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Xanten
"Halt Pölje" macht das Xantener Schützenhaus zur Kurklinik

Xanten: "Halt Pölje" macht das Xantener Schützenhaus zur Kurklinik
Viel zu enge Sitze im Flieger: Claudia Schibgilla berichtete von den Erlebnissen auf ihrer Reise nach Hongkong. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Großer Verdienstorden mit Dom und Michaelstor für Probst Klaus Wittke. Von Erwin Kohl

Sie ist eine der traditionsreichsten Sitzungen am gesamten Niederrhein. Seit 1923 lädt die Xantener Kolpingfamilie zu "Halt Pölje" ein. Aber noch nie durften Xantens Narren in einem Luftkurort feiern und dementsprechend begrüßte Sitzungspräsident Heinz Roters die rund 300 Besucher: "Sie sind auf Krankenschein in unsere Kurklinik gekommen und werden sich bei uns gut erholen." Jede Menge närrische (Unter)töne, herrliche Showtänze und die musikalische Begleitung durch die Sackers Band sorgten für rasche Genesung eingeschlafener Stimmbänder und verspannter Lachmuskel.

Als Eisbrecher fungierten die 24 Mitglieder der "Dream Dancers" vom evangelischen Kinderheim "Haus Kerschenkamp" in Wesel unter der Leitung von Gisela Schinken, die für den engagierten Auftritt inklusive Zugabe alle einen Orden überreicht bekamen. Besonders stolz sein dürfen die Xantener auf ihr Kinderprinzenpaar Timo I. und Hannah I., die ihr närrisches Volk im Schützenhaus wie alte Karnevalshasen unterhielten. "Wir werden noch drei Tage närrisch regieren, danach gehen die Xantener auf allen vieren", versprach der Prinz. Für "PKW" Probst Klaus Wittke, angetreten im barocken Gewand, gab es den großen Verdienstorden mit Dom und Michaelstor. Einen Reisebericht der humorvollen Art lieferte Claudia Schibgilla, die ihre Schwester in Hongkong besuchen wollte. Das wäre schon beinahe am Flug gescheitert, denn nach der "Leibesfaszination mit Tennisschläger" stellten die engen Sitze im Flieger die nächste Hürde dar. "Ich hatte das Gefühl, wenn ich mich da rein zwänge, habe ich mein Leben lang einen Jumbo am Hintern".

Im Anschluss riss die XCV Showtanzgruppe "Rainbows" das Publikum mit einer sehenswerten Vorführung von den Stühlen. Absolute Synchronität und eine gelungene Choreografie sorgten dafür, dass die Narren im Saal lautstark Zugabe forderten. Eher volkstümlich präsentierten sich die aus Mitgliedern der Kolpingfamilie und KfD-Frauen bestehende Formation "VOXX-Club" mit dem Party-Hit "Rock Mi" und den dazugehörigen Schenkelklopfern. Bei "Halt Pölje" legt man sehr viel Wert auf das heimische Geschehen. Einer, der ganz genau darauf achtet, was so hinter dem Kirchturm passiert, ist seit vielen Jahren "Nachtwächter" Tobias Schroers. Der hatte auch dieses Mal brandaktuelle Themen mitgebracht: "Den Werner Paessens hat es ganz schön verdrossen, dass der Bürgermeister die Marienbaumer Schule hat sturmreif geschossen."

Für Lockerung der Lachmuskeln sorgte danach das Lüttinger Tanzmariechen Verena Kruse. Für ihren selbst erarbeiteten sportlichen Showtanz gab es vom Publikum eine Rakete. Frei nach Rio Reisers "König von Deutschland" wollten die Mitglieder des Xantener Chores "Ad Sanctos" einmal "Chef von Sankt Viktor sein" und versprachen dafür so einiges: "Ich denk` mir, was der Wittke kann, das kann ich auch. Ich würd `ne geile Predigt halten und bekäm dafür Applaus. Aus den Wasserspeiern würde Schampus fließen und bei der Viktortracht würd`s nie mehr vom Himmel gießen."

Fester Bestandteil der "Halt Pölje" Sitzungen ist die Büttenrede von "Eminenz" Heinz Roters. Der berichtete vom "Drive In Gottesdienst" einem ganz neuen Angebot der St. Viktor Gemeinde: "Der eilige Christ bleibt im Auto sitzen, muss bei Hitze auch gar nicht schwitzen. Die Klimaanlage regelt das. Getränke an Bord - das macht Spaß." Aber auch Politiker wie Hermann Janßen ("Seehoferzwerg vom Stadtteil Birten") bekamen von der Eminenz ihr Fett weg: "Man dacht, er wär in der Versenkung verschwunden, doch leider hat er nicht ganz verwunden, dass man in Birten, wo er doch der Boss, im Sommer die Schule im Dorfe schloss." Mit der Ehrung aller Helfer und einem finalen Abschlusslied endete eine gelungene Sitzung.

Quelle: RP
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