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Zum Sonntag
Gott ist nicht bloß ein Mythos

Zum Sonntag: Gott ist nicht bloß ein Mythos
Die Kreuzigungsszene am Südportal des Xantener Doms. Sie gehört zu der fünf Stationen umfasssenden Berendonk'schen Gruppe aus dem frühen 16. Jahrhundert - die wohl wertvollste Steinskulptur in ganz Deutschland. FOTO: Ostermann (Archiv)
Xanten. Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. In diesen wenigen Worten wird die ganze Leidensgeschichte Jesu zusammengefasst. Mit dem ersten Teil - gelitten unter Pontius Pilatus - wird Jesus historisch eingeordnet. Hier ist die Stelle, wo wir im Glaubensbekenntnis festmachen, dass Jesus Christus wirklich auf der Erde war. Wir verankern ihn in der Geschichte der Menschheit als fassbare Persönlichkeit. Gott ist als Mensch in die Geschichte der Menschen getreten und ist nicht an einem fernen Ort unerreichbar anwesend geblieben. Deutlich wird, dass Gott nicht bloß ein Mythos ist, sondern eine reale Persönlichkeit, die auch durch andere historische Quellen belegt wird. Gott ist in Zeit und Ort verankert: im Weltgeschehen.

Durch diese Erfahrung ist er uns besonders nahe, da hier bezeugt wird, dass er wirklich als wahrer Mensch gelebt hat. Er kennt also unser Denken, Handeln und Leiden. Im Folgenden wird dann aber das Übermaß des Leidens gezeigt. Bis heute gilt die Kreuzigung als die grausamste Form, einem Menschen das Leben zu nehmen. Der Erstickungstod am Kreuz der durch die Entkräftung eintritt, ist zuvor von einem langen Leidensweg gekennzeichnet, der vom Überlebenskampf gekennzeichnet ist. Hier wird der Kontrast besonders deutlich zwischen der riesigen Liebe, die Gott uns insbesondere durch seinen Sohn schenkt, und dem schlimmsten Tod, den wir uns für ihn haben ausdenken können. Der Abgrund der Ablehnung wird durch die Kreuzigung besonders deutlich. Gern darf man darüber spekulieren, ob Gott uns in Jesus Christus nicht nur nahe gekommen ist, sondern vielleicht zu nahe. Haben wir Menschen die Nähe Gottes in seiner Radikalität der gelebten Nächstenliebe einfach nicht ertragen? Haben wir ihn deshalb getötet? Und so stirbt Gott in der Person Jesu Christi am Kreuz für uns, um uns Menschen einen Weg zu zeigen, den bis dahin niemand für möglich gehalten hatte. Christus stirbt und wird begraben. Ihn ereilt das gleiche Schicksal wie jeden Menschen, der stirbt. An dieser Stelle scheint alles aus. Der Plan, die Menschen zu bewegen, besser zu werden, scheint gescheitert. Mit der Benennung des Karfreitags im Glaubensbekenntnis wird ein Schlusspunkt gesetzt, der uns wiederum deutlich macht, dass Jesus real zugegen war und nicht eine Märchenfigur darstellt, die, da sie nicht gestorben ist, noch heute lebt. Als gläubige Menschen wissen wir, dass damit nicht das letzte Wort gesprochen war. Doch so wird das Ostergeschehen besonders deutlich hervorgehoben.

Mit dieser Zeile des Glaubensbekenntnisses verbindet sich unser Glaube mit dem geschichtlichen Wissen der Menschheit. Das Glaubenswissen, welches wir im Innersten spüren, wenn wir über die wissenschaftlich nicht zu beweisenden Dinge unseres Glaubens sprechen findet hier eine Brücke sich mit den historischen Ereignissen zu verbinden. Sie ermöglichen selbst Skeptikern einen Einstieg, dem Glauben auf die Spur zu kommen.

AUTOR GÜNTER HOEBERTZ IST PFARRER AN ST.-MARIA-MAGDALENA, SONSBECK

Quelle: RP
 
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