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Xanten
"Fischwanderung" in den Wallanlagen

Xanten. Der Xantener Künstlerstammtisch will mit einer Ausstellung im Grünen bereits zum fünften Mal zum Nachdenken über aktuelle Probleme wie die Flüchtlingswelle und die Müllproblematik anregen. Von Erwin Kohl

"Friede, Freude, Eierkuchen" nennt sich eine Skulptur des Künstlers Uwe Strauch, die noch bis zum 22. November die Blicke der Besucher im Ostwall auf sich ziehen soll. Zum fünften Mal präsentiert der Xantener Künstlerstammtisch seine Ausstellung im Grünen, die in diesem Jahr unter dem Titel "Fischwanderung" den Bezug zum Fischerdorf Lüttingen herstellen aber auch zum Nachdenken über aktuelle Probleme anregen soll.

Während der bunte Fisch von Uwe Strauch sich widerstandslos in den Wind dreht und nach dem Willen seines Erschaffers dorthin schwimmt, wo die Welt sich noch von ihrer positiven Seite zeigt, ist die Botschaft von Rolf-Günter Franz schon deutlicher. Der Bauch seines Fisches wird von einem Drahtgeflecht dargestellt. Darin befinden sich Plastiktüten und anderer Wohlstandsmüll. 6,4 Millionen Tonnen davon landen im Meer, das entspricht 70 Prozent des weltweiten Müllaufkommens. Zahlen wie diese befinden sich auf der größten Skulptur der Ausstellung in der Nähe des Nibelungentores, dem fast vier Meter großen "Buntfisch" von Maria D.C. Cavalcanti-Heinich. Ein Fenster gewährt den Blick in seinen Bauch, der wie eine kleine Müllhalde wirkt. Aufgeklebte CDs stellen die Schuppen dar.

Mitten auf der Wiese des Ostwalls eröffnet sich ein tiefblaues Meer. Statt Urlaubsidylle mit Strandkörben erwarten den Betrachter allerdings eine Handvoll hölzerne Haifischflossen. "Das könnte das Mittelmeer sein, und die Haie stehen für die Schlepper", vermutet Ralf Neuköther-von Malottki, der aus Eisenstäben ein Fischskelett erstellt hat. Soweit haben Melanie Wormland-Weinhold und Tatjana van Went gar nicht gedacht, wenngleich die Flüchtlingsthematik in ihrer Installation doch eine Rolle spielt. "Die Menschen haben Angst vor Haien. Die unterschiedlichen Farben der Flossen stehen für die Menschen dieser Welt. Wir wollen zeigen, dass es unterschiedliche Aspekte gibt: Die einen rufen Willkommen, die anderen haben Angst", so Melanie Wormland-Weinhold. Mit Stiften dürfen Besucher ihre persönliche Ansicht auf dem Meer niederschreiben. Aufrecht gehen statt mit dem Strom zu schwimmen: Diese Botschaft könnte hingegen der auf seiner Schwanzflosse stehende Koi-Karpfen von Karin Meinert im Sinn haben.

Mit seinen Ausstellungen möchte der Künstlerstammtisch das Stadtbild bunter machen. Mit Blick auf die geplante Umgestaltung der Wallanlagen fürchten die Mitglieder aber, den Raum zu verlieren. Bürgermeister Thomas Görtz, Vorsitzender des Xantener Kulturvereins, dem auch ein Teil der Künstler angehört, sieht diese Gefahr nicht: "Wir werden eine Lösung finden."

Quelle: RP
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