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Xanten
Geschichtslehrer fährt mit Schülern nach Auschwitz

Xanten: Geschichtslehrer fährt mit Schülern nach Auschwitz
Auf Zetteln haben die Mädchen ihre Gedanken zu der direkten Konfrontation mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten niedergeschrieben. Da werden einerseits Überforderung und Trauer befürchtet, andererseits wird aber auch die Erwartung damit verbunden, Geschichte mit eigenen Augen zu sehen und zu verstehen. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Es ist eine Reise zum dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte: Marienschülerinnen besuchen das Konzentrationslager. Von Peter Kummer

Die Fahrt, die die 25 Marienschülerinnen in rund zwei Wochen antreten, ist weitaus mehr als eine normale Studienfahrt. Es ist eine Reise zurück in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte: Drei Tage Auschwitz und anschließend zwei Tage jüdisches Leben in Krakau. Die Jugendlichen, die am 14. November nach Polen fliegen, haben schon konkrete Vorstellungen, was sie erwartet. Was vor über 70 Jahren in dem Vernichtungslager passiert ist, kennen die 14- bis 16-Jährigen aus Fernsehen und Büchern. Doch nun besuchen sie den Ort selbst, gehen in Museen und sprechen mit einer der letzten Überlebenden.

Emotionen dürfe man zeigen, sagt Schülerin Maren. "Aber man darf nicht alles in sich hineinfressen. Abends werden wir darüber in der Gruppe reden." Darum ist es so wichtig, dass Pädagogen mitfahren und Vertreterinnen des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerkes Dortmund.

Geschichtslehrer Jörg Heinemann hat die Mädchen auf die Fahrt vorbereitet. Beim Thema Holocaust sei man schnell in Xanten selbst, sagt der 35-jährige Pädagoge. Die Stolpersteine in der Innenstadt geben Hinweise, wo im Nationalsozialismus jüdische Bürger gelebt haben und in welche Lager sie deportiert wurden. "Auch nach Auschwitz." Außerdem gibt es den jüdischen Friedhof, und von der Bischofsburg starteten im Mittelalter viele in die Kreuzzüge. In den Annalen Xantens ist im 19. Jahrhundert der sogenannte Ritualmord verzeichnet - ein Beispiel für Antisemitismus. Stadtwächter Helmut Sommer berichtete auf einer seiner Führungen über das Leben der Verfolgten.

Gerade wegen dem, was in Auschwitz zu sehen und zu hören ist, gab es anfangs Bedenken gegen die Fahrt. Der Ort ist ein Synonym für den Holocaust als Ganzen. Aus den eroberten Ländern Europas wurden die Menschen per Bahn in das Konzentrations- und Vernichtungslager transportiert; etwa 90 Prozent waren Juden. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen.

Dass die Fahrt der Marienschülerinnen zustande kommt, hängt zum einen mit der intensiven Vorbereitung und der pädagogischen Betreuung zusammen. Auf Zetteln haben die Mädchen ihre Gedanken zu dieser direkten Konfrontation mit den Gräueltaten niedergeschrieben. Da werden einerseits Überforderung und Trauer befürchtet, andererseits wird aber auch die Erwartung damit verbunden, Geschichte mit eigenen Augen zu sehen und zu verstehen, was passiert sei, sagt Ronja-Marie (14). Wenn man dort gewesen sei, dann wisse man, worüber man spreche, sagt Neele (16). Man könne sich alles besser vorstellen und später den eigenen Kindern berichten, ergänzt Maren (15).

Die Fahrt vom 14. bis 18. November, finanziell unterstützt vom Bund und dem Förderverein der Schule, wird kein einmaliges Angebot der Schule sein, sondern es wird sie auch 2017 geben. Dann werden die Zehntklässlerinnen, die jetzt fahren, der nächsten Gruppe vorab berichten. "Wir möchten die Fahrt dauerhaft verankern", sagt Geschichtslehrer Heinemann.

Quelle: RP
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