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Zum Sonntag
Gott spricht mit uns durch die Schöpfung

Zum Sonntag: Gott spricht mit uns durch die Schöpfung
FOTO: Dieker Klaus
Xanten. Sammeln Sie auch gerne Muscheln?

Wenn ich am Meer entlang gehe, und das Wasser die Füße umspült, liebe ich es, die unterschiedlichsten Muscheln zu sammeln, und dabei stelle ich fest, dass Gott mit mir durch die Schöpfung spricht.

Wenn ich genau hinschaue, dann ist jede Muschel ganz einzigartig. Vom Meer und vom Sand unterschiedlich geformt, manche mit tiefen Rillen, manche mit harter Schale, genau wie sich bei uns Menschen die unterschiedlichsten Spuren des Lebens zeigen.

Kennen Sie auch den Impuls, die Muschel ins Wasser zurückzuwerfen, die eine Macke hat, an der ein Stück abgebrochen ist? Doch ich halte inne und frage mich, warum achte ich eigentlich nur auf das, was fehlt? Sehe ich eigentlich immer zuerst das Negative in der Welt? Warum betrachte ich nicht das, was da ist - das Gute, was zu sehen ist und entdecke, wie schön auch die kaputte Muschel ist. An der einen Muschel entdecke ich den Regenbogenschimmer, das innere Perlmutt. Das Loch der anderen Muschel kann ich nutzen, um ein Band durchzuziehen, dann trage ich sie als Kette. Und bei der dritten wirkt meine Phantasie, mit ihrer Hilfe schließe ich die Lücke. Ich kann die Muschel sehen, wie Gott sie geschaffen hat, wie sie war, bevor sie durch Wind, Sand und Wasser geformt wurde, und ich staune, welche Geschichten die fehlenden Stücke zu erzählen haben und wie einzigartig sie ist.

Ich glaube, dass Gott genauso auf uns Menschen blickt. Auch wenn das Leben tiefe Spuren in uns hinterlassen hat, selbst wenn ein Stück von uns fehlt, weil da ein Mensch gestorben ist oder ein Lebenstraum sich nicht verwirklichen ließ. Wenn Enttäuschungen Macken in meiner Schale hinterlassen haben, Gott erkennt mich so, wie ich gemeint bin. Genauso wie ich eine Muschel erkenne, selbst wenn sie zerbrochen ist, so sieht Gott auch in den Bruchstücken meines Lebens das Gute und kann daraus etwas Neues werden lassen.

In Gott liegt die Kraft, neu zu schaffen und zu verwandeln.

Vielleicht suchen Sie in diesem Sommer auch Muscheln. Dann schmeißen sie doch die kaputten nicht weg, sondern hören darauf, was Gott Ihnen durch die Muschel sagen will. Denn in den Muscheln klingt nicht nur das Meer, sondern auch Gottes Stimme. Und wenn Sie diese hören, dann antworten sie, Gott freut sich.

JULIANE KOLLMANN-RUSCH IST PFARRERIN IN DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE VLUYN.

Quelle: RP
 
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