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Zum Sonntag
I have a dream

Xanten. Pfingsten in Jerusalem vor 2000 Jahren, da war was los. Da waren die Anhängerinnen und Anhänger Jesu hochmotiviert und buchstäblich begeistert. Sie hatten eine Antriebskraft, ja eine Vision von einer Zukunft, die wir uns heute manches Mal wünschen würden.

Und diese Begeisterung gab es immer wieder, auch nach Pfingsten in Jerusalem: Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Nelson Mandela, ... Von Martin Luther King ist besonders sein berühmt gewordener Redeausschnitt "I have a dream" bekannt. Geträumt hat vor einer Woche in diesem guten Sinne auch Papst Franziskus bei der Verleihung des Karlspreises:

"Ich träume von einem jungen Europa, das fähig ist, noch Mutter zu sein: eine Mutter, die Leben hat, weil sie das Leben achtet und Hoffnung für das Leben bietet.

Ich träume von einem Europa, das sich um das Kind kümmert, das dem Armen brüderlich beisteht und ebenso dem, der Aufnahme suchend kommt, weil er nichts mehr hat und um Hilfe bittet.

Ich träume von einem Europa, das die Kranken und die alten Menschen anhört und ihnen Wertschätzung entgegenbringt, auf dass sie nicht zu unproduktiven Abfallsgegenständen herabgesetzt werden.

Ich träume von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist, sondern vielmehr eine Einladung zu einem größeren Einsatz mit der Würde der ganzen menschlichen Person.

Ich träume von einem Europa, wo die jungen Menschen die reine Luft der Ehrlichkeit atmen, wo sie die Schönheit der Kultur und eines einfachen Lebens lieben, die nicht von den endlosen Bedürfnissen des Konsumismus beschmutzt ist; wo das Heiraten und der Kinderwunsch eine Verantwortung wie eine große Freude sind und kein Problem darstellen, weil es an einer hinreichend stabilen Arbeit fehlt.

Ich träume von einem Europa der Familien mit einer echt wirksamen Politik, die mehr in die Gesichter als auf die Zahlen blickt und mehr auf die Geburt von Kindern als auf die Vermehrung der Güter achtet.

Ich träume von einem Europa, das die Rechte des Einzelnen fördert und schützt, ohne die Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft außer Acht zu lassen.

Ich träume von einem Europa, von dem man nicht sagen kann, dass sein Einsatz für die Menschenrechte an letzter Stelle seiner Visionen stand." (Aus )

Ist der Papst ein Traumtänzer? Von dem brasilianischen Erzbischof und Befreiungstheologen Dom Helder Camara stammt die Aussage "Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, dann ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit!" Ich denke, Pfingsten ist ein Grund, sich wieder der gemeinsamen Träume zu vergewissern - auch über (Kirchen-) Grenzen hinweg - um Kraft und Mut zu schöpfen für die Mitarbeit an einer hoffnungsvollen Wirklichkeit.

AUTOR WERNER KOSCHINSKI IST PASTORALREFERENT IN DER PFARRGEMEINDE ST. PETER RHEINBERG.

Quelle: RP
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