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Sonsbeck
Firmlinge auf frühchristlichen Wegen

Sonsbeck. In Spanien erwartet die jungen Sonsbecker eine Gemeinschaft, die sich an ursprünglichen Grundsätzen ausrichtet.. Von Peter Kummer

Es ist eine Fahrt ins Ungewisse, ein Abschied von liebgewonnenen Gewohnheiten und Errungenschaften unserer modernen Zivilisation. Aber es ist auch das Angebot, völlig neue Erfahrungen zu sammeln, wenn die 44 Firmlinge und zwölf Katecheten in den Herbstferien mit dem Sonsbecker Pfarrer Günter Hoebertz in Richtung Spanien aufbrechen. Dort lockt nicht ein mediterraner Urlaub mit Sonne, Strand und Meer, sondern es erwartet sie eine Gemeinschaft, die sich an den frühchristlichen Grundsätzen ausrichtet: die kleine Siedlung Pueblo de Dios in Andalusien zwischen Sevilla und der portugiesischen Grenze. Ein weitgehend technologisches Niemandsland, in dem die Menschen nach dem Grundsatz leben: Allen gehört alles, niemandem gehört nichts.

Die Fahrt ist Teil eines neuen, zweigeteilten Konzepts in der katholischen Gemeinde von St. Maria Magdalena, um Firmlinge zu erreichen und ihnen Antworten auf ihre Fragen geben zu können. Eine Gruppe fährt an zwei Wochenenden ins Kloster Steyl. In der Phase dazwischen setzen die jungen Leute in Sonsbeck ein soziales, derzeit noch nicht definiertes Projekt um und sollen so erfahren, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird und sie etwas bewirken können. Die andere Gruppe hingegen macht sich Anfang Oktober auf gen Spanien. Ursprünglich war die Anreise per Flug geplant. Doch die Resonanz unter den jungen Menschen auf das Angebot war so groß, dass man sich für den preiswerteren Reisebus entschied. Statt der erhofften rund 20 Personen fahren nun fast 60 Sonsbecker mit. "Wir kommen aus einem Wohlstandsland in eine der ärmsten Regionen Europas", sagt der katholische Seelsorger.

Die spanische Gemeinschaft, "mitten im Nirgendwo", wie Hoebertz sagt, versorgt sich vor allem durch die Erträge aus der Bewirtschaftung des Landes. Das Wasser stammt aus einem See, Gemüse und Obst werden angebaut. "Jeder ist herzlich willkommen und darf mitleben", weiß der Seelsorger aus früheren Aufenthalten dort zu berichten. "Er gehört automatisch mit zur Gemeinschaft - mit allen Rechten und Pflichten." Das heißt, jeder trägt zur täglichen Lebensversorgung mit bei. In der Landwirtschaft, bei der Reparatur von Gebäuden, bei der Heuernte, durch die Versorgung der Haustiere, durch Hausarbeit. Die Sonsbecker werden vormittags mit anpacken und sich später am Tag den spirituellen Themen widmen. Wobei ausreichend Zeit für Freizeit bleibt.

Pfarrer Hoebertz war schon mehrfach in der spanischen Gemeinschaft mit den sechs Gastgebern, die am Wochenende schnell auf bis zu 25 bis 30 Familienmitglieder anwachsen kann. Die anderen Besucher - Einzelpersonen und Gruppen - nicht mitgezählt. "Kommunikation ist kein Problem, auch wenn die Menschen dort weder Englisch noch Spanisch sprechen, sondern andalusisch, also eine Art Platt." Dafür müssen die Jugendlichen aufs Handy verzichten. Es gibt zwar Strom aus dem Generator, um den Akku aufzuladen, aber kein Funknetz. Das, wie Hoebertz vermutet, ist wohl größte Handicap für seine Jugendlichen, was aber, wie die Anmeldezahlen belegen, nicht von einer Teilnahme abschreckt. "Bei einem Vorstellungsnachmittag, als alles erklärt wurde, habe ich mit Rücktritten gerechnet. Doch die Verschiebungen innerhalb der beiden Gruppen sind minimal." Die Eltern der Firmlinge haben die handyfreie Zone gar positiv aufgenommen. Endlich müssten die Jugendliche miteinander sprechen statt in die Tastatur zu tippen, sagt der Pfarrer.

Quelle: RP
 
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