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Unsere Woche
Gefühlte (Un)sicherheit

Xanten. Keine Frage, die Argumentation von Utz Schmidt, Abteilungsleiter Polizei im Kreis Wesel, war bestens vorbereitet. Bei zwei Anzeigen und zwölf persönlichen Kontakten in vier Wochen fällt es schwer zu sagen, dass auf jeden Fall ein Beamter die ganze Nacht in der Polizeiwache Xanten sitzen muss. Aber es geht nicht nur um Daten, Fakten und Zahlen - es geht um die gefühlte Sicherheit der Bürger. Und es ist eben gut zu wissen, dass ein Polizist in der Nähe ist. Wenn man in der Not zur Wache läuft, möchte man nicht nur über eine Gegensprechanlage mit Polizisten in Kamp-Lintfort sprechen. Deshalb darf die Kreispolizei von weiteren scharfen Protesten ausgehen.

Für die Polizei gehört nun neben der sachlichen Argumentation auch eine gute Öffentlichkeitsarbeit dazu. Dass die Menschen sensibel werden, wenn der Einbruch in ihr Haus nicht mehr den Weg in die Zeitung findet, genau in der Phase, in der über die zeitweise Schließung der Wache geredet wird, liegt auf der Hand. Auch für uns Journalisten eine sehr unglückliche Situation, wenn Betroffene das Gefühl haben, der Zeitung sei der Einbruch keine Meldung wert oder würde gar aus politischen Gründen totgeschwiegen. Was ganz sicher nicht der Fall ist: Über jeden Einbruch, der uns gemeldet wird, wird selbstverständlich auch berichtet. Wir haben durchaus Verständnis, wenn die Pressestelle die Flut der Meldungen nicht bewältigen kann, halten aber zumindest eine regelmäßige Übersicht, welche Taten es in welchen Orten gab, für dringend erforderlich. Und wenn es so viele Einbrüche gibt - am Silvesterwochenende allein 33 Wohnungseinbrüche kreisweit - sind wir aus unserer Sicht von der heilen Welt sehr weit entfernt. Vieles ist auch kein lokales, sondern ein generelles Problem. Das Land hat - auch schon zu CDU/FDP-Regierungszeiten - viel zu stark bei der Sicherheit gespart. Zudem sorgt immer mehr Bürokratie dafür, dass die Polizisten gar nicht immer tun können, was wir uns von ihnen wünschen: Dass sie auf der Straße sind und uns beschützen, dass sie ermitteln und Täter aufspüren. Stattdessen vergeuden sie Zeit bei ellenlangen Protokollen.

Trotz alledem - genießen Sie Ihr Wochenende!

DIRK MÖWIUS@RHEINISCHE-POST.DE

Quelle: RP
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