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Xanten
Kein Anschluss beim Ärzte-Notruf

Xanten. Barbara Brammen aus Xanten hat vergeblich versucht, den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu erreichen. Von Peter Kummer

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist aktuell wieder in der Diskussion. "116117 - Da wird Ihnen geholfen", schreibt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zum fünften Jahresjubiläum der zentralen Rufnummer. Die soll bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten Auskunft über den Bereitschaftsdienst und den diensthabenden Arzt geben.

Doch aus Komfortgründen oder weil die Nummer offensichtlich noch zu wenig bekannt ist, wenden sich viele Menschen nachts oder am Wochenende weiter an eine Klinik, so der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Barbara Brammen aus Xanten hat da ihre eigenen Erfahrungen gesammelt: Sie hat über eine Stunde lang vergeblich versucht, die Hotline zu erreichen. "Stattdessen hörte ich nur das Rufzeichen im Hörer", berichtet sie.

Der Xantener Arzt Dr. Michael van Beek hört immer wieder Klagen von Patienten über eine schlechte Erreichbarkeit der 116117. Sie berichten von langen Zeiten in der Warteschleife und vielen vergeblichen Versuchen durchzukommen. "Wir leben in einem hoch technisierten Land. Da müsste es eigentlich möglich sein, schnell jemanden zu erreichen", meint der Arzt. Das Erlebnis von Barbara Brammen kann sich der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Christopher Schneider, nicht erklären.

"Es ist sehr bedauerlich", sagt er. Auf jeden Fall hätte die Xantenerin in der Warteschleife landen und die entsprechende Ansage vom Band hören müssen. Doch das ist nicht geschehen. Dabei hat sich Xantenerin richtig verhalten, als sie nicht nach einigen Minuten wieder aufgelegt hat, sondern es lange hat durchklingeln lassen. Schneider rät, in der Warteschleife zu bleiben, auch wenn es dauere, bis man an der Reihe sei. In Spitzenzeiten würden die Anrufe in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet.

Wer keine Geduld hat und es erneut versucht, landet wieder am Ende. In der Vergangenheit habe es Probleme bei der Erreichbarkeit gegeben, räumt Schneider ein. Inzwischen seien eine neue Telefonsoftware installiert und das Personal erhöht. "Die Beschwerden haben merklich nachgelassen. In der Regel geht kein Anruf verloren."

Vor fünf Jahren wurde die Nummer 116117 installiert. Bundesweit haben 2016 über 6,2 Millionen Anrufer die Nummer genutzt. "Der Bereitschaftsdienst ist nicht zu verwechseln mit dem Rettungsdienst für lebensbedrohliche Fälle. Bei Herzinfarkt, Schlaganfall und schweren Unfällen immer den Notruf 112 wählen!", betont Dr. Andreas Gassen, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

An normalen Wochentagen gehen rund 1000 Anrufe bei der Duisburger Regionalfiliale von 116117 ein, am Wochenende kann es das Fünffache sein, an manchen Tagen liege die Zahl bei 10.000. "Wenn 200 Anrufer in der Warteschleife sind, sind Wartezeiten unvermeidlich", sagt Schneider.

Die zentrale Rufnummer erkennt bei Anrufen aus dem Festnetz, aus welcher Region die Anfrage kommt und leitet sie ans zuständige regionale Hotline-Center weiter. "Vielleicht hat dies im Fall der Dame nicht geklappt", sucht Schneider nach einer Erklärung. "Ein Einzelfall." In einigen Regionen erfolgt sofort die Weiterleitung an den zuständigen Bereitschaftsdienst. Nicht so am ländlichen Niederrhein. Bei Handys wird nach der Postleitzahl oder der Stadt gefragt.

Quelle: RP
 
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