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Unsere Woche
Es ruckelt noch bei der Anfahrt auf die Datenautobahn

Xanten. Lange lag Alpen im digitalen Tiefschlaf. Nun liefern sich zwei Breitband-Anbieter ein spannendes Rennen um Kunden, die's im Internet gern schnell haben. Die Politik kommt noch nicht ganz mit.

Das beschauliche Alpen setzt wie Rheinberg, Xanten und Sonsbeck in diesen Tagen den Fahrtrichtungsanzeiger Richtung Datenautobahn. Eine digitale Zeitenwende. Denn der Ort - vornehmlich sein Zentrum - schlummert im weltweiten Netz noch im Tal der Abgehängten, wo Bewohner an ihren PC oder Smartphones im Schneckentempo unterwegs sind und verzweifeln, weil sich ihr Bildschirm als lahme Ente erweist.

Das wird sich nun absehbar ändern. Ein Duell sorgt für Tempo auf dem Weg ins schnelle Netz. Die Telekom, die sich lange Zeit schwer tat, das Land auf den Stand der Technik zu bringen, hat sich bewegt und in dieser Woche Vollzug gemeldet. Vor der Zeit. Wer jetzt in Alpen will - von ein paar weißen Flecken abgesehen -, kann den Turbo zünden. Dass das nun so schnell klappt mit dem lang ersehnten Anschluss ans rasante Netz, hat einen guten Grund. Die Deutsche Glasfaser hat als David den übermächtigen Goliath Telekom herausgefordert und sich als Schrittmacher erwiesen, weil's mit eigenem, superschnellem Netz auf den ländlichen Markt drängt. Ein superspannendes Rennen.

Denn David, der die hochleistungsfähige Glasfaser ohne Leistungsverlust bis in die Wohnung legt, tritt nur gegen den Giganten an, wenn knapp die Hälfte aller Haushalten mitgehen. Ein ehrgeiziges Unterfangen. Der Weckruf der Telekom "Wir sind schon da" - allerdings vorläufig nur mit bis zu 100 Mbit/s - lässt die 40-Prozent-Hürde kaum unüberwindbar erscheinen.

Die Alpener haben jedenfalls die Gunst der Wahl. Und das ist uneingeschränkt gut so. Um so befremdlicher wirkt da das kleinliche Grummeln von SPD und Grünen um die vermeintliche Parteinahme von Bürgermeister Thomas Ahls, der in einem Postwurf-Brief vermeintlich dem Herausforderer Deutsche Glasfaser unerlaubt Anschubhilfe gewährt hat. Bei enger Auslegung kann man den Brief so verstehen, weil er das Unternehmen exklusiv in einem Atemzug mit einem zukunftsweisenden Netz nennt. Das räumt selbst der Autor des Briefes ein. Dass er der Telekom unfreundlich auf der Leitung gestanden, aber kann niemand ernsthaft behaupten. Tut auch die Telekom nicht. Im Gegenteil. Einigermaßen ratlos dagegen lässt einen die offene Parteinahme des Grünen Peter Nienhaus zurück. Dass er nicht in einer Rakete aus der "Datendiaspora" ins Netz schießen will und ihm die "bis zu" 100 Mbit/s völlig ausreichend erscheinen, ist seine Sache.

Aber alles, was schneller ist, in die Nähe von Teufelswerk zu rücken, schießt übers Ziel hinaus. Die Gefahr von Amokläufen und superschnelles Netz in einem Atemzug zu nennen, ist Ausdruck einer diffusen, reflexhaften, fast archaischen Skepsis gegenüber technischem Fortschritt. Rational ist das jedenfalls nicht. Abgründe im weltweiten Netz gibt es ohne Ende. Aber keiner kommt mehr auf die Idee, es deshalb abzuschalten. Bernfried Paus

BERNFRIED.PAUS@RHEINISCHE-POST.DE

Quelle: RP
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