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Xanten
Eine brillante Nachwuchs-Pianistin

Xanten: Eine brillante Nachwuchs-Pianistin
Die erst 15-jährige Yumeka Nakagawa begeisterte die Zuhörer im Ratssaal mit einem bereits brillanten Vortrag am Yamaha-Flügel. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Im Rahmen des 6. Internationalen Euregio Rhein-Waal Studentenmusikfestivals gastierte die erst 15-jährige Düsseldorferin Yumeka Nakagawa im Xantener Rathaus: ein absolut stilsicherer und lebendiger Vortrag. Von Udo Spelleken

Das 6. Internationale Euregio-Rhein-Waal-Studentenmusikfestival beschert Xanten sechs Konzerte im Ratssaal. Kommen die Studenten bei drei Konzerten in der nächsten Woche zu ihrem Konzertrecht, so waren es in dieser Woche drei außerordentlich vielversprechende Nachwuchspianistinnen. Die erst 15-jährige Carl-Bechstein-Stipendiatin Yumeka Nakagawa gehörte zum Beispiel dazu. Altbürgermeister und Vorsitzender der Dom-Musikschule, Alfred Melters, zitierte vor rund 40 Zuhörern mit Blick auf die junge Pianistin aus Thomas Manns Erzählung "Das Wunderkind", dem "sein Auftritt ein unbeschreibliches Vergnügen, ein prickelndes Glück, einen heimlichen Wonneschauer bereitet".

Die in Düsseldorf geborene Yumeka Nakagawa spielt seit ihrem vierten Lebensjahr Klavier und ist seit 2014 Schülerin von Prof. Barbara Szczepanska, die im Publikum saß. Yumeka ist Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe und hat bei einer Vielzahl von Konzerten mitgewirkt, trat beispielsweise mehrmals beim Klavier-Festival Ruhr auf. Sie hat beim 51. Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" einen ersten Preis mit 25 Punkten (der Höchstpunktzahl) gewonnen und wurde dafür mit dem Stipendium der CarlBechstein-Stiftung ausgezeichnet.

Bereits bei den ersten Tönen der Scarlatti Sonate K 162 bestach Yumeka durch eine lebendige und absolut stilsichere Interpretation. Sie arbeitete raffiniert mit Klangfarbendifferenzierungen, dynamischen Unterschieden und Anschlagsnuancen, die der moderne Yamaha-Konzertflügel bereithielt. Durch agogische Feinarbeit trennte sie nicht nur Satzabschnitte und markierte Scarlattis typische rasante Abbiegemanöver, sondern gestaltete damit auch Spannungsmomente. Das alles war mit Augenmaß eingesetzt, zu keinem Zeitpunkt übertrieben, aber doch so griffig und mit Temperament gehandhabt, wie es der Spritzigkeit von Scarlattis wendungsreichen Sonaten entspricht.

Wahrhaft furios gestaltete sie die Sonate Op. 2 Nr. 3 von Ludwig van Beethoven. Wuchtig klang bei ihr das Allegro con brio, bei dem man sich den aufbrausend cholerischen Beethoven gut vorstellen konnte. Die Kontraste zu den eigenwilligen ruhigen Abschnitten wurden geradezu extrem. Sehr graziös wirkten die menuettartigen Stellen im Scherzo Allegro. Der Akkordhymnik verlieh die Jungstudentin in Friedrich Chopins "Ballade As-Dur Op. 47 Nr. 3" emphatische Kraft, um sich dann in feiner Lyrik in die eloquent ausgeformten Cantando-Passagen zu vertiefen. Die Zuhörer erlebten brillante Kaskaden und rauschhafte Steigerungen.

Eine eigenwillige Interpretation stellte Yumeka in der Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt vor. Mit beeindruckenden Oktavläufen, Trillern und halsbrecherischen Akkordverbindungen zeigte sie ihre Virtuosität. Mit der "Etüde Op. 40 Nr. 8" von Nikolai Kapustin erlebte das begeisterte Publikum konzertanten Jazz in glasklarer Präzision und nonchalanter Leichtigkeit.

Die Reihe der Konzerte im Rahmen des Musiksommers wird am nächsten Dienstag, 26. Juli, fortgesetzt. Pawel Motyczynski aus Polen spielt Werke von Vasks und Gershwin. Am 27. und 28. Juli folgen weitere Konzerte im Ratssaal - jeweils ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden zur Finanzierung der Reihe sind erwünscht.

Quelle: RP
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