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Sonsbeck
Fehler im Diktat: Zur Strafe in der Ecke stehen

Sonsbeck. Ehemalige feiern heute Wiedersehen 65 Jahre nach der Einschulung in die Volksschule in Sonsbeck. Von Heidrun Jasper

Es gibt Dinge im Leben, die vergisst man nicht. So geht es auch Heinz Stolz: Der 71-Jährige kann sich noch gut an die Schmach erinnern, damals, als er die Volksschule an der Herrenstraße besuchte und in der Ecke stehen musste, weil er Fehler im Diktat hatte. Pro Fehler fünf Minuten - das summiert sich! Und umdrehen galt nicht: Mit dem Rücken zur Klasse stand man in der Ecke.

Wie alt er damals war, weiß er nicht mehr; aber das ist definitiv schon mehr als 60 Jahre her. Denn heute wird im Waldrestaurant Höfer Wiedersehen gefeiert, 65 Jahre nach der Einschulung in die damalige Volksschule (heutige Hauptschule). Und dann fallen mit Sicherheit oft die Worte "weißt du noch...". Auch Gertrud van Heekeren, die vor 65 Jahren noch Reintjes hieß, kann sich noch gut erinnern an ihre Schulzeit. An den Rohrstock, der zum Einsatz kam, wenn man geschwätzt hatte oder zu spät kam, wie der kleine Wolf. "Der kam doch immer zu spät, der kriegte sie immer auf die Finger". 48 Kinder waren es, die 1950 eingeschult wurden, 23 Mädchen und 25 Jungen. Frau Tomberg war die Klassenlehrerin. Koedukation? Die gab es nicht: Bis zur sechsten Klasse wurden die Kinder gemeinsam unterrichtet, dann wurden sie nach Geschlechtern getrennt. Nach der achten Klasse gab es Entlassungszeugnisse, das war's: Keine feierliche Zeugnisübergabe, keine große Feier. Und Schultüten zur Einschulung, die kannte man auch nicht. Von den Eltern zur Schule gefahren? "Nein, das gab es nicht", lacht Gertrud van Heekeren, die sich jeden Tag bei Wind und Wetter zu Fuß auf den drei Kilometer langen Schulweg machte, den Ranzen auf dem Rücken, mit Griffeldose und Schiefertafel drin und der emaillierten Tasse mit Griff und Löffel dran. In Zweierreihen morgens in die Klasse gehen, jeden Morgen ein Gebet, aufstehen wenn er Lehrer die Klasse betritt, nachsitzen: So war es üblich, damals. Rechnen, Schreiben Lesen standen auf dem Stundenplan. Und Schönschrift. Die Mädels hatten zusätzlich Handarbeitsunterricht. Mittags gab es Schulspeisung, aus einem großen Bottich. Suppe, Haferbrei, freitags Milchreis, erinnern sich Heinz Stolz und Gertrud van Heekeren, die das Treffen organisiert haben, so wie die fünf vorherigen auch.

1985 feierten die Ehemaligen erstmals ein Wiedersehen, seither treffen sie sich alle fünf Jahre. Die meisten sind in Sonsbeck oder der nahen Umgebung geblieben, man hat sich also nie so ganz aus den Augen verloren. So soll es auch bleiben, hoffen beide und freuen sich auf ihre Mitschüler, mit denen sie vor so vielen Jahren die Schulbank gedrückt haben.

Quelle: RP
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