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Xanten
Hort der Ruhe auf historischem Boden

Xanten: Hort der Ruhe auf historischem Boden
FOTO: Fischer Armin
Xanten. Eine Aktion der Volksbank Niederrhein und der Rheinischen Post - Ursprung des Moersers Schlossparks war ein privater Landschaftsgarten. Er entstand auf den Ruinen einer Festung. Von Josef Pogorzalek

Der Schlosspark, das ist eine grüne Oase im Herzen von Moers, nur wenige Schritte von den Geschäften der Altstadt entfernt. Ein Hort der Ruhe auf historischem Grund. Denn der Park liegt dort, wo im 17. Jahrhundert Festungsbauten standen. Moritz von Oranien hatte sie errichten lassen, um das Moerser Schloss und seine Bewohner vor Feinden schützten. Preußenkönig Friedrich II., der Große, ließ 1763 /64 die Festung schleifen. Was blieb, waren die Wallanlagen und der Stadtgraben - und Gartenland.

Der eigentliche Anfang des Stadtparks liegt im 19. Jahrhundert. Man nähert sich ihm, indem man den Park vom Kastellplatz aus am Schloss vorbei betritt und sich dann links hält. Das ist die Grünanlage, die der große Düsseldorfer Gartenarchitekt Maximilian Friedrich Weyhe 1836 für den Fabrikanten Friedrich Wintgens ersonnen hat. Wintgens, der eine Bauwollspinnerei betrieb, hatte das Schloss 1910 gekauft und zu seinem Wohnsitz gemacht. Daneben ließ er Weyhe einen englischen Landschaftsgarten gestalten, mit "runden" Wegverläufen und der Anmutung einer wildromantische Naturlandschaft. Die mächtigen Buchen, die hier stehen, hat wohl noch Weyhe selbst gepflanzt, beziehungsweise pflanzen lassen. Die Reste einer Bastion deuten auf die alte Festung hin, der hügelige Boden in diesem Bereich lässt die Schuttberge ahnen, die von der Festung übrigblieben.

Wintgens ließ sich auch einen Lustgarten machen, inklusive einer "Lügenbrücke" über den Stadtgraben; ein Name, der in Zusammenhang mit den dort ertappten Liebespaaren stehen soll. In der Nachbarschaft scheinen auf einem Hügel, dem "Möschenberg" (Spatzenberg) die Reste eines Burgturms zu thronen. Tatsächlich ist dies eine Schein-Ruine, deren Bau Wintgens als Teil des englischen Parks in Auftrag gab. Vor Jahrzehnten ließ die Stadt zur Wahrung der öffentlichen Moral einen Teil der "Ruine" abtragen: Sie hatte knutschenden Jugendlichen in den sittenstrengen 50er und 60er Jahren Blickschutz geboten.

Der Garten des Herrn Wintgens wurde später stetig erweitert, bis in den 1930er Jahren der Schlosspark seine heutigen Dimensionen erhielt. Bei Joggern und Flaneuren ist er gleichermaßen beliebt. An Sommertagen fläzt sich die Jugend auf Rasenflächen. Wasserläufe plätschern, die Blätter rauschen. Tafeln erzählen die Park-Historie, Skulpturen und Denkmäler setzen Akzente an den Wegen. Auch dem Gartenarchitekten Weyhe war eine Bronzetafel gewidmet, bis vor einigen Jahren Metalldiebe Gefallen an ihr fanden.

Wer sich an prächtigen Bäumen ergötzen kann, für den wird der Gang durch den Schlosspark zum Lustwandeln. Ginkgos, Sumpfzypressen, Silberlinden, Kiefern, Kastanien, Buchen, Mammutbäume - immer wieder ziehen stolze Vertreter ihrer Art den Blick hinan. Einige sind als Naturdenkmäler geschützt. Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein hat viele Bäume mit Schildchen versehen. Der Verein greift der Stadt bei der Pflege der Grünanlage unter die Arme, desgleichen tut die Grafschaft Moers Geschichtsstiftung.

Der betuliche Schlosspark hat auch eine etwas quirligere jüngere Schwester: Den Freizeitpark Moers, der sich seit den 1960er Jahren hinter den westlichen Wallanlagen an den Schlosspark anschließt. Dort gibt es Tennisplätze, Bolzplätze, einen Streichelzoo. Man kann Minigolf spielen, Kinder toben auf Spielplätzen. Ein Tummelplatz für junge Familien.

Wer den Park besucht, sollte unbedingt auch den ehemaligen Besitz des Parkgründers Friedrich Wintgens in Augenschein nehmen: das Moerser Schloss. Mit dem vorgelagerten Kastellplatz und dem Denkmal der Kurfürstin Luise Henriette ist es ein Wahrzeichen der Stadt. Einst war es eine Wasserburg und Sitz der Grafen von Moers, seit über 100 Jahren beherbergt es das Grafschafter Museum. 1905 erwarb die Stadt das Schloss, dessen Ursprünge im 1300 Jahrhundert liegen. Das Museum dokumentiert die Geschichte des Schlosses und der Grafen von Moers. Und es erinnert an die Blütezeit der Stadt im 17. Jahrhundert unter der Herrschaft des Hauses Oranien, als Moers zu jener Festung ausgebaut wurde, deren Wälle und Gräben noch heute die Struktur der Innenstadt prägen.

Das Museum widmet sich auch der Kultur und dem Alltagsleben der Region. Es gibt dort originalgetreu ausgestattete Wohnräume aus der Zeit von 1700 bis zum Jugendstil, eine Sammlung historischer Puppenstuben, alte Trachten und einen Kaufladen aus dem 19. Jahrhundert, dessen Einrichtung. Ganz weit in die Geschichte zurückführt ein Teil des Schlosses, der bei Ausgrabungen freigelegt wurde: Da sieht man mittelalterliche Verteidigungsmauern mit Schießscharten sowie einen 800 Jahre alten Lehmkuppelofen, in dem im Mittelalter vermutlich Brot gebacken wurde.

Direkt neben dem Schloss liegt der sogenannte Musenhof, eine "Spiel- und Lernstadt" mit Töpferei, Wohn- und Backhaus, Stall, Kaufhaus und Stadtturm mit Kerker, in der Kinder unter museumspädagogischer Betreuung spielerisch Geschichte erleben. Sehenswert ist auch das Rosarium, ein "Nachbau" des privaten Rosengartens der Familie Wintgens. Der Fabrikant hatte es nicht nur mit Bäumen und Blumen: An der Sonnenseite der Schlossmauer zog er auch Wein. Dieser soll sogar gekeltert und getrunken worden sein. Leider wurden die Weinstöcke 1929 entfernt. Einen Riesling aus Moers würde man gerne mal kosten.

Quelle: RP
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