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Siegmund Ehrmann Und Hans-Ulrich Krüger
In Berlin geht's immer auch um die Region

Siegmund Ehrmann Und Hans-Ulrich Krüger: In Berlin geht's immer auch um die Region
Siegmund Ehrmann (3. von rechts) und Hans-Ulrich Krüger (rechts) wollen bei den nächsten Bundestagswahlen jüngeren Sozialdemokraten den Vortritt lassen. Mit auf dem Foto (von links): Ralph-Harry Klaer (Unterbezirk Krefeld), René Schneider, Norbert Meesters und Ibrahim Yetim. FOTO: KLAUS DIEKER
Xanten. Die beiden Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Wesel werden im nächsten Jahr nicht erneut antreten. Beim Fest zum 50-jährigen Bestehen der NRW-Landesgruppe in der SPD-Fraktion ging der Blick auf die lange Zeit im Parlament zurück.

An so einem Festabend geht der Blick natürlich zurück, auch auf die eigene Zeit im Bundestag, die nun zu Ende geht. Wie sehr werden Ihnen Berlin und die Politik fehlen?

Siegmund Ehrmann Auch wenn es noch 17 Monate bis zum Ende der Wahlperiode sind und ich bis dahin mein Mandat engagiert ausfüllen will: Die Zeit neigt sich. Ich engagiere mich leidenschaftlich in der Politik, habe aber eine bewusste Entscheidung getroffen, die ich nicht bereue. "Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vernehmen unter dem Himmel hat seine Stunde" (Prediger 3,1) das gilt auch in der Politik. Vom Kopf her ist die Sache für mich klar; wie sich das konkret durchleben wird, werde ich sehen, habe aber keine Sorgen. Da wir unsere Wohnung in Berlin beibehalten werden, wird uns die Stadt und der Kontakt zu vielen liebgewonnen Menschen nicht verlorengehen - ganz im Gegenteil.

Dr. Hans-Ulrich Krüger In den nächsten anderthalb Jahren - bis zum Ende der Wahlperiode - werde ich meine Aufgaben als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses "cum/ex" und als für den Etat von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zuständiger Berichterstatter der SPD im Haushaltsausschuss weiter mit Herzblut und Kraft ausüben. Nach meinem Ausscheiden aus dem Bundestag werde ich sicherlich weitere Aufgaben annehmen, aber aufgrund bewusster Lebensplanung gemeinsam mit meiner Frau und meiner Familie nicht mehr im aktuellen Umfang. Berlin bleibt aber -immer wieder mal - ein lohnenswertes Ziel.

Wie wichtig ist die eigene Landesgruppe für die Arbeit als Abgeordneter?

Krüger In jeder Fraktion des Bundestages gilt: "Nur gemeinsam ist man stark". Wenn sich daher die 52 Abgeordneten der Landesgruppe auf ein gemeinsames Ziel verabreden, ist das nur gut für NRW und seine Bürgerinnen und Bürger.

Ehrmann In der Landesgruppe wird themenübergreifend sozialdemokratische Politik zwischen dem Bund und dem Landtag und der Landesregierung abgestimmt. Das ist sehr wichtig, um die "Durchschlagskraft" der nordrhein-westfälischen Interessen wie etwa bei den Themen Kommunalfinanzen, Energie- und Industriepolitik oder Ausbau der Infrastruktur zu erhöhen. Nicht zuletzt ist die Landesgruppe ein Ort der persönlichen Begegnung, des offenen - oft sehr freundschaftlichen Austausches unter Kolleginnen und Kollegen, die im arbeitsteiligen System der parlamentarischen Arbeit außerhalb der Fraktionssitzungen kaum miteinander Kontakt haben.

Welche Möglichkeiten hat man im Bundestag, sich für den eigenen Wahlkreis einzusetzen?

Ehrmann Ob Energiepolitik, Gesundheitspolitik oder Fragen der Verkehrsinfrastruktur, Projekte wie "Soziale Stadt" und Städtebauförderung oder Denkmalschutz - in den Jahren sind viele grundsätzliche aber auch sehr konkrete Themen an mich herangetragen worden, die ich begleiten und forcieren konnte. Nicht zu unterschätzen: Aus den Bürgersprechstunden ergeben sich viele Themen, bei denen ich eher eine "Lotsenfunktion" habe, um Menschen in manchmal ausweglos erscheinenden Situation Wege aufzuzeigen.

Krüger Ich habe meine Aufgabe als Wahlkreisabgeordneter immer so verstanden: In Berlin werden die Probleme der Region verhandelt, diskutiert und letztendlich in eine gesetzliche Form gegossen. Dies betrifft die Zukunft der Stahlindustrie, der Aluminiumindustrie ebenso wie die Schaffung geeigneter Infrastrukturen unter Berücksichtigung der Interessen der Bürgerinnen und Bürger, wie etwa Betuwe-Linie und Lärmschutz. Als ehemaliger Bürgermeister der Stadt Voerde und Staatssekretär im Innenministerium NRW war es weiterhin mein besonderes Anliegen, die Augen auf die finanziellen Nöte der Kommunen zu richten. Man sieht also: Fast jede Handlung in Berlin hat eine regionale Rückkoppelung.

Was haben Sie persönlich für die Heimat erreicht?

Ehrmann Viele Effekte sind oftmals nur durch kooperatives Agieren mit Kolleginnen und Kollegen aus der SPD-Fraktion, oftmals fraktionsübergreifend möglich. Der Clou sicherlich, wie es letzten Wahlperiode - die SPD war in der Opposition -durch eine engagierte Zusammenarbeit mit Otto Fricke (FDP), Rüdiger Kruse (CDU), Carsten Schneider (SPD) und mir gelang, Bundesmittel für die Festival-Halle in Moers loszueisen. Auch Fragen der Verkehrsinfrastruktur lassen sich nur durch eng abgestimmte Zusammenarbeit der regionalen Abgeordneten bewegen.

Was werden Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin als besonderen Tipp für die ersten Tage im Berliner Politikbetrieb mitgeben?

Krüger Jede Nachfolgerin und jeder Nachfolger sollte sich - aufgrund des großen Wettbewerbs - die Frage stellen: "Wo bin ich besonders stark?" Hat man eine diesbezügliche Entscheidung getroffen, ist es wichtig, überzeugend zu versuchen, das ausgesuchte Themenfeld zu besetzen. Dazu gehört neben Inspiration und Engagement eine gehörige Portion Fleiß.

Ehrmann Das stimmt. Man muss rechtzeitig die Themenfelder klären, in die man sich besonders einbringen will und zudem wichtige Personalentscheidungen treffen. Auch wenn 2002 nicht gewiss war, dass ich den neu zugeschnitten Wahlkreis mit den Erststimmen gewinnen würde, habe mich ich bereits Monate vorher mit Petra Piepenbring verabredet, dass sie im Fall der Fälle mein Berliner Büro leiten würde. Wir arbeiten bis heute sehr gut zusammen. Als ich als frisch gewählter Abgeordneter in Berlin eintraf, war mein Büro voll funktionsfähig. Ich konnte mich so in aller Ruhe mit anderen Dinge vertraut machen. Bei anderen dauert es sehr lange, bis alles rund lief.

Was werden Sie ganz bestimmt nicht vermissen?

Ehrmann Die extrem fremdbestimmte Terminfolge, die einem gesunden Lebensrhythmus von Anspannung und Entspannung entgegensteht.

Krüger Das Kofferpacken am Sonntagabend vor einer Sitzungswoche.

DIRK MÖWIUS FÜHRT DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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