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Xanten
Erster Blick in APX-Neubau

Xanten: Erster Blick in APX-Neubau
Das neue Gebäude des LVR ist zweigeschossig konzipiert, damit es sich in die Wohnbebauung der Umgebung einfügt. Bis April soll es fertig werden. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Der Landschaftsverband Rheinland will das neue Verwaltungsgebäude in Xanten zu einem "Wissenschaftszentrum" machen. Die CDU Lüttingen war jetzt im Rohbau zu Gast. Von Peter Kummer

Das jüngste Bauprojekt des Landschaftsverbandes Rheinland ist mehr als nur eine Dienststelle oder ein Verwaltungsgebäude. "Wissenschaftszentrum trifft es besser", betont Dr. Martin Müller, der Leiter des Archäologischen Parks. Ab kommenden April werden dort neben der APX-Verwaltung Magazine, Lager, besondere Räume für die Konservierung von antiken Fundstücken und für die Forschung untergebracht sein. Rund 17 Millionen Euro kostet dieses APX-Zentrum; einen Teil steuert das Land bei. In einem zweiten Bauabschnitt entsteht anschließend ein Entdeckerforum. Kosten hierfür: sieben Millionen Euro, von denen das Land wiederum 60 Prozent übernimmt.

Ortstermin auf der Baustelle: Als erste Besuchergruppe überhaupt lässt sich die CDU Lüttingen durch den Rohbau führen und alles erklären. Türen und Fenster sind eingebaut, jetzt geht es drinnen weiter. "Es ist ein großes Projekt auch für die Region", bekräftigt Müller. Die meisten der Handwerker kämen aus den Kreisen Wesel und Kleve. Das Gebäude ist nur zweigeschossig konzipiert, damit es sich in die Wohnbebauung der Umgebung einfügt, statt wie ein Klotz darüber hinauszuragen. Die Zufahrt erfolgt über den Erprather Weg. "Ein Parkplatz wird angelegt", erläutert Architekt und Bauleiter Dr. Peter Kienzle. Von der Stadt, die gegenüber dem LVR hier noch in der vertraglichen Restschuld steht, als sie in einem Tauschgeschäft vom Landschaftsverband das Drei-Giebel-Haus erhielt, in dem jetzt die Bücherei untergebracht ist. Verschiedene Gebäudekomplexe rahmen den großzügig ausgelegten Innenhof ein. Ein Lager für Baumaterial, eins für Bücher, Broschüren und Flyer und eins für die Aufbewahrung von Fundstücken mit hohem archäologischen Wert. Wie die Originalfragmente des Lüttinger Schiffs. "Sie werden hier unter besten Lagerbedingungen konserviert", erläutert der Architekt seinen Lüttinger Gästen.

Eine zentrale Rolle wird das Fundmagazin einnehmen, in dem vor allem ungezählte Tonscherben aus römischer Vergangenheit lagern. Sie können klimatische Schwankungen eher vertragen, "sofern diese langsam ablaufen", sagt Kienzle. Dementsprechend ist der Bau so konzipiert, dass er sich nur langsam aufheizt und ebenso langsam seine Wärme wieder abgibt. Angenehmes Arbeiten verspricht das künftige Bearbeitungszentrum für Funde, in dem Doktoranden in gutem Licht arbeiten können, um zum Beispiel für an solchen antiken Scherben zu forschen. "Bislang hatten wir dafür einen kleinen, dunklen Raum zur Verfügung", sagt Müller. "Das wird sich ändern." Und weil angehende Akademiker nun mal oft nicht über Reichtümer verfügen, werden ihnen hier auch zwei Gästezimmer zur Verfügung stehen. "Es ist ein gutes Geben und Nehmen", sagt Müller, denn von den Forschungen profitiere im Gegenzug auch der APX. Eine Dissertation habe den Gegenwert von etwa einer halben Million Euro, rechnet er vor.

Sicherheit wird groß geschrieben. Die Fundbearbeitung ist vom öffentlich zugänglichen Bereich zweifach abgesichert, in zwei Räumen -dem Papiergedächtnis mit den Grabungstagebüchern - wird bis auf die Alarmanlage nachts der gesamte Strom ausgeschaltet, damit kein Brand entstehen kann. Das wohl schlimmste Szenario, das sich die Archäologen für ihre Arbeit vorstellen können.

45 Mitarbeiter aus der Verwaltung werden hier ab kommenden April arbeiten. Dazu kommen die Grabungsteams, die allerdings die meiste Zeit versuchen, Xantens römisches Erbe ans Tageslicht zu pinseln und zu kratzen. Das neue, angrenzende Entdeckerforum wird laut Planung etwa 2020 fertiggestellt sein. Es muss noch die politischen Gremien passieren, ehe der Spatenstich zu diesem zweiten Bauabschnitt erfolgen kann. Die Bauzeit veranschlagt Architekt Kienzle auf zwei Jahre. Dann soll es besonders den jungen Besuchergruppen zeigen, warum Archäologie wichtig ist und mit welchen Methoden diese Wissenschaft arbeitet.

Quelle: RP
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