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Dr. Arne Kleinstäuber
Geldern: Ärzte-Zentrum sichert die Versorgung

Xanten. NIEDERRHEIN Der Gelderner Allgemeinmediziner Dr. Arne Kleinstäuber will im ehemaligen Finanzamt ein Hausärzte-Zentrum gründen. Kritiker befürchten eine Zentralisierung der Ärzte in der Stadt und das medizinische Verwaisen der Ortschaften. Klienstäuber veretidigt im RP-Gespräch seinen Plan.

Seit Ihre Pläne durch die RP bekannt wurden, gibt es eine Kontroverse. Wovor haben die Leute Angst?

Arne Kleinstäuber Die meisten Leute, die mich ansprechen, sehen eher die Vorteile. Bei Ängsten geht es nur um die etwas andere Struktur.

Welche Vorteile versprechen Sie Ihren Patienten durch ein Zentrum?

Kleinstäuber Der Standort ist ideal. Und bessere zeitliche Verfügbarkeit. Durch eine Besetzung von morgens bis abends ist immer jemand da. Die Praxis könnte morgens um sieben mit dem ersten Arzt besetzt sein und bis abends um sieben mit dem letzten - vielleicht sogar bis neun. Zahnärzte machen das schon. Wir Hausärzte hängen hinterher, weil wir gewöhnt sind, dass alles wie zu Kaisers Zeiten läuft. Das ist aber nicht mehr wirtschaftlich.

Mancher Patient hat Angst um die Bindung zum Hausarzt, wenn er mal von diesem, mal von jenem Kollegen betreut wird.

Kleinstäuber Na ja, wenn ich einen Termin ausmachen will, frage ich, wann "mein" Hausarzt da ist. Wenn ich akute Beschwerden habe, ist auf jeden Fall jemand in der Praxis, zu dem ich gehen kann. Der angestellte Assistenzarzt ist der potenzielle Nachfolger für die Praxis. Der hat seine Facharztausbildung gemacht. Sinn der Sache ist es, Nachfolger für die Praxen zu finden. Es hat keinen Sinn, eine Arzt-Patienten-Bindung zu propagieren, und dann geht der Arzt dem Patienten leider verloren, weil er in Rente geht.

Befürchtet wird der Abzug der Ärzte aus den Ortschaften. Was sollte einen jungen Arzt nach außerhalb locken?

Kleinstäuber Wir haben irgendwann keine Ärzte für die Ortschaften mehr. Es gibt einfach zu wenige, woher wollen wir die Leute nehmen? Geldern steht dann nicht in Konkurrenz mit Walbeck oder Kapellen, sondern mit dem Speckgürtel von Düsseldorf oder Bonn.

Na, das heißt: Für Geldern lassen sich vielleicht noch Ärzte gewinnen, aber für die Ortschaften auf keinen Fall?

Kleinstäuber Ja. Wie die Lage jetzt ist, ist das so. Aber meine Idee geht ja weiter: hin zur ortsübergreifenden Gemeinschaftspraxis. Wirtschaftlich profitieren Praxen von einer Zusammenlegung. Und ich kann als Hausarzt eine Hauptpraxis in Geldern und Satellitenpraxen außerhalb haben. So könnten Praxen in Ortschaften weiter existieren. Sie wären für den Arzt attraktiv, weil er mehr verdient, weil die Arbeitszeiten gut sind, weil die Praxis auch in Urlaubszeiten besetzt ist. Aber wenn wir nichts tun - dann kriegen wir da keinen rein.

Es gibt Kritik an einer angeblichen Zurückhaltung junger Ärztinnen?

Kleinstäuber 60 bis 80 Prozent der Medizinstudenten sind weiblich. Und die Zukunftsplanung der wenigsten sieht vor, 50 bis 70 Stunden pro Woche zu arbeiten. Auch Männer wollen Zeit für die Familie haben. Sie wollen für eine Praxis nicht zehn Jahre lang auf alles verzichten.

Es gibt doch die klassische Wirtschaftsförderung - . Warum sollte das bei der Suche nach Landärzten nicht funktionieren?

KleinstäuBer Das System, in dem die Ärzte später arbeiten, muss funktionieren. Es hilft nichts, jemandem einen goldenen Blumenstrauß zu überreichen, und dann lässt man ihn vor die Wand fahren.

Der Kreis Kleve lockt junge Ärzte mit 2000 Euro pro Woche für eine Hospitation in Landarztpraxen.

Kleinstäuber Das ist der goldene Blumenstrauß. Nein, die Lokalpolitik kann die Fehler im System nicht lösen.

SINA ZEHRFELD STELLTE DIE INTERVIEWFRAGEN.

Quelle: RP
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