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Dorothe Ingenfeld
"Früher hätte mich eine CD überfordert"

Dorothe Ingenfeld: "Früher hätte mich eine CD überfordert"
Dorothe Ingenfeld mit ihrer Tochter Ellena und ihrer Mutter Franziska. Mutter-und-Tochter-Lieder hat sie seit den Anfängen ihrer Karriere im Repertoire. Sie gehören heute zu ihren Lieblingsstücken, sagt sie. Trotzdem soll die CD nicht nur Frauen gefallen. In mindestens der Hälfte der Lieder geht es um Männer. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die Mezzosopranistin hat ihre erste CD aufgenommen. In Birten organisiert ihre Familie den Verkauf.

Xanten Dorothe Ingenfeld hat klassischen Gesang in Berlin und London studiert und fühlt sich mittlerweile auf vielen großen Konzertbühnen in Deutschland wie zu Hause. Von der Presse für ihr "außergewöhnliches stimmliches Material" (Süddeutsche Zeitung) und ihre "wandlungsfähige, nuancenreiche Stimme" (Berliner Morgenpost) gelobt, singt sie mal "temperamentvoll und verführerisch" (SZ), mal mit "Glut und Wärme" (FAZ) oder mit "Innigkeit ihres Ausdrucks" (Berliner Zeitung).

Die Oper kommt aufgrund ihrer familiären Situation etwas zu kurz. "Da wäre ich zu häufig weg von zu Hause weg", sagt sie. Sie wolle Rücksicht auf ihre elfjährige Tochter Ellena nehmen. Die Sommerferien, in denen das Töchterchen bestens bei ihrer Familie in Birten, dem Heimatort der großen Mezzosopranistin, untergebracht war, nutzte Ingenfeld, um ihre erste CD aufzunehmen. In der kinderfreien Zeit wurden es ausgerechnet Mutter-und-Tochter-Lieder. Als ein Redakteur vom Deutschlandradio von dem Programm hörte, ließ Ingenfeld sich prompt ins Studio des Senders in Berlin einladen, wo ihr auch eine Koproduktion mit dem Deutschlandradio Kultur angeboten wurde.

Wie sieht Ihr beruflicher Alltag aus?

Dorothe Ingenfeld Ich wirke an vielen Konzerten mit. Die meisten Engagements hab' ich hier in Berlin. Drei bis vier Projekte im Jahr mache ich mit dem Bayerischen Rundfunk in München, und einige Konzerte führen mich in andere deutsche Städte. Wenn ich nicht konzertiere, unterrichte ich zu Hause - an zwei Nachmittagen in der Woche.

Wie kommt es, dass Sie Ihre erste CD erst jetzt auf den Markt bringen?

Ingenfeld Die Produktion einer CD ist mit hohen Kosten verbunden, die kaum eine Plattenfirma noch übernimmt. Heute kann die Finanzierung über eine sogenannte "Crowd" (Menschen, die ein Projekt mit Spenden unterstützen) erfolgen. Nur braucht man viel Kraft und extrem viele Kontakte, um eine solche Produktionsweise zu realisieren. Am Anfang meiner Karriere hätte mich das schlichtweg überfordert.

Wie können wir uns dieses "Crowdfunding" (Finanzierung über Unterstützer) vorstellen?

Ingenfeld Das ist ganz leicht erklärt: Der Künstler verkauft ein Produkt über eine Kampagne, bevor es auf dem Markt erscheint. Mit Hilfe des Vorverkaufs wird dann die Produktion finanziert. Das läuft nach sehr strengen Regeln über das Internet ab. Ich habe mich für den deutschen Marktführer "Startnext" entschieden, weil mir die Seriosität des Anbieters sehr wichtig ist.

Für all die Interessenten, die eine CD nicht einfach im Internet bestellen können, haben Sie sich etwas einfallen lassen.

Ingenfeld Meine Familie in Birten hat mir ihre Hilfe zugesagt. Auch mein Cousin Martin van Bebber wird die CD in seiner Praxis in Xanten verkaufen. Es wäre schön, wenn sich noch weitere Anbieter fänden. Erste Anfragen sind bereits aus anderen Teilen Deutschlands eingetroffen.

Werden wir Sie mit Ihrem Programm auch live am Niederrhein erleben?

Ingenfeld Ja, da sind einige Möglichkeiten im Gespräch. Es gibt schöne Säle hier in der Umgebung, die sich für einen Liederabend eignen. Das machen wir dann aber erst dann, wenn die CD auch erschienen und verschickt ist, also ab dem Frühjahr. Die Kampagne läuft vom noch bis zum 31. Dezember und ist im Netz unter www.startnext.com/mezzo-und-mutter zu finden.

Eine Frage noch: Wie viele Lieder sind auf Ihrer CD und wessen Lieder interpretieren Sie?

Ingenfeld Es sind 26 Kunstlieder. Kompositionen von Haydn, Mozart, Schumann, Brahms und anderen. Für Kunstlied-Kenner ist es, glaube ich, eine gelungene Mischung aus bekannten und unbekannten Liedern. Für alle, die noch nicht so viele Kunstlieder kennen, habe ich das Ave Maria von Schubert aufgenommen, sozusagen als Einstiegshilfe. Ein Lied ist schöner als das andere.

HILDEGARD VAN HÜÜT FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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