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Sonsbeck
Gewerbe auf mittelalterlicher Landwehr

Sonsbeck. Das Gewerbegebiet hinter dem Aldi-Markt an der Gelderner Straße ist so gut wie "zugelaufen". Die Gemeinde hat deshalb eine neue, 2,6 Hektar große Fläche an der Alpener Straße hinter dem Emmaus-Gelände ausgeguckt. Bei der Erschließung und Bebauung wird sie allerdings fachlich begleitet: von Mitarbeitern des Amts für Bodendenkmalpflege. Zumindest in einem Streifen entlang der Straße befinden sich nämlich Reste einer mittelalterlichen Landwehr. Von Heinz Kühnen

Mit zwei Wällen und Gräben hatten sich einstmals die Klever und Gelderner vor Herrschaftsansprüchen gegen den jeweils anderen abgesichert. Das zeigen historische Kartenwerke. Und was die Archäologen besonders interessiert, sind eben die Gräben. Deren Verfüllung könnte wertvolle Informationen zur Geschichte der Landwehr bergen, hat das Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn wissen lassen.

Zwei Tage lang beschäftigten sich Fachleute mit der Annahme - untersuchten eine Fläche von vier mal 30 Metern. Und sie wurden tatsächlich fündig. 5000 Euro kostete die Maßnahme samt Auswertung, sagt der Sachgebietsleiter Georg Tigler: "Mit dem Ergebnis aber können wir leben."

Will heißen: In einem 30 Meter breiten Streifen entlang der Alpener Straße darf für das neue Gewerbegebiet "Peterskaul" nur der Mutterboden abgegraben, aber nicht tiefer gebuddelt werden. Das reiche für Fundamente von Bodenhallen, so Tigler im Bau- und Planungsausschuss gelassen.

Damit bleibt auf den 26.000 Quadratmetern Platz für "weniger als eine Handvoll Betriebe" (Tigler). Denn das Gelände sei schon für größere Ansiedlungen vorgesehen - in einem Teil sogar für solche mit größeren Emissionen, weil die nächsten Nachbarn doch weit weg seien.

Die SPD hat da ihre Bedenken. "Es gibt Stimmen, die eine klassische Industrie in Sonsbeck nicht wollen", so die Fraktionsvorsitzende Christa Weidinger. Allerdings: Richtig laut werde es dank der vorgeschriebenen Lärmkontingente auch in diesem Industriegebiet nicht, sagte Tigler. Aber es reiche zum Beispiel für den klassischen Maschinenbau, von dem es in Sonsbeck eine ganze Reihe gibt, und selbst im Schichtbetrieb. "Unsere Betriebe sind sicher dankbar: Wenn ihr Betrieb einmal wachsen soll, dann hier." Und: Wenn denn das Gewerbegebiet irgendwann einmal erweitert werden sollte, dann gibt es keine behindernden Einschränkungen.

Ein Argument, dem sich die beiden SPD-Vertreter zumindest nicht ganz verschließen wollten. Sie enthielten sich der Stimme. Die anderen Ausschussmitglieder empfahlen dem Rat die Annahme des neuen Bebauungsplans "Peterskaul" - mit Industriegebiet, Aufsicht der Archäologen inklusive.

Quelle: RP
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