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Xanten
Frischer Wind im Lehmbruck-Museum

Xanten: Frischer Wind im Lehmbruck-Museum
Clara Wanatirta will im Lehmbruck-Museum lernen und gleichzeitig ihre bisherigen internationalen Erfahrungen während ihrer Zeit in Duisburg nutzen. FOTO: reichwein
Xanten. Die gebürtige Indonesierin Clara Wanatirta arbeitet dank eines Stipendiums als "Internatonal Fellow" für 18 Monate in Duisburg. Die junge Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin möchte neue Formen der Besucheransprache erproben. Von Peter Klucken

Vor 28 Jahren wurde Clara Wanatirta in der indonesischen Metropole Jakarta geboren. Schon als Zehnjährige begann ihre Wanderschaft durch die Welt. Mit ihrer Familie zog sie zunächst nach Singapur, wo sie ihre Schuljahre absolvierte. Ihre ersten Jahre als Studentin der Kunstwissenschaften verbrachte sie dann in Melbourne (Australien). Als sie ihren Bachelor in der Tasche hatte, lockte sie New York, wo sie ihre Studien im kreativen Bereich fortsetzte, sowohl im Bereich der Bildenden Kunst als auch im literarischen. Während es mit den Kunstakademien auch hierzulande ein Pendant zum amerikanischen Angebot gibt, fehlt in Deutschland der direkte Vergleichspart zum "creative writing". Noch während ihrer Studienzeiten sammelte Clara Wanatirta praktische Erfahrungen in verschiedenen Museen, darunter auch im berühmten Guggenheim-Museum in New York. Im Mittelpunkt standen dabei die Arbeitsfelder: Vermittlung, Ausstellungsbegleitung und Akquise. Gleichzeitig arbeitete Clara Wanatirta als Redakteurin für Print- und soziale Medien sowie in der Öffentlichkeitsarbeit und im Marketing. - Und seit Mai ist sie im Duisburger Lehmbruck-Museum beschäftigt, das für ihre Tätigkeit keinen Cent zu bezahlen braucht.

Möglich machte diesen personellen Glücksfall die Kulturstiftung des Bundes mit seinem internationalen "Fellowship"-Programm. Dabei werden "hochkarätige Nachwuchswissenschaftler und Kuratoren aus aller Welt" (so die Beschreibung) für jeweils 18 Monate an ausgewählte deutsche Museen vermittelt. Clara Wanatirta hatte sich im Februar für dieses Fellowship-Programm beworben und wurde von einer Jury als eine von insgesamt 18 Fellows ausgewählt. Eigentlich sei es Zufall gewesen, dass sie nun im Lehmbruck-Museum arbeite, sagte sie beim Pressegespräch. Der erste Kontakt sei über ein Skype-Gespräch mit Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla hergestellt worden. Offenbar stimmte die Chemie zwischen den beiden, so dass sie nun seit Mai im Museumsteam mitarbeitet. Dort sammelt sie Erfahrungen in allen Bereichen. Besonders am Herzen liegen ihr die Besucher. Das Duisburger Museum habe ein großes Potenzial, es verfüge über erstaunliche Schätze, sagt sie. Sie möchte mithelfen, dass noch mehr Menschen und gesellschaftliche Gruppen ins Museum finden. Schon jetzt arbeitet sie am Internet-Auftritt des Museums mit, der attraktiver und benutzerfreundlicher werden soll. Clara Wanatirta möchte zielgruppenorientierte Angebote schaffen, wobei sie neben den neuen technischen Möglichkeiten (Stichwort: soziale Medien) auch ganz schlichte Angebote im Auge hat, wie beispielsweise Museumsbesuche bei Kaffee und Kuchen.

Die Arbeit mit Schülern habe einen hohen Stellenwert, sagt sie. Doch man müsse sich davor hüten, die Schüler mit Lernprogrammen zu langweilen. "Lerne, was du willst", soll die Devise sein. Man müsse immer im Auge behalten, dass ein Museum auch unterhaltsam sein müsse. Dieser Aspekt sei bei Familienprogrammen besonders zu berücksichtigen. Das Lehmbruck-Museum könne, so der Eindruck von Clara Wanatirta, eine Einrichtung sein, mit der sich die Menschen in der Region identifizieren.

Jeder einzelne Besucher könne als Botschafter des Museum betrachtet werden, der beim nächsten Besuch Familienangehörige, Freunde oder Kollegen mitbringen kann. Generell möchte sie im Lehmbruck-Museum neue Formen der Besucheransprache entwickeln und ausprobieren. Während ihrer 18-monatigen Stipendiatenzeit wird Clara Wanatirta an verschiedenen Workshops in Museen teilnehmen, wo einige ihrer 17 internationalen Fellowship-Kolleginnen und -Kollegen arbeiten. Die nächsten Workshop-Reisen führen sie nach Halle, Leipzig, Bremen, Dresden und Frankfurt. Dort lernt sie gewiss ganz andere Herausforderungen der Museumsarbeit kennen.

Ihre berufliche Zukunft sieht Clara Wanatirta, die sich hier in englisch verständigt und nebenbei Deutsch lernt, auf dem weiten Feld der Museumsarbeit - irgendwo auf der Welt.

Quelle: RP
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