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Rp-Serie Als Der Krieg Nach Rheinberg Kam (Ende)
Josef Roll - Rheinbergs "ewiger" Bürgermeister

Rp-Serie Als Der Krieg Nach Rheinberg Kam (Ende): Josef Roll - Rheinbergs "ewiger" Bürgermeister
FOTO: Archiv Rheinberg
Xanten. Der gebürtige Attendorner lenkte die Stadt als Chef von Rat und Verwaltung in guten und schlechten Zeiten. Er starb 1949 infolge eines Unfalls. Von Anja Rupprecht

Rheinberg Der Countdown läuft - in vier Wochen werden Rheinbergs Einwohner ein neues Stadtoberhaupt wählen. Fünf Jahre wird dessen Amtszeit dauern, Wiederwahl möglich. Doch den bisherigen Rekord in Sachen Amtszeit als erster Bürger der Stadt Rheinberg wird mit ziemlicher Sicherheit auch der neue Amtsinhaber nicht brechen - den hält unangefochten Josef Roll, der fast 33 Jahre lang Bürgermeister in Rheinberg war. In seine Amtszeit fallen die schweren Jahre des 1. Weltkriegs und die anschließende siebenjährige Besatzungszeit.

Josef Roll wird am 2. Dezember 1865 im westfälischen Attendorn geboren. Nach einem Philologie-Studium und anschließender Militärzeit schlägt er die Verwaltungslaufbahn ein. Als im Mai 1898 die Rheinberger Bürgermeisterstelle vakant wird, reicht er seine Bewerbung ein und kommt mit vier weiteren Kandidaten in die engere Wahl. Eine Kommission des Stadtrats fährt nach Düsseldorf, Marsberg und Mönchen-Gladbach, den Wohnorten der Kandidaten, um an Ort und Stelle Erkundigungen über diese einzuholen. Ihr Votum für Josef Roll, "der im Rufe eines ebenso tüchtigen wie liebenswürdigen Beamten steht", überzeugt auch die übrigen Ratsmitglieder. Einstimmig wählt der Stadtrat Josef Roll zum neuen Bürgermeister der Stadt Rheinberg. Am 6. September 1898 bezieht der 32-jährige seine Büroräume im Alten Rathaus, dessen Ratssaal im Jahr zuvor aufwendig renoviert worden war und den jetzt dunkelrote Adlertapeten, reiche Deckendekorationen und vergoldete Türbeschläge zieren. Ein lebensgroßes Kaiserbild, das Hubert Underberg der Stadt anlässlich des 50-jährigen Bestehens seiner Firma 1896 geschenkt hatte, "krönt den vornehmen Gesamteindruck", so die heimische Presse. "Der Rathaussaal ist prächtig renoviert und wird es für unsere Stadträte in Zukunft ein Genuss sein, über das Wohl und Wehe unserer Stadt in einem so schneidigen Saal beraten zu können."

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Zwölf Jahre dauert die Amtszeit des Bürgermeisters. 1910 wählt der Stadtrat Josef Roll einstimmig wieder. Rheinbergs Bürgern und ihrem Bürgermeister geht es gut, die Stadt prosperiert. Durch die Eisenbahnlinie Duisburg-Kleve ist sie mit der großen Welt verbunden, und mit Solvay hat sich die Industrie in Rheinberg niedergelassen. Es gibt Arbeit für die Menschen.

Dann kommt der Krieg, und der jetzt fast 50-jährige Bürgermeister wird zum Verwalter von Hunger, Not und Mangel. Auf die Kriegsjahre folgen sieben Jahre belgische Besatzung. Bürgermeister Roll bleibt im Amt, steht aber unter Aufsicht der belgischen Militärbehörden. Als er sich 1922 zur erneuten Wiederwahl stellt, ist die Zustimmung im Stadtrat ausreichend, aber knapp. Mit Erreichen des 65. Lebensjahres und damit des Pensionsalters im Dezember 1930 endet Rolls Amtszeit vor Ablauf der regulären Amtsdauer von zwölf Jahren. Eine Verlängerung über das Pensionsalter hinaus lehnt der Stadtrat mit großer Mehrheit ab.

Um seine Nachfolge bewerben sich 99 Männer, die Wahl des Stadtrats fällt im März 1931 auf den erst 28-jährigen Dr. Wilhelm Dericum. Roll verlässt Rheinberg im August desselben Jahres. Am 3. Dezember 1949, einen Tag nach seinem 84. Geburtstag, stirbt er in seiner neu gewählten Heimat Bonn infolge eines Verkehrsunfalls.

Quelle: RP
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