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Xanten
Gebärden können Brücke zwischen Sprachen sein

Xanten: Gebärden können Brücke zwischen Sprachen sein
Mitmachen war angesagt: Am Ende hatten die Teilnehmer etwa 100 Gebärden gelernt und eingeübt. FOTO: placidahaus
Xanten. Mit Gebärden kommunizieren, dieses Thema brachte das Placidahaus seinen Gästen näher. "Das war gut investierte Zeit" - so der zufriedene Kommentar einer Erzieherin, die an der Fachtagung des Berufskollegs der Propsteigemeinde St. Viktor teilgenommen hatte.

Erfreulich und erstaunlich zugleich war die große Resonanz: Vortrag und Seminar wurden von knapp 100 Personen besucht. Einem Fachpublikum, das vornehmlich in erzieherischen oder heilpädagogischen Bereichen tätig ist.

Als Referentin war die emeritierte Professorin Dr. Etta Wilken aus Hannover angereist, die in jahrelanger Forschungsarbeit die Methode der gebärdenunterstützten Kommunikation (GuK) entwickelt hat - ursprünglich für Kinder, deren Sprachentwicklung verzögert oder so stark beeinträchtigt ist, dass sie kaum sprechen.

Das Prinzip ist einfach: Das Sprechen wird durch sprachbegleitende, motorische Hilfen (Gebärden) unterstützt, um auch nichtsprechenden Kindern eine Möglichkeit der Verständigung zu bieten. Und dies, so Dr. Wilken, sei nicht nur wichtig für die Bewältigung des Alltags, sondern habe große Bedeutung für die gesamte weitere Entwicklung der Kinder. "Gelingende Kommunikation ist ein Schlüssel für die Erfahrung von Selbstwirksamkeit: Ich mache etwas - und das bewirkt etwas." Volle Wirksamkeit kann gebärdenunterstützte Kommunikation dann entwickeln, wenn möglichst viele Personen die Methode kennen und anwenden. Eine Herausforderung, die Frühförderstellen schon seit Längerem angenommen haben, indem sie versuchen, Kindertagesstätten und Familien aber auch Schulen möglichst mit ins Boot zu holen. Insofern war es sehr sinnvoll, dass manche Einrichtungen gleich zwei oder drei Mitarbeitern die Teilnahme an dieser Fortbildung ermöglicht hatten.

Michael Heiming, Bildungsgang-leiter der Fachschule für Heilpädagogik, war erstaunt, wie viel an Theorie und Praxis Dr. Wilken in die sieben Arbeitseinheiten hineingepackt hatte. Für Maria Spreen-Rauscher, Dozentin für Sprachheilpädagogik im Placidahaus, war das nicht überraschend. Sie kannte die Referentin bereits: "Am Ende haben die Seminarteilnehmer den theoretischen Hintergrund der Methode verstanden, kennen wesentliche Umsetzungsmöglichkeiten und haben etwa 100 Gebärden gelernt und eingeübt."

Im Gespräch mit der RP ergänzte Heiming, dass gebärdenunterstützte Kommunikation künftig auch gesamtgesellschaftlich an Bedeutung gewinnen könne. "Etwa für Kinder mit Migrationshintergrund, die in Kita und Schule möglichst schnell integriert werden sollen. Für sie kann GuK eine Brücke zwischen zwei Sprachen sein."

Quelle: RP
 
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