul Rammler mit seinen sangesfreudigen Frauen und Männern noch einmal die Lieder des Mannes am Klavier anstimmten, der am Konzertabend auf den Tag genau (5. März 1965) mit "Merci Cherie" für Österreich in Luxemburg den Grand Prix gewonnen hat. Der Anfang der 70er aus einem Urlaub in Griechenland zurückgekommen war, sich ans Klavier gesetzt und in 20 Minuten die Melodie für den "Griechischen Wein" im Kasten hatte. "Zwei Jahre dauerte es, ehe Michael Kunze mit seiner Idee für den Text durch die Tür kam", erzählte Heiko Eyll einer alterstechnisch bunt gewürfelten Zuhörerschaft, die nur allzu gerne und absolut textsicher einstimmte in Lieder wie "Es wird Nacht, Señorita" und "Immer wieder geht die Sonne auf". Fünf ausgezeichnete Musiker, die anfangs verhalten auf Rammlers' Bitte reagiert hatten ("Udo Jürgens war nicht so ihr Ding"), begleiteten den Chor: Benjamin Hantke am Klavier, Christian Leupers (Saxofon), Kai Springstein (E-Gitarre), Thorben Lang (Bass) und Christian Kempkens (Schlagzeug). Die Mädels vom SSV Rheintreu Lüttingen übernahmen die Bewirtung in der Pause. Paul Rammler dankte zum Abschluss vielen Förderern (etwa dem Kulturfonds des Kreises Wesel), Liz Döring (die für ein Lied den Taktstock übernommen hatte) und vor allem der Vorsitzenden Renate Pulheim: "Die Zusammenarbeit mit dir war klasse!" Das Kompliment gab sie zurück: "Wenn er die Idee nicht gehabt hätte, stünden wir jetzt nicht hier". "Es hat Spaß gemacht", so Rammler an den Chor. "Stimmt", kann die Chronistin nur bestätigen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Eindruckvolle Würdigung für Udo Jürgens von der Chorgemeinschaft Lüttingen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.