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Sonsbeck
Grabsteine sind wie Geschichtsbücher

Sonsbeck. Beidseitig eines Kiesweges auf dem Sonsbecker Friedhof am Dassendaler Weg stehen Steine aufgelassener Gräber. Sie sind Erinnerungsstücke an das frühere Leben in der Gemeinde. Von Heinz Kühnen

Seit einiger Zeit bereiten sich die katholischen Christen auf diese Tage vor. Allerheiligen und Allerseelen. Die Parkplätze an der Kapelle des Sonsbecker Friedhofs waren ständig gut besetzt. Die Gräber der Angehörigen wurden von Laub befreit, mit frischen Blumen und Grün belegt. Und wenn heute die Dämmerung hereinbricht, erstrahlen Tausende von Grableuchten. Tage des Gedenkens an christliche Vorbilder und an alle verstorbenen Menschen.

Gut 2200 Grabstätten finden sich auf den Feldern am Dassendaler Weg. Und es gibt vermutlich kaum einen Sonsbecker, der derart verwachsen ist mit der Anlage im Schatten der Gerebernus-Kapelle wie Theo Gesthuysen. Schon sein Großvater und sein Vater haben als Gärtner auf dem Gottesacker gearbeitet. Bereits als Kind war der heute 69-Jährige bei der Grab- und Pflanzenpflege mit dabei. Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet der Gärtnermeister auch ehrenamtlich im Friedhofsausschuss des Kirchenvorstands der katholischen Kirchengemeinde St. Maria Magdalena mit. "Geschichte bewahren", das ist dabei eines seiner Ziele.

"Ein Friedhof", so Gesthuysen, "kann nämlich erzählen." Auch dann, wenn Gräber nach der in Sonsbeck üblichen Pachtzeit von 30 Jahren oder irgendwann später aufgelassen werden. Auf dem Weg, den viele Trauergäste vom Friedhofseingang - zumeist nach dem Gottesdienst in der Gerebernus-Kapelle - zur Friedhofskapelle gehen, hat Gesthuysen mit dazu beigetragen, dass zumindest die Grabsteine mit Geschichte nicht verloren gehen. Beidseitig des Kieswegs sind sie aufgestellt - angefangen von einem liegenden Stein, der an die Anfänge des Friedhofs erinnert, auf dem im Jahr 1838 der erste Tote bestattet wurde. Auf einem kleinen Grundstück, dem "Kämpgen" der Familie Hasselmann, das die Preußen als letzte Ruhestätte genehmigt hatten, nachdem sie Friedhöfe aus seuchenhygienischen Gründen an den Kirchen mit in den Dörfern verboten hatten. "Er kommt bald nach Hasselmanns Kämpgen", zitiert Gesthuysen die lange ortsübliche Umschreibung für Menschen, die dem Tode geweiht waren.

Einfach war der Weg hinauf für die Trauergemeinden früher nicht. Noch bis in die 60er Jahre hinein wurde der Pferdewagen mit dem Sarg unten an der Xantener Straße abgestellt. Die Särge mussten dann die Stufen hinaufgetragen werden. So ist es wohl noch bei Heinrich Kerstgens gewesen, dem ersten Bürgermeister der alten Gemeinde Sonsbeck, dessen Stein sich auf dem "Geschichtsweg" findet.

Um Politik im weitesten Sinne dürfte es auch in den Gaststätten der Gemeinde oft gegangen sein - bei Boll (später Bergmann) neben der Kirche, wo sonntags nach dem Gottesdienst auch der obligatorische Frühschoppen anstand. Oder bei Oetzels neben der alten Volksbank. "Deren Vorgängerin, die Vereinsbank, wurde übrigens vor gut 130 Jahren von Johannes Kerkmann in dessen eigenem Haus mitbegründet", weist Gesthuysen auf den Kerkmannschen Stein hin, der im vergangenen Jahr mit Unterstützung der Bank auf Dauer gesichert werden konnte.

Klar, dass auch das Gedenken an "unser Fräulein" hoch gehalten wird - Luzie Lamsfuss war fast 50 Jahre Lehrerin an der katholischen Volksschule. Und an Heinrich Diepers (1865 - 1947), der Uhrmacher mit einem Geschäft im Dorf war.

Mittendrin dann ein großer, dunkler Korpus mit zwei großen Tafeln. Die Christusfigur am Kreuz weist ein großes Loch auf: Das Grabmal der Familie Verfürth. Sieben Kinder hatten die Besitzer des Schreibwarengeschäfts. Den Zweiten Weltkrieg überlebte niemand aus der Familie. "Gedenksteine wie diese dürfen nicht verlorengehen", sagt Gesthuysen: "Sie sind Mahnung an sich."

Quelle: RP
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