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Sonsbeck
Haus Schöneck setzt auf Qualität und "gutes Personal"

Sonsbeck. Markus Loth, Leiter der Pflegeeinrichtung in Labbeck, weist Kritik von ver.di zurück: "Seit 2009 wird der Lohn jedes Jahr angehoben". Von Heidrun Jasper

Seit sechs Jahren leitet Markus Loth das geronto-psychiatrische Haus an der Marienbaumer Straße, in dem 123 Männer und Frauen zwischen 30 und 85 Jahren leben. Sie leiden an Alzheimer, Demenz, der Parkinson-Krankheit, an Schizophrenie und anderen Psychosen. Etwa 100 Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um diese oftmals nicht einfachen Menschen; mit ihnen umzugehen, dafür braucht es "gutes Personal", sagt Markus Loth.

"Stimmt", bestätigt Petra Eberhard (59), seit dem 1. April 2011 Pflegedienstleisterin und stellvertretende Leiterin der Einrichtung, in der es nicht, wie ver.di-Gewerkschaftssekretär Harald Hüskes behauptet, seit 15 Jahren keine Lohnerhöhung mehr gegeben hat. "Das stimmt nicht", sagt Markus Loth; "wir zahlen bei langjähriger Betriebszugehörigkeit und bei Zusatzqualifikationen auch deutlich mehr: Seit sechs Jahren heben wir den Lohn auch jedes Jahr dynamisch an, teilweise im zweistelligen Prozent-Bereich". Außerdem erhielten alle Weihnachtsgeld, langjährige Mitarbeiter würden sehr wohl besser bezahlt als solche, die gerade erst als Altenpfleger angefangen haben. Hüskes hatte der Heimleitung vorgeworfen, dass alle gleich viel verdienen, egal, wie lange sie schon in dem Haus arbeiten. Markus Loth weiter: "Alle Mitarbeiter bekommen 30 Cent pro Kilometer für die Fahrt zur Arbeitsstätte und Zurück, wir zahlen Nacht- und Sonntagszuschläge". Freiwillige Zulagen, die in keinem Tarifvertrag zu finden seien. "Ich brauche doch die Mitarbeiter - also tue ich doch alles, um sie zu halten", versichert Loth, der auch das Haus Sebastian in Veen leitet.

Wenn ver.di-Gewerkschaftssekretär Hüskes "eine 35-Stunden-Woche mit einem Bruttolohn wie bei der Caritas" fordert, dann muss Loth allerdings passen: Das könne eine Einrichtung in privater Trägerschaft (Inhaber der beiden Häuser in Labbeck und Veen sind die Eheleute Hans-Jürgen und Rosemarie Brunngraber) nicht stemmen. Das sei wirtschaftlich schon allein deswegen nicht machbar, weil sich das Haus mehr Personal leistet als vom Kostenträger (Krankenkassen, Landschaftsverband Rheinland) refinanziert wird. Daran wolle er aber festhalten, um die Qualität zu halten und dem Pflegepersonal mehr Zeit freizuschaufeln, damit sie sich intensiv um die stark betreuungsbedürftigen Bewohner kümmern können. Das habe er in einer Mitarbeiter-Versammlung auch so kommuniziert.

Loth wehrt sich gegen den Vorwurf von Harald Hüskes, die Mitarbeiter würden "von oberster Stelle rausgeekelt", gingen "kaputt an der Ignoranz ihres Heimleiters". Und er treibe auch keinen Keil zwischen das Personal, lasse examinierte Kräfte "einzeln antanzen und um mehr Lohn betteln". Loth: "Wir sind ein Familienunternehmen, da ist es normal, dass man den Chef persönlich aufsucht oder anschreibt, wenn man mehr Lohn bekommen will". Auch Pflegedienstleiterin Petra Eberhard hat die Kritik des ver.di-Mannes getroffen, der behauptete, Wankelmütige oder neue Mitarbeiter würden mit Warenhausgutscheinen bestochen, damit sie gegen den Betriebsrat aussagen. Gegen den hatte Loth ein Amtsenthebungsverfahren angestoßen, weil er gegen das Betriebsverfassungsgesetz verstoßen hatte, als er im August letzten Jahres Mitarbeiter "in der Mittagspause" zum Streik aufgerufen hatte, obwohl es keine fest geschriebene Mittagspause im Haus Schöneck gibt. Das Verfahren ist vom Amtsgericht Wesel zurückgewiesen worden.

Fakt sei, so Petra Eberhard, dass es in einem Wohnbereich den Verdacht auf eine hoch ansteckende Erkrankung gegeben habe; einige Kollegen hätten die Arbeit verweigert, um sich nicht anzustecken; andere seien eingesprungen, um die Versorgung der Bewohner sicherzustellen. Als kleines Dankeschön hätten sie dafür im September Gutscheine eines schwedischen Möbelherstellers im Wert von jeweils 80 Euro bekommen.

Quelle: RP
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