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Unsere Woche
Investitionen in Sicherheit, bitte!

Xanten. In Xanten wird ein Kurpark gebaut. Und keiner kann sich vorstellen, was das einmal wird. Die 5,4 Millionen Euro aber, die das Projekt nach den bisherigen Planungen kosten soll, die sind ganz konkret. Und das ist das Problem. Auch wenn 80 Prozent der Kosten vom Land NRW übernommen werden, bleiben immerhin noch 1,08 Millionen Euro für die Stadt Xanten. 1,08 Millionen Euro für ein Fragenzeichen. Von Julia.loercks@ Rheinische-Post.de

Ein leichtes Spiel für alle Kritiker und Störer. Denn, wenn es ums Geld geht, wird jeder Bürger schnell misstrauisch. Es könnte schließlich sein eigenes Portemonnaie betreffen. Bei 22.000 Einwohnern rund 50 Euro pro Kopf, um genau zu sein.

Und ein schweres Spiel für Bürgermeister Thomas Görtz von der CDU. Er muss die Bürger nun davon überzeugen, dass mit dem Kurpark in den Wallanlagen etwas Gutes für Xanten und damit für jeden einzelnen Einwohner entsteht. Sein nun eingeschlagener Weg - mehr Offenheit und mehr Transparenz in der Sache - ist der Richtige. Und als neue Leiterin der Redaktion Xanten/Rheinberg sage ich: Das Glas ist halb voll, nicht halb leer. Gespräche mit Bürgern, die keine politischen Interessen verfolgen, bestätigen das. Sie sagen: "Wir schauen erst einmal, was dort entsteht. Danach können wir uns ein Urteil erlauben."

Der Streit um den Xantener Kurpark, er rückt vollkommen in den Hintergrund, wenn man an den tödlichen Unfall eines 15 Jahre alten Jungen am Mittwoch an einem unbeschrankten Bahnübergang in Alpen denkt. Plötzlich sind die Bäume und Mehrkosten, um die sich meist die Xantener Politiker streiten, nicht mehr wichtig. Ein Junge aus Rheinberg ist tot. Und sein Zwillingsbruder musste alles mit ansehen. Als Mutter einer drei Jahre alten Tochter stockte mir an diesem Nachmittag der Atem. Auch heute noch ist es unvorstellbar.

Der Schmerz über den Verlust kann nicht nachempfunden werden, die Wut über den unbeschrankten Bahnübergang aber umso mehr. Warum gibt es schrankenlose Bahnübergänge überhaupt noch? Allein auf dem Gebiet der Gemeinde Alpen befinden sich fünf. Fünf zu viel, wenn man bedenkt, dass jeder vierte Unfall an Bahnübergängen tödlich endet.

Keine Frage also, es müssen Investitionen in die Sicherheit getätigt werden. Und hier kommen die Kommunen ins Spiel. Die Bahn nennt für die Installation einer Halbschranke mit Blinklicht einen Preis von rund 500.000 Euro, ein Drittel davon muss die Kommune tragen. Bei fünf unbeschrankten Bahnübergängen macht das 825.000 Euro. Für Alpen mit knapp 13.000 Einwohnern wären das fast 64 Euro pro Kopf.

Liebe Bürgermeister der Region, ich bin mir sicher, dass jeder Bürger diesen Betrag aufbringen würde. Er wäre für ein Menschenleben - und das ist schließlich unbezahlbar.

In diesem Sinne: Was ist wirklich wichtig? Die Gesundheit - und die hat auch mit Sicherheit zu tun.

Quelle: RP
 
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