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Xanten
"Elise" - das Segelschiff aus Pflaumenbaum

Xanten: "Elise" - das Segelschiff aus Pflaumenbaum
Der 81-jährige Werner Quurck ist Modellbauer aus Leidenschaft. Alleine 350 Stunden hat er für den Bau seiner "Elise" benötigt. FOTO: Olaf Ostermann
Xanten. Werner Quurck ist mit seinem Modelboot dabei, wenn heute und morgen auf der Xantener Nordsee die Deutschen Meisterschaften für Modellsegeljachten stattfinden. Start und Ziel ist im Hafen Wardt. Von Erwin Kohl

Wenn Werner Quurck seine Segeljacht "Elise" auf der Xantener Nordsee in den Wind legt, um Fahrt aufzunehmen, muss er ganz genau hinsehen. Denn der Rentner aus Vynen ist nicht an Bord, sondern steuert den maßstabsgetreuen Nachbau einer Jacht aus dem Jahre 1926 vom Ufer aus mit den Daumen an der Fernsteuerung. Und das ist nicht so einfach, wie es aussieht. "Wenn man selber im Boot sitzt, spürt man den Wind sofort. So muss ich darauf achten, wie sich das Boot verhält, und kann erst Sekunden später darauf reagieren", so Quurck. Auf diese Sekunden kommt es am Wochenende an, wenn auf der Xantener Nordsee die vom Schiffsmodellbau-Club (SMC) Duisburg ausgerichteten deutschen Meisterschaften für Modellsegeljachten stattfinden.

Als Vereinsvorsitzender des SMC und Organisator des Wettbewerbes weiß Quurck natürlich, worauf es bei den Manövern ankommt: "Wenn man gegen den Wind aufkreuzen muss, spielt der richtige Moment eine entscheidende Rolle, um möglichst eng um die Boje zu kommen und Strecke zu sparen." Umrundet ein Teilnehmer die Boje gar von der falschen Seite, muss er einen neuen Anlauf nehmen. "Das passiert sogar alten Hasen", weiß der Modellschiffer. Damit er seine Jacht im Getümmel der Regatta nicht aus den Augen verliert, hat er das Focksegel leuchtend blau gefärbt.

Ambitionen auf den Titel hegt der 81-jährige dennoch keine. Quurck ist Modellbauer aus Leidenschaft. Modelle aus dem Verkaufskarton ins Wasser lassen, das kommt für ihn nicht infrage. Alleine 350 Stunden hat er für den Bau seiner "Elise" benötigt, auch deshalb, weil er fast alles selber herstellt. "Als ich vor 60 Jahren mit dem Hobby angefangen habe, gab es kaum Zubehör. Meine erste Fernsteuerung hat ein befreundeter Radio- und Fernsehtechniker gebaut, und das Bootsmaterial stammt aus einer Ahornbohle, die ich mir 1970 von einem Holzhändler besorgt habe", erinnert sich der ehemalige Bergmann aus Duisburg.

Nehmen, was da ist: Diese Einstellung hat sich Quurck bis heute bewahrt. Als ein Sturm den Pflaumenbaum zerbrach, hat er das Holz aufgehoben und getrocknet. "Daraus ist das Deck der Elise entstanden. Die Kajüte habe ich aus dem Holz unseres Birnbaums gefertigt", erzählt der Tüftler. Sogar die filigranen Leinen, über die er per Daumen die Segel verstellt, hat Quurck selber angefertigt: "Damals gab es in dieser Größe nur spröden Bindfaden, also habe ich mir eine kleine Reeperbahn gebaut. Damit stelle ich die Leinen heute noch aus Garn her."

Die Vorbereitungen für die in zwei Klassen ausgetragenen Meisterschaften am Wochenende sind abgeschlossen. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. "Wenn wir eine Flaute haben, stehen wir auf dem Schlauch", gesteht der Organisator. Sollten die Winde es aber allzu gut mit den Modellbaufreunden meinen und ein Boot zum Kentern bringen, ist das halb so wild. Quurck: "Wir kennen einen Taucher aus Duisburg, der hat bis jetzt noch jedes Modell vom Seegrund geholt."

Die zweiten Deutschen Meisterschaften für Modellsegeljachten finden am Wochenende im Hafen Wardt statt - am Samstag, 27. August, von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag, 28. August, von 10 bis 16 Uhr (wenn das Wetter mitspielt).

Quelle: RP
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