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Xanten
Friedensarbeit mit Trikots aus Menzelen

Xanten: Friedensarbeit mit Trikots aus Menzelen
Wolfgang Weihofen mit seiner Frau Bettina und Freunden im Kongo, die sich über die ausrangierten Trikots und Fußbälle vom Niederrhein freuen. Bald sollen weitere Spenden hinzukommen. FOTO: God Cares
Xanten. Wolfgang Weihofen, der aus Ossenberg stammt, hat den Verein "God Cares" gegründet. Mit Hilfe seiner Schwester Annette Twardzik vom SVM-Vorstand brachte er ausrangierte Fußballkleidung als Spende nach Afrika. Von Bernfried Paus

Der Fußball ist global. Schweinsteiger und Özil, Borussia Dortmund und Bayern München kennt auch im afrikanischen Hinterland jedes Kind. Das gilt für den SV Menzelen nicht unbedingt. Aber in einem Dörfchen im Kongo ist das anders. Dort kicken Jungen seit einigen Wochen in grünen und weißen Trikots mit dem Schriftzug des C-Ligisten vom Niederrhein. Und die Jungs sind ziemlich stolz auf ihre Hemden, die sie als Team ausweisen, wie Wolfgang Weihofen berichtet. Er und seine Frau Bettina hatten bei ihrem jüngsten Trip an die großen afrikanischen Seen zwei SVM-Trikotsätze im Gepäck und haben sie den Jugendlichen übergeben.

"Die Freude war riesig. Mit den Trikots ist für diese jungen Leute ein Traum in Erfüllung gegangen", erzählt der Gründer des christlichen Vereins "God Cares" - Gott kümmert sich. "Fußball ist ein Schlüssel zu den Menschen in Afrika", sagt Weihofen, der seit vielen Jahren regelmäßig auf dem schwarzen Kontinent unterwegs ist. "Überall, wo ein wenig Platz ist, wird Fußball gespielt", so der Sozialarbeiter aus Fulda, der seine familiären Wurzeln aber in Ossenberg hat. "Es braucht nicht viel. Viele Kinder und Jugendliche rennen notfalls barfuß einem Ball aus Stroh hinterher", weiß der 59-Jährige. Deshalb wurden die beiden Fußbälle, die er aus Deutschland mitgebracht hatte, wie Kostbarkeiten bejubelt. Es gebe auch Fußballplätze, "aber natürlich längst nicht so schicke Anlagen wie in Menzelen".

Die Geschenke stiften auch ein bisschen Frieden in der von Bürgerkriegen geschundenen Region, wo die meisten Jugendlichen wenig Bildung haben und beruflich kaum Perspektiven. "Der Fußball holt sie von der Straße und schafft eine Identität in der Gruppe", so Bettina Weihofen. "Das hilft." Denn mit "Angeboten, die Identifikation stiften" würden Rebellen-Milizen Jugendliche verführen und letztlich zu den Waffen rufen. Trikotsätze seien die deutlich bessere Alternative zur militärischen Uniform.

So hat der SV Menzelen mit der Spende neben Freude auch ein Stück Frieden gestiftet. "Auch die Volleyball-Damen wollen nachschauen, was noch da ist", erzählt Annette Twardzik vom SVM-Vorstand, und auch die Leichtathleten wollen was tun.

Annette Twardzik ist Wolfgang Weihofens Schwester. Bei einem Familientreffen, so erzählt sie, sei man über den Wunsch nach Trikotsätzen in Afrika ins Gespräch gekommen. Der SV Menzelen konnte helfen, weil die ausrangierten, noch brauchbaren Fußball-Kleider mit den Schriftzügen früherer Sponsoren nicht entsorgt worden waren. Nun wird im Kongo für "RWE" und "Köpi" gekickt. Afrika "und seine Menschen" sind Wolfgang Weihofen "ans Herz gewachsen", seit er als junger Mann in den 80er Jahren als Techniker auf einer Missionsstation in Südafrika gearbeitet hat. Den in Ossenberg aufgewachsenen und dort unter anderen als Messdiener engagierten Weihofen verschlug es nach der Handwerker-Ausbildung zunächst nach Niedersachsen, wo er sein Abitur nachholte. Dort lernte er nicht nur seine Frau Bettina kennen, mit der er drei erwachsene Kinder hat, sondern auch einen Priester, der lange in Afrika gelebt hatte. Mit dem habe er über Entwicklungshilfe diskutiert. "Ich war damals extrem politisiert", sagt er. Die Europäer hätten sich in Afrika alles andere als mit Ruhm bekleckert. Die Sicht, dass Entwicklungshilfe nicht zu einer Kolonialisierung im Gewand der Nächstenliebe werden dürfe, hat er sich bis heute bewahrt.

Auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland ist er mindestens einmal im Jahr nach Afrika gereist. 2005 hat der bekennende Christ den Verein "God Cares" gegründet. Er habe "im Gebet" die Berufung erfahren, sich in den Staaten rund um die "großen Seen" - Kongo, Ruanda, Burundi, Tansania - Netzwerke zu schaffen, die den Menschen dort beistehen. Am Anfang habe er großen Respekt vor dem göttlichen Auftrag empfunden. Er habe keine Ahnung gehabt, wie er ihn erfüllen sollte. Aber über erste Kontakte, die immer weiter wuchsen, seien ihm "viele und immer neue Türen geöffnet" worden. Der kleine Verein habe ein Beziehungsgeflecht zu Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und christlichen Gemeinden geknüpft, über das - "immer im Gespräch mit den Menschen dort" - zahlreiche kleine Projekte angeschoben worden seien, die nachhaltige Entwicklung fördern: Kleinkredite für mittellose Kleinbauern zum Beispiel. "Graswurzelarbeit", nennt Weihofen das, was eines Tages für die Menschen Afrikas nachhaltigen Ertrag und "das Reich Gottes ein Stück näher bringen" soll.

Was passiert, wenn Menschen in ihrer Heimat keine Chance haben, erlebt Weihofen auch in Fulda. Da betreut er neun "unbegleitete minderjährige männliche Ausländer" - junge Leute, die aufgebrochen, um ihr Heil da zu suchen, wo Trikot-Sätze selbstverständlich sind.

Quelle: RP
 
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