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Von Frau Zu Frau
"In Xanten habe ich meine schönsten Jahre verbracht"

Von Frau Zu Frau: "In Xanten habe ich meine schönsten Jahre verbracht"
FOTO: Christoph Reichwein
Xanten. Kriemhild ist die Frau von Siegfried und seine Rächerin im Nibelungenlied. In Xanten begegnet man ihr immer wieder. Mit RP-Redakteurin Katharina Mehles spricht sie über die Domstadt, Eitelkeit und das Frauenbild damals und heute.

Xanten Die Frauen der Redaktion nutzen die Sommerferien, um mit Gleichgesinnten zu sprechen. Frauen, die etwas zu erzählen haben, mit denen wir etwas gemeinsam haben oder von denen wir etwas lernen können. RP-Redakteurin Katharina Mehles hat sich mit Kriemhild unterhalten, der Heldin aus dem Nibelungenlied.

Kriemhild, in meiner Vorbereitung auf unser Interview habe ich überlegt, ob und was wir für Gemeinsamkeiten haben: Wir sind beide mit drei Brüdern aufgewachsen und wir sind beide eine Frau. War es zu deiner Zeit schwer, eine Frau zu sein?

Kriemhild Naja, also wenn man sich den Männern unterordnet, dann kann man es als Frau meines Standes ganz gemütlich haben. Eigene Entscheidungen zu treffen ist aber nicht drin. Immer hat jemand anderes über mich bestimmt: Vor meiner Heirat waren es meine drei Brüder Gunther, Gernot und Giselher. Danach war es Siegfried. Wenn ich nicht gehorchte, dann hat er mich auch mal verprügelt. Aber ich habe ihn sehr geliebt, deshalb war ich wohl trotzdem glücklich. Richtig schwierig wurde es für mich, als er ermordet wurde. Aber heute ist das ja alles anders: Musst du deinem Mann und deinen Brüdern gehorchen oder haben es die Frauen heute leichter?

Im Großen und Ganzen denke ich schon. Zumindest sind wird selbstbestimmter und ungestraft darf auch kein Mann seine Frau verprügeln. Meine Brüder haben mir gar nichts zu sagen, das wäre ja noch schöner...

Kriemhild Das hört sich himmlisch an. Da habt ihr Frauen richtig was erreicht. Du hast ja sogar einen Beruf, sorgt denn dein Mann nicht für dich?

Doch natürlich. Und ich sorge für ihn. Und gemeinsam sorgen wir für unseren Sohn.

Kriemhild Ist das nicht furchtbar schwierig?

Manchmal schon. Vor allem, wenn es darum geht, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen und keine Seite zu vernachlässigen.

Kriemhild Ja, das kann ich mir vorstellen. Aber dafür seid ihr selbstständig und habt ein Mitspracherecht. Ich hatte mir immer vorgenommen, mich nicht zu verlieben, um mich nicht wieder einem Mann unterordnen zu müssen. Bei Siegfried war die Liebe aber stärker...

... und diese Liebe brachte dich dann nach Xanten, wo du heute noch als wichtige Persönlichkeit geschätzt wirst.

Kriemhild Hier in Xanten habe ich einige meiner schönsten Lebensjahre verbracht. Man hat mich hier nach der Hochzeit mit Siegfried prächtig empfangen. Hier ist mein Sohn Gunther geboren. Es war wirklich toll im Xantener Reich, ich konnte das bequeme Hofleben genießen.

Hast du dich in Xanten denn zu Hause gefühlt?

Kriemhild Ich hatte einfach eine schöne Zeit. Wir waren ja viel unterwegs, residierten abwechselnd in Xanten und im norwegischen Nibelungenland. Manchmal hatte ich aber auch heftiges Heimweh nach meiner Heimat Worms.

Was glaubst du, warum erzählt man sich deine Geschichte sogar heute noch?

Kriemhild Erstmal denke ich, die Menschen hören gerne Geschichten über Könige und Königinnen. Und sie hören gerne Heldengeschichten. Und Siegfried war ein echter Held, auch wenn sein Leben so tragisch endete. In meinem Leben ist so viel passiert: Mein Mann wurde ermordet, ich wurde unterdrückt und um mein Vermögen betrogen. Aber ich habe mich gewehrt, so gut ich konnte, auch wenn auch ich das mit dem Leben bezahlen musste. Die Geschichte von Siegfried, meinen Brüdern, Brünhilde und mir ist aufgeschrieben worden, als Theaterstück aufgeführt und sogar verfilmt worden, deshalb kennen sie so viele Menschen.

Das stimmt. Das Nibelungenlied und damit auch ihr seid sehr bekannt. Ihr seid sogar parodiert worden. Kennst du den Film "Siegfried" mit Tom Gerhard?

Kriemhild Nein. Komme ich darin auch vor?

Ja.

Kriemhild Hoffentlich haben sie wenigstens eine schöne Schauspielerin für mich ausgewählt.

Ja, ich denke, Dorkas Kiefer ist angemessen hübsch. Bist du denn so eitel?

Kriemhild Natürlich. Ich war schließlich eine Königin. Und das ist ja auch das Schöne daran, eine Frau zu sein: Es macht Spaß, sich die Haare zu richten und schöne Kleider zu tragen, findest du nicht?

Na klar.

Kriemhild Aber ich bin nicht nur eitel, was das Äußerliche betrifft. Ich mache mir oft Gedanken darüber, dass ich als rachsüchtige Frau hingestellt werde. Die bin ich aber doch nur geworden, weil man mir übel mitgespielt hat. Umso mehr freut es mich, zu hören, dass die Xantener mich offensichtlich noch immer interessant finden.

Quelle: RP
 
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