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Serie Niederrhein Voller Energie
Enni auf dem Weg zum Energiemanager

Serie Niederrhein Voller Energie: Enni auf dem Weg zum Energiemanager
Stefan Krämer ist Geschäftsführer der Enni Energie und Umwelt. FOTO: Privat
Xanten. Stefan Krämer, Geschäftsführer der Enni Energie und Umwelt, gibt ein ehrgeiziges Ziel aus: 2035 soll so viel Strom vor Ort produziert werden, wie von Haushalten und Unternehmen verbraucht wird. Starker Zuwachs in der Region.

Wo stehen wir in Sachen Energiewende?

Stefan Krämer Anders als in vielen anderen Kommunen sind wir in Moers und Neukirchen in den letzten Jahren weit vorangekommen, auch weil wir die Chancen der Energiewende konsequent genutzt haben. So betrug der Anteil des vor Ort mit erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugten Stroms bezogen auf den Verbrauch in beiden Städten Ende 2014 schon 30 Prozent. In fünf Jahren werden wir insbesondere durch unsere beiden Windprojekte im Norden von Moers schon bei etwa 45 Prozent liegen. 2035, so unser festes Ziel, soll so viel Strom vor Ort produziert werden, wie von Haushalten und Unternehmen verbraucht wird. Damit liegen wir weit über dem Ziel der Bundesregierung, die eine regenerative Erzeugungsquote von etwa 60 Prozent anpeilt. Erreichen können wir das aber nicht nur mit unseren großen Erzeugungsprojekten. Vielmehr sollen unsere Kunden an dieser Entwicklung aktiv mitwirken. Für die arbeiten wir an ressourcenschonenden Energiekonzepten. Aktuelle Beispiele: In Moers versorgen wir das neue Baugebiet an der Essenberger Straße mit seinen knapp Hundert Objekten bald über ein Blockheizkraftwerk. Und in Neukirchen-Vluyn arbeiten wir gemeinsam mit der Stadt an einem neuen, umweltfreundlichen Energiekonzept für das Freizeitbad und einen Schulkomplex. Unsere Kunden erhalten bei all diesen Zukunftsthemen die kostenfreie Energieberatung unserer Umweltberater.

E-Bikes sehen wir ohne Ende, Elektroautos bleiben Exoten wie Erdgasfahrzeuge. Woran liegt das?

Krämer Elektrofahrzeuge stecken aktuell in einer Sackgasse, da sie den Kinderschuhen weiter nicht entwachsen sind. Das hat viele Gründe, etwa die Anschaffungskosten, die im Vergleich zu den konventionellen Verbrennungsmotoren noch zu hoch sind. Hinzu kommen geringe Reichweiten und lange Ladezeiten. All das verhindert eine schnelle Marktdurchdringung, die ich für reine Elektroautos auch in den kommenden Jahren noch nicht sehe.

Sind Windkraftanlagen und Solardächer noch als Anlageform interessant?

Krämer Vor allem Windkraftanlagen sehe ich weiter als Erfolgsbausteine der Energiewende, die auf Land wirtschaftlich weiterhin attraktiv sind. Auch auf See steigt nach schwierigen ersten Jahren die Attraktivität zusehends. Schwieriger sieht es derzeit aber für Photovoltaikanlagen aus. Dachanlagen lohnen sich in der Regel nur noch, wenn Betreiber den Strom selbst nutzen können. Auch für große Solarparks wird es vor allem hinsichtlich der Genehmigung schwieriger. Die ist in der Regel nur noch an schmalen Streifen entlang der Autobahnen und Bahntrassen möglich.

Werden wir uns eines Tages alle autark mit Strom und Wärme versorgen können?

Krämer Vermutlich ja. Leider scheint die Sonne und weht der Wind nicht immer, wenn wir Strom benötigen. Um autark zu sein, müssen Technologiesprünge bei Energiespeichern und den Wirkungsgraden der Photovoltaikanlagen her. Das ist für mich aber nur eine Frage der Zeit.

Was heißt das für Versorgungsunternehmen wie Enni?

Krämer Wir sehen diesen Prozess eindeutig als Chance, die wir mit eigenen Projekten und intensivem Kundenkontakt weiter ergreifen werden. Den Unternehmen und Haushalten am Niederrhein werden wir uns als umfassender Energiemanager anbieten, mit der Energieautarkie als einem attraktiven Produkt im Gepäck. Heißt: Unsere Kunden werden wir beim technischen und wirtschaftlichen Betrieb der eigenen Anlagen unterstützen, die dort überschüssig produzierte Energie kaufen und vermarkten. Unsere Stromnetze machen wir dafür fit, in dem wir sie intelligent ausbauen. Sie sollen zukünftig über ausreichende Telekommunikationsfähigkeiten verfügen und den Strom überall aufnehmen können.

Mit der Übernahme des Erdgasnetzes von Rheinberg sind Sie einen Schritt weiter, zum Versorger der Region zu werden. Wie wird diese Entwicklung weiter gehen?

Krämer Der Zuspruch in Rheinberg motiviert unser ganzes Team, den eingeschlagenen Wachstumskurs in der Region weiterzugehen - mit immer neuen Dienstleistungen und weiteren Kooperationspartnern. Unser Ziel bleibt es daher, zwischen Moers und Xanten regenerative Projekte umzusetzen und unsere Produkte anzubieten. Der Zuschlag in Rheinberg verleiht uns dabei aktuell Flügel. Jenseits von Moers gewinnen wir derzeit jede Woche rund 100 neue Strom- und Gaskunden. Dies zeigt mir, dass die Menschen am Niederrhein uns vertrauen und unser Engagement unterstützen. Eine Entwicklung, die gerne so weiter gehen darf.

DIRK MÖWIUS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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