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Zum Sonntag
Einschließen, nicht ausgrenzen!

Xanten. Niemand darf auf ewig verurteilt werden, erklärte der Papst in einem Schreiben zur Liebe, das er im Frühjahr veröffentlichte. Damit sind nicht nur Geschiedene gemeint, sondern alle Menschen. In der Kirche weht nun ein neuer Geist. Er grenzt nicht aus, sondern schließt ein.

Ein Papstwort über die Liebe - und das hat es in sich. Im März hat der Papst ein Schreiben über die Liebe veröffentlicht. Es ist das Ergebnis der beiden großen Bischofssynoden in Rom. Und es richtet sich an uns alle, nicht nur an Bischöfe und Priester, denn es geht uns alle an. In dem Schreiben weht ein für unsere Kirche neuer Geist, nicht grundlegend neu natürlich, es ist der Geist Gottes, der spürbar in neue Richtungen weht.

Ein ganzer Abschnitt meditiert über die Liebe, ganz biblisch nach dem 1. Korintherbrief, und Sexualität wird grundsätzlich gut geheißen.

Im achten Kapitel schreibt der Papst zu Menschen ohne Trauschein: " Daher sind [...] Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen. Es ist erforderlich, auf die Art und Weise zu achten, in der die Menschen leben und aufgrund ihres Zustands leiden. [...]. Es geht darum, alle einzugliedern; man muss jedem Einzelnen helfen, seinen eigenen Weg zu finden, an der kirchlichen Gemeinschaft teilzuhaben, damit er sich als Empfänger einer unverdienten, bedingungslosen und gegenleistungsfreien Barmherzigkeit empfindet. Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums! Ich beziehe mich nicht nur auf die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, sondern auf alle, in welcher Situation auch immer sie sich befinden."

Es geht um alle Menschen, die in Partnerschaft zusammenleben und aus welchen Gründen auch immer nicht heiraten, und ich beziehe das Papstwort auch auf Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Sie alle sollen nicht ausgeschlossen, sondern eingeschlossen werden. Später sagt er, dass sie nicht nur nicht exkommuniziert sind, sondern sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen sollen, denn in ihren Beziehungen ist der Geist Gottes lebendig. Das geht uns alle an, diejenigen, die sich bislang ausgeschlossen fühlten, sind eingeladen, und diejenigen, die bislang Gemeinde bildeten, sollen sich öffnen und andere motivieren mitzumachen. Seelsorger sollen begleiten, Menschen nicht verurteilen, sondern auf Ihrem Weg begleiten und einen Weg in der Gemeinde öffnen.

Der Papst mutet uns viel zu, denn es geht wirklich um alle, "in welcher Situation auch immer sie sich befinden". Es gibt jetzt keine Ausrede mehr, kein Verstecken hinter Obrigkeit und Kirchenrecht. Dabei spricht der Papst in seinem Schreiben voller Hochachtung von Liebe und Ehe. Es lohnt sich, das Schreiben des Papstes zu lesen. Es ist erhältlich über die Deutsche Bischofskonferenz (dbk.de), in vielen Kirchen liegt es auch aus: Nachsynodales Apostolisches Schreiben "Amoris Laetitia" des Heiligen Vaters Papst Franziskus. Machen auch Sie mit. Laden Sie die ein, die sich von der Kirche abgewandt haben. Hier weht ein frischer Geist, der Geist Christi, der nicht ausgrenzt, sondern einschließt! Und der Papst stellt in seiner humorvollen Weise klar: "Die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben."

Ich wünsche ihnen ein gesegnetes Wochenende und Gottes erfrischenden Geist!

AUTOR WOLFGANG SCHMITZ IST DECHANT UND PFARRER VON ST. PETER RHEINBERG.

Quelle: RP
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