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Xanten
Frisches Blattgold für die Turmuhr

Xanten: Frisches Blattgold für die Turmuhr
Jetzt erstrahlt sie wieder im goldenen Glanz: die Turmuhr des Victor-Doms. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die Dombauhütte nutzte die Arbeitsbühne für die Inspektion des Glockenstuhls für eine Restaurierung. Von Heinz Kühnen

In diesen oft Wolken verhangenen Tagen ist eine tiefstehende Sonne mit Abendrot selten. Wem das Wetterglück doch einmal beschieden sein sollte (und das soll es ja um Fronleichnam herum), für den gibt es einen Kurzausflugstipp: ein Blick von der Sonsbecker Schweiz auf den Dom. Dort erstrahlt die Turmuhr in vollem neuen Glanz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, so der Leiter der Dombauhütte, Johannes Schubert, hatte der Xantener Fassmaler und Vergolder Robert Muckel die Uhr mit ihrem Durchmesser von gut 2,5 Meter noch mit Blattgold belegt. Jetzt bot die Arbeitsbühne, die für die Inspektion des Glockenstuhls installiert worden war, die Gelegenheit, das Werk zu demontieren und den Anstrich zu erneuern. Dass das nicht "mal eben" ging, bemerkten Domanlieger und Gottesdienstbesucher am Stundenschlag. Der kam irgendwann, weil die Gegenkraft des Uhrwerks und damit das Gleichgewicht fehlte. Währenddessen wurde das Messingblech nach althergebrachter Art gereinigt und neu beschichtet.

Zunächst, so erklärt Johannes Schubert, musste eine Grundierschicht mit einer Ausgleichsspachtelmasse her. Weitere Anstriche folgten. Und immer wieder musste die Farbe mehrere Tage lang trocknen bis das sogenannte Anlegeöl hervorgeholt werden konnte. "Blattgold wird nicht geklebt, sondern in kleinen Schritten aufgelegt", sagt Schubert.

Und: "Blattgold wird wie in alten Zeiten immer noch von Hand hergestellt. Die Spezialisten der Firma Eytzinger sind in Schwabach in Mittelfranken kleinsten kreisfreien Stadt Bayerns, beheimatet. Aus dem 1867 gegründeten Unternehmen mit heute gut 50 Mitarbeitern holten sich die Xantener auch die Ratschläge, wie sie exakt arbeiten konnten. Viel Gold musste für die Uhr übrigens nicht her: "Ein Gramm reicht gleich für mehrere Quadratmeter", sagt der Dombauhüttenchef. Dafür ist Gold höchst widerstandsfähig. Schubert: "Wenn es gut gemacht wird, hält es wieder 50 bis 100 Jahre." Und jetzt geht die Uhr auch wieder - fast - exakt.

Quelle: RP
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