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Sonsbeck
Flüchtlingshilfe: Profi ordnet das Ehrenamt

Sonsbeck: Flüchtlingshilfe: Profi ordnet das Ehrenamt
Sonja Klotzbach, in Rheinhausen aufgewachsen, wohnt seit 15 Jahren in Sonsbeck. Die gelernte Industriekauffrau war zuletzt Personalreferentin. FOTO: Fischer
Sonsbeck. Sonja Klotzbach arbeitet vom 1. November an bei der Caritas als hauptamtliche Koordinatorin der Flüchtlingshilfe in Sonsbeck. Ihr erstes Projekt könnte ein Repair-Café nach Rheinberger Modell sein. Von Peter Kummer

Als vor rund einem Jahr der Unterstützerkreis Asyl der Caritas in Sonsbeck Fahrt aufgenommen hat, war alles noch recht überschaubar. Etwa zwei bis drei neue Flüchtlinge, so die Annahme, würden pro Woche unterzubringen und zu betreuen sein. Damals war der Strom von Menschen auf der Flucht, der heute aus Vorderasien und Afrika auf Europa zukommt, noch nicht ansatzweise absehbar. Zeitgleich mit dieser Entwicklung wuchs in der Bevölkerung die Bereitschaft zu helfen und sich ehrenamtlich zu engagieren so sehr, dass nun zum 1. November eine hauptamtliche Kraft die Hilfe für Flüchtlinge und Asylbewerber koordiniert.

Sonja Klotzbach hat, zunächst befristet für ein Jahr, für den Caritas-Verband Moers-Xanten und für jeweils zehn Wochenstunden diese Arbeit in Sonsbeck und Xanten übernommen. In dieser Funktion ist sie zum Beispiel zuständig für die Koordination der Sprach- und Hauspaten und für die Zusammensetzung der Sprachkurse.

Die gebürtige Rheinhausenerin wohnt seit 15 Jahren in Sonsbeck, kennt also die Gemeinde sehr genau. Angesichts der Entwicklung habe sie nicht einfach nur zusehen können, sondern beschlossen, auch etwas zu tun, sagt die gelernte Industriekauffrau und frühere Personalreferentin.

Sie weiß, was sie erwartet: auf der einen Seite die nicht enden wollenden Zuweisungen von neuen Flüchtlingen durch die Bezirksregierung und damit verbunden ständig mehr Betreuung, Organisation und soziale Arbeit. Derzeit werden in Sonsbeck knapp 150 Flüchtlinge von rund 45 Ehrenamtlern betreut. Von der großen Hilfsbereitschaft der Bürger ist Sonja Klotzbach sehr angetan: "Das läuft hier ganz toll und zeigt einen großen Zusammenhalt in der Bevölkerung. Das wird so bleiben."

Davon ist auch Anke Kretz von der Caritas überzeugt. Wer Asyl erhalte, der wolle oftmals in Sonsbeck bleiben, erklärt sie auf dem jüngsten Treffen des Unterstützerkreises im Kastell. Daran zeige sich die gute Atmosphäre in der Gemeinde, in der sich die Ankömmlinge aufgehoben fühlen. Allerdings wird inzwischen der Wohnraum knapp. Denn nach der Anerkennung muss für den Flüchtling eine neue Wohnung gefunden werden, damit in seiner bisherigen Unterkunft Platz für Neuankömmlinge geschaffen wird.

Eine erste Idee für ihre Arbeit hat Sonja Klotzbach schon skizziert: die Gründung eines Repair-Cafés, wie es das schon in anderen Städten wie in Rheinberg gibt. Flüchtlingen fehle es oftmals an Werkzeug, an Räumlichkeiten, aber auch am erforderlichen handwerklichen Wissen, um kleine Dinge zu reparieren. "Das muss nicht immer der Hausmeister machen", sagte die Koordinatorin. Dies könnten - eventuell unter Anleitung eines ehrenamtlichen Betreuers - Flüchtlinge selber machen. "Die sind froh, wenn sie aus der beschäftigungslosen Situation rauskommen."

Der Aufruf, Sprachpate zu werden und so Flüchtlingen zu helfen, die deutsche Sprache zu lernen, ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Auf rund 40 bis 50 Männer und Frauen ist der Kreis angewachsen. "Das Angebot wird von den Flüchtlingen sehr gerne genutzt", so Sonja Klotzbach. Wegen stetig steigender Asylbewerberzahlen werden weitere Paten gesucht. Besondere Qualifikationen sind nicht erforderlich.

Infos bei Sonja Klotzbach unter Tel. 0151 72204445

Quelle: RP
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