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Xanten
Fahrradtraining für die Flüchtlinge

Xanten: Fahrradtraining für die Flüchtlinge
Jean-Pierre van Aerde (2.v.l.) bereitet Geflüchtete aufs Fahrradfahren auf deutschen Straßen vor. FOTO: Olaf Ostermann
Xanten. Rad-Experte Jean-Pierre von Aerde vom ADFC gibt wichtigen Theorie- und Praxisunterricht. Von Peter Kummer

Nach der Theorie der Praxistest: Erst machte Jean-Pierre van Aerde vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in einer Art Fahrschulunterricht zehn Flüchtlingen theoretisch klar, worauf es beim Radeln auf deutschen Straßen ankommt. Dann machte sich die Gruppe gemeinsam mit Dr. Wolfgang Schneider vom Arbeitskreis Asyl und Bürgermeister Thomas Görtz auf, um das Erlernte im Straßenverkehr umzusetzen. Fast alle Asylbewerber hatten zwar auch in ihren Heimatländern wie Syrien, Afghanistan und Iran eigene Räder, doch viele europäische Regeln und Straßenschilder sind dort vollkommen unbekannt. Das kann dann hier zu lebensgefährlichen Situationen führen, "denkt man nur an unser Verkehrsschild Einbahnstraße", sagt Jean-Pierre van Aerde.

"Man darf einfach die Situation in ihrer Heimat nicht mit unserer vergleichen", warnt der Radfahrexperte. Extra für Radler ausgelegte Wege gibt es in den arabischen Ländern ebenso wenig wie die gesetzliche Regelung, in einer Fußgängerzone absteigen und das Rad schieben zu müssen. "Da fahren ja selbst Deutsche einfach durch."

Sprach's und erhielt umgehend den lebendigen Beweis für seine These: Prompt kamen auf dem Marktplatz zwei Männer radelnd entgegen. "So sollte man es wirklich nicht machen", erläuterte van Aerde laut genug, dass die beiden ebenfalls hörten und prompt und etwas verlegen abstiegen.

Um die Flüchtlinge mit deutschen Verkehrsregeln bekannt zu machen, hat der Xantener Radführer das Angebot eines Radunterrichts ins Leben gerufen. Als ADFC-Tourenleiter kennt er die örtlichen Gefahrenpunkte im Straßenverkehr. Höhepunkt der Tour sei auf jeden Fall die Kreuzung Hagenbusch-/Siegfriedstraße mit der abknickenden Vorfahrt. Wer darf wann fahren, wenn plötzlich aus allen Himmelsrichtungen Fahrzeuge kommen? Diese Frage, so weiß van Aerde aus eigener Erfahrung, stelle auch schon so manchen deutschen Fahrer vor Probleme, wenn er aus der Seitenstraße abbiegen will.

Die Räder für die Flüchtlinge stammten aus Spenden; weitere werden immer gesucht. Wer sein Gefährt abgeben möchte, kann sich zum Beispiel an die Stadt beim Fachbereich Soziales oder an den Eine-Welt-Laden an der Kurfürstenstraße wenden. Die Räder werden in einer Werkstatt noch einmal auf ihre Funktionstüchtigkeit hin geprüft, kleinere Reparaturen mit Unterstützung von Flüchtlingen selbst ausgeführt.

Quelle: RP
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