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Heimat erleben in Xanten
Eine Bootsfahrt, die ist lustig

Heimat erleben in Xanten: Eine Bootsfahrt, die ist lustig
Xanten vom Wasser aus erleben: Seit zwölf Jahren tuckert an sieben Monaten im Jahr die Seestern über Nord- und Südsee. Ihr Heimathafen ist Vynen. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Eine ungewöhnliche Perspektive auf Xanten und seine Ortschaften bietet ein Schiffsausflug auf Nord- und Südsee mit der Seestern. Von Heidrun Jasper

Blau-weiß gestreifte Gardinen an den Fenstern, blaue Bezüge auf den Sitzbänken, in Holz eingelassene weiße Tische, als Tisch-Deko kleine Leuchttürme auf Sand: Es ist gemütlich an Deck der "Seestern", die seit zwölf Jahren an sieben Monaten im Jahr über Nord- und Südsee tuckert und Fahrgästen die Sicht auf Xanten aus ganz anderer Perspektive eröffnet - vom Wasser aus. An der Nordsee im Hafen in Vynen liegt das Fahrgastschiff vor Anker. Seit zwei Jahren steht mit Nikolai Nachtigall ein junger Mann am Ruder, der vor 26 Jahren in Herdecke geboren wurde und erst seit Kurzem in Xanten zu Hause ist.

FOTO: Fischer, Armin (arfi)

Durch Zufall kam der Binnenschiffer, der seine Ausbildung auf dem Oberrhein gemacht hat und viel auf der Elbe und den norddeutschen Kanälen gefahren ist, auf das Schiff. "Ich habe bei der Atlas-Schifffahrt in Duisburg meine Patente erworben, eine Zeit lang in Moers gelebt, bin dort zur Berufsschule gegangen und eines Tages mit dem Rad nach Xanten und weiter nach Vynen gefahren."

Und da lag sie, die Seestern, die am 27. April 2003 getauft wurde. Ohne Sekt am Bug, der Scherben wegen. Aber mit Sekt an Deck und viel Seemannsliedern vom Shanty-Chor. Damaliger Eigner war Rainer van Laack, der zusammen mit Bruno Alfert die Xantener Personenschifffahrtsgesellschaft gegründet, in ganz Deutschland nach einem Ausflugsschiff gesucht hatte und in Alf an der Mosel fündig geworden war: Genieteter Schiffsstahl, 90 PS Dieselmotor, 70 Zentimeter Tiefgang, ein Ruder, ein Propeller, 1933 in Königswinter gebaut, auf dem Baldeney-See in Essen als Touristenschiff eingesetzt. Diakon Hüsken segnete das Schiff, Xantens damaliger Bürgermeister Christian Strunk freute sich, "dass Nord- und Südsee endlich dem Personenverkehr offen stehen". Dann stach die Seestern zum ersten Mal offiziell in See.

Und damals wie heute das gleiche Bild. Mit acht bis neun Stundenkilometern gleitet das Fahrgastschiff am Nordseeufer entlang, beschaulich dümpeln die Segelboote im Vynener Hafen, scheint der Turm von St. Martin noch größer zu sein. Dann wendet sich der Blick der Wardter Dorf-Silhouette zu, auch dort gibt es einen Anleger mit Zusteigemöglichkeiten. Weiter geht die Fahrt durch die so genannte Wardter Förde. Kurzer Stopp an der Klappbrücke. Brücke hoch, Schiff durch, Brücke runter: Etwa vier Minuten dauert das Prozedere, müssen Autofahrer in Wardt warten, damit die Seestern den Kanal passieren und über die Südsee den Hafen in Xanten ansteuern kann. Denn die Klappbrücke ist "im Weg", da passt das Schiff nicht drunter durch.

Und manchmal muss auch das Schiff warten, ehe es weiterfahren kann: An heißen Sommertagen beispielsweise, wenn bis zu 10.000 Besucher das Strandbad in Wardt aufsuchen, braucht es Fingerspitzengefühl, lässt der Brückenwärter erst mal einen Teil der langen Blechlawine passieren, bevor er den schwarzen Knopf drückt, mit dem die Klappbrücke geöffnet - und auch wieder geschlossen wird.

Die kurze Wartezeit überbrückt Kapitän Nachtigall mit Infos über die Brücke. Überhaupt versorgt er seine Fahrgäste - bis zu 70 Personen finden Platz auf der Seestern - während der gesamten Fahrt von Vynen über Wardt nach Xanten und Lüttingen immer wieder mit interessanten Details über die Seenplatte (240 Hektar Wasserfläche), erklärt, wie sie entstanden ist (künstlich angelegt, sprich ausgekiest, 15 bis 20 Meter tief), erzählt von den Häfen in Vynen, Wardt und Xanten, vom Strandbad mit der Wasserski-Anlage. Dazu gibt es Musik aus der Konserve, nicht nur Seemannslieder vom Shanty-Chor: Je nach Publikum legt der Kapitän auch mal "Ballermann"-Musik auf.

Gut 50 Minuten dauert die Fahrt von Vynen bis nach Lüttingen, etwas schneller geht die Rückfahrt, weil dann der Anleger in Wardt nicht angesteuert wird. Servicekräfte versorgen die Gäste mit Kaffee und stets frisch gebackenem Kuchen und Getränken.

Wie Fatma beispielsweise: Die junge Studentin (21) ist im Libanon geboren, lebt seit vielen Jahren in Deutschland, studiert Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule in Bocholt und finanziert ihr Studium zum Teil mit der Saisonarbeit auf der Seestern.

Zwei Service-Kräfte sind in der Hauptsaison (vom 28. Juni bis zum 14. September) an Bord. Mittwochs bis samstags legt die Seestern in der Regel vier Mal an (und wieder ab), sonntags fünf Mal. In der Nachsaison fährt Nikolai Nachtigall an den genannten Wochentagen zwei Runden, sonntags vier. Je nach Witterung.

"Ich bin angekommen", sagt Nikolai Nachtigall: "Xanten ist einfach ein Traum, die Stadt ist meine Heimat geworden. Als Binnenschiffer ein Zuhause zu haben, ist schon ein Privileg."

Dass das so ist mit Anker im Zuhause, daran dürfte auch Stephanie "Schuld" sein: Pfingstsonntag im Jahr 2014, da hatte die junge Frau mit einer Freundin den Fischmarkt in Vynen besucht und fuhr mit der Seestern zurück nach Wardt. Und der 26-Jährige hat sich auf den ersten Blick verliebt. "Sie ist meine Traumfrau." Wie schön!

Quelle: RP
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