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Xanten
Erfolgreich im Einsatz für Behinderte

Xanten: Erfolgreich im Einsatz für Behinderte
Angela Weniger wies aus eigener Betroffenheit auf mangelnde Barrierefreiheit in Xanten hin. So entstand die Initiative All inclusive". FOTO: Fischer
Xanten. Aus dem vor 15 Monaten gegründeten Stammtisch ist mit "All inclusive" eine erfolgreiche Initiative geworden. Von Peter Kummer

Anfangs war Angela Weniger nicht bewusst, welchen Stein sie mit ihrem Stammtisch für Menschen mit Behinderungen ins Rollen brachte. 15 Monate später ist daraus eine Bewegung geworden, die innerhalb der kurzen Zeit schon einiges bewegt und angestoßen hat. Im Rathaus wird im kommenden Jahr das WC barrierefrei zu erreichen sein, ein glatter Weg ohne Stolperfallen um den Dom herum ist in der Planung, und die Poller auf der Boxteler-Bahn-Trasse sind inzwischen so auseinandergesetzt, dass Menschen mit Rollator sie umkurven können.

Die Sonderpädagogin ist selbst gehbehindert. "Ich merke, dass ich schlechter durch die Stadt komme", berichtet sie, und ist bei ihren Gängen auf Stock oder Rolli angewiesen. "Ich quäle mich zum Beispiel im Rathaus die Treppe hoch, wenn ich in den Rat möchte oder in ein Konzert. Über den Markt kann ich mich auch nur schwer bewegen." Die Pflasterung mache das Gehen dort zur Qual; immer wieder droht sie zu stolpern. Darum nutzt die 51-Jährige dort lieber den gepflasterten Streifen aus glatten Steinen, das "Gängelband", wie es Reinhard Lipp (Linke) einmal bezeichnete.

Um sich mit anderen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen auszutauschen, lud sie zum ersten Stammtisch ein. Behindertenfreundlichkeit müsse doch auch im Interesse Xantens sein, das schließlich mit der Bezeichnung Luftkurort für sich werbe, argumentiert Angela Weniger. "Ich hatte nicht ins Kalkül gezogen, dass daraus ein Politikum werden würde", sagt sie. "Doch die Gruppe hat eine unheimliche Dynamik entwickelt." Inzwischen hat die Interessensgemeinschaft längst einen Namen. "All inclusive" besage, dass alle willkommen seien, mitmachen könnten; und es habe etwas Witzig-Elitäres, sagt Angela Weniger. "Mich hat gewundert, wie schnell der Name gegriffen hat."

Die angesprochene Zielgruppe ist groß: Einmal hat die Sprecherin der Initiative auf dem Markt eine Dreiviertelstunde lang gezählt und eine Strichliste geführt. 23 Menschen kamen mit Rollator oder Rollstuhl vorbei. Sie stoßen beim Gang durch die Stadt immer wieder auf Hindernisse und Hemmnisse. Es muss sich also in Xanten für Behinderte noch einiges ändern. Die aktuelle Liste mit Brennpunkten in der Stadt, die die Gruppe erstellt hat, umfasst 16 Punkte, angefangen von fehlenden oder zu engen Bürgersteigen am Westwall bis zu fehlenden Behindertentoiletten an Bushaltestellen und Zebrastreifen.

Am Dom tut sich etwas, der Rat hat grundsätzlich dem Antrag von All inclusive, einen Weg um den Dom in Richtung Nordwall anzulegen, zugestimmt. Ein Erfolg auf einer Teiletappe, denn die Umsetzung hängt von der kommunalen Kassenlage ab. Eine Entscheidung fällt im Frühjahr nach der Debatte über den Haushalt. Ebenso groß ist der Wunsch, dass Gehbehinderte direkt durch das Hauptportal in den Dom gelangen können, statt um ihn herum zu gehen und über den Kreuzgang zu betreten - wenn dort überhaupt das Tor geöffnet ist. Doch eine Schräge am Haupteingang ist angeblich aus Denkmalschutzgründen nicht möglich. Dabei reiche doch eine mobile Rampe, sagt Angela Weniger. Die Pfarrgemeinde hat sie angeschrieben - im Juni. Aber eine Antwort stehe bis heute aus. Das sei doch sehr enttäuschend, meint sie.

Nun setzt sie große Hoffnungen in den neu eingesetzten Inklusionsbeirat, dem sieben Vertreter von Behinderten mit unterschiedlichsten Handicaps angehören. Am liebsten hätte sie für den Beirat ein Vetorecht bei Planungs- und Baumaßnahmen. "Das wäre toll."

Quelle: RP
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