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Unsere Woche
Im Schwitzkasten der Abitur-Anbieter

Xanten. Die Narretei nimmt volle Fahrt auf. Aber an der Sekundarschule in Alpen sind die Mundwinkel tiefer gelegt. 53 Anmeldungen für den nächsten Jahrgang der jungen Schule sind eine echte Spaßbremse. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Absturz um eine ganze Klasse. Im Sommer gingen vier neue Klassen an den Start. Eine positive Überraschung, nachdem es im Jahr davor nur für drei Eingangsklassen gereicht hatte. Diesmal ist das Bangen groß, dass nicht mal das Minimalziel erreicht wird und es am Ende nur zu zwei Zügen reicht. Das wäre nicht das Ende der Schule, aber zweifellos eine herbe Enttäuschung, zumal das Kollegium durch engagierte pädagogische Arbeit und auch außerhalb des Stundenplans alles tut, Eltern davon zu überzeugen, dass ihre Kinder bei ihm in besten Händen ist.

Schulwahlentscheidungen sind oft mehr bauch- als kopfgesteuert. Der Abwärtstrend, wenn auch nicht in dieser Größenordnung, kommt nicht aus heiterem Himmel. Schon der Name Sekundarschule klingt wenig einladend, und was drunter vorstellen können sich wohl nur die wenigsten. Nicht von ungefähr unternahm Rektor Tilman Latzel einen Aufklärungsversuch und übersetzte mit "kleine Gesamtschule".

Die Schule in Alpen hat im Wettstreit um lernbereite Köpfe einen weiteren Nachteil gegenüber den Nachbarn Gemeinschaftsschule Rheinberg und Gesamtschule Xanten/Sonsbeck. Die meisten Eltern streben nach dem höchsten Schulabschluss für ihr Kind - dem Abitur. Das zeigt auch das gute Abschneiden der Amplonianer. Die Hochschulreife kann Alpen nur indirekt ansteuern, über den Partner Europaschule, die die gymnasiale Oberstufe abdecken soll.

Alpen droht neben dem numerischen zumindest in den Anfangsklassen auch ein qualitatives Problem. Wenn das Abitur entscheidungsrelevant ist, drängt's leistungsstärkere Köpfe vermutlich nicht auf die "kleine Gesamtschule". Sie ziehen die große Lösung vor. Die kleine Sekundarschule läuft Gefahr, ein engeres Leistungsspektrum abzubilden. Das kann auch der Europaschule nicht gefallen, deren Oberstufe sich auch aus Schülern der Sekundarschule speisen soll. So müssten auch im Rheinberger Stadthaus die Alarmglocken schrillen. Der Rat steht hier vor der Entscheidung, die Gemeinschaftsschule für einen zweitstelligen Millionen-Betrag zu erweitern. Die für die klamme Stadt schmerzhafte Investition muss nun im Lichte leerstehender Räume in Alpen beleuchtet werden. BP

bernfried.paus@rheinische-post.de

Quelle: RP
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