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Sonsbeck
Gregorian Voices begeistern in der evangelischen Kirche

Sonsbeck. 240 Gäste können nicht irren: Rappelvoll war Montagabend die evangelische Kirche an der Hochstraße. 240 Karten hatte der Veranstalter für ein Konzert der "Gregorian Voices" verkauft, obwohl die kleine Kirche eigentlich nur 190 Menschen in den Bänken Platz bietet. Also rückte man zusammen, packte hier und da Stühle dazu, und mancher Zuhörer begnügte sich mit einem Stehplatz. Pfarrer Frank Bublitz war zufrieden. Und nicht nur er: Die Zuhörer waren hellauf begeistert von dem Gesang der acht Männer aus Rumänien, die gut zwei Stunden in der ersten "Halbzeit" frühmittelalterliche gegregorianische Choräle in lateinischer Sprache und nach der Pause bekannte Lieder wie "Sound of Silence" von Simon & Garfunkel, Imagine (John Lennon), Knockin' on heaven's door (Bob Dylan), Tears in Heaven von Eric Clapton anstimmten.

Die nach der Renovierung der kirche möglichen Lichtinstallationen machen sich bezahlt: Nachdem die acht hervorragenden Sänger in brauner Mönchskutte, die Kapuze tief über die Köpfe gezogen durch den Mittelgang nach vorn gekommen waren, unterstrich die dezente Beleuchtung das Mystische an dem Konzertabend, der mit dem "Ave Maria" eröffnet wurde, dessen Genuss leider in der ersten Stunde immer wieder durch den Reizhusten einer Besucherin erheblich gestört wurde. Gottlob war der Hustenreiz in der zweiten Halbzeit weg, die Sänger dafür zurück, im Sanges-Gepäck diesmal poppige Stücke, darunter natürlich auch das legendäre "Halleluja" von Leonard Cohen.

Mit "Sailing" versuchten die Gregorian Voices zum Schluss, aus der Kirche zu segeln - die begeisterten Zuhörer wussten das mit stehendem Applaus zu verhindern. Und nicht nur sie, auch Pfarrer Bublitz hatte das Bild von Sklaven vor Augen, als die Sänger in den Mönchskutten das "Amazing Grace" als erste Zugabe anstimmten. Dem Kapitän eines Sklavenschiffs verdankt das Lied seine Entstehung: Sein Schiff war am 10. Mai 1748 in schwere Seenot geraten und nach Anrufung des Erbarmen Gottes gerettet worden. "Ja, ich würde jeden einzelnen von euch kennen und beim Namen nennen, if I saw you in heaven - wenn ich euch im Himmel sehen würde", hielt der Pfarrer es mit Eric Clapton und dankte für einen wunderbaren Abend. "Thank you for the music", stimmten die Gregorian Voices spontan an, als die Gäste auch nach der zweiten "We-are-the-world"-Zugabe immer noch nicht nach Hause gehen wollten. "Danke für eure Musik", kann man dem stimmgewaltigen Chor nur sagen, der durch die musikalische Präzision und die reinen Gesänge dazu eingeladen hatte, abzuschalten und auf wundervolle Art und Weise dem Alltag zu entfliehen.

(jas)
 
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