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Xanten
Kinder mit Pferden stark machen

Xanten: Kinder mit Pferden stark machen
Eindrucksvolle Reittherapie in Mörmter: Auf dem braven Schulpferd Nemo sitzen Lion und Linda. Jutta Ludwig ist freie Reittherapeutin. Die Kita hofft, in Zukunft regelmäßig die Besuche in der Reithalle anbieten zu können. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die inklusive Kindertagesstätte "Waldblick" der Lebenshilfe sucht Sponsoren für ein Reittherapie-Projekt für Kinder, die sozial-emotional auffällig sind, Ängste haben, geistig oder körperlich behindert sind. Von Heidrun Jasper

Julian ist sechs Jahre jung und besucht die Inklusive Kindertagesstätte "Waldblick" der Lebenshilfe Unterer Niederrhein. Er kann nicht sprechen, ist motorisch nicht in der Lage, sich zu bewegen, kann willentlich keine Muskeln bewegen. Er liegt im Spielzimmer "Zaubertrolle" auf einer weichen Unterlage, schaut zwei Mädchen zu, die in ihr Mutter-Kind-Spiel vertieft sind. Neben Julian sitzt seine Integrationshelferin, führt die Trinkflasche an seinen Mund, stützt mit einer Hand seinen Kopf, damit er trinken kann. Julian ist eines der acht Kinder in der heilpädagogischen Gruppe "Zaubertrolle", die besonderen Förder- oder Betreuungsbedarf haben. Weil sie sozial-emotional verhaltensauffällig sind, weil sie Ängste haben, sich einfach vieles nicht trauen. Oder weil sie geistig oder wie Julian körperlich behindert sind.

Und eben um diese Kinder geht es der KiTa-Leiterin Annegret Tigges-Willemsen und Regina Rupprich, die die heilpädagogische Gruppe "Zaubertrolle" leitet: Sie möchten diese Jungen und Mädchen, drei bis sechs Jahre alt, "mit Pferden stark machen" und ein Reittherapie-Projekt starten, für das sie Hilfe brauchen. Hilfe finanzieller Art. Sie wollen einen entsprechenden Antrag ans Deutsche Kuratorium für therapeutisches Reiten stellen, das mit seiner Förderinitiative "Kinder mit Pferden stark machen" Kindergärten und Schulen Mut machen will, das Pferd schon früh in den pädagogischen Auftrag mit einzubeziehen.

Drei Jahre läuft so ein Projekt, einmal in der Woche (mittwochs von 9.30 bis 11 Uhr) fahren zwei Erzieherinnen mit vier bis sechs Kindern zur Reittherapie nach Mörmter. Rund 6000 Euro muss die KiTa Waldblick selber aufbringen und bei der Antragstellung auch nachweisen, wie sie das Geld zusammenkriegt, sonst gibt es keine Unterstützung vom Kuratorium, das 500 Euro als Anschubfinanzierung stellt. Ein Pferd haben Annegret Tigges-Willlsemsen und Regina Rupprich schon gefunden: Nemo heißt es, gehört dem Reit- und Fahrverein Xanten. Mit ihm arbeitet Jutta Ludwig, die seit vielen Jahren heilpädagogisches Reiten anbietet. Und schon beim ersten Beschnuppern in der Emil-Underberg-Reithalle zeigte sich deutlich die starke Wirkung, die Nemo auf die Kinder ausübt. Ganz vorsichtig näherte sich das Pferd dem kleinen Julian in seinem Rollstuhl, senkte behutsam den Kopf in seine Richtung. Ganz vorsichtig gingen auch die Kinder mit dem Pferd um, die oftmals durch aggressives Verhalten auffallen: "Das Pferd nimmt das Kind so, wie es ist. Es geht nicht in Konkurrenz zu dem Kind, das also auch nichts verteidigen muss", sagt Regina Rupprich. Das Kind gewinnt Lebensqualität zurück, Krampfanfälle, unter denen auch Julian leidet, werden vermindert: Durch die Wärme des Pferdes entspannt sich das Kind in den zehn Minuten, die es auf seinem Rücken liegt. Und die Kinder, ergänzt Jutta Ludwig, haben das Gefühl erlebt, einen großen Freund gefunden zu haben, der auch ihre Herzen streichelt.

Annegret Tigges-Willemsen ist "optimistisch, Menschen zu finden, die uns helfen, das Projekt auf die Beine zu stellen". Notfalls muss erstmal das eigene Sparschwein geschlachtet werden, damit noch in diesem Jahr gestartet werden kann: "Wir können nicht bis zum Sommer warten, sonst hat gerade Julian nichts mehr davon",sagt die KiTa-Leiterin. Sie freut sich über jeden, der das Projekt unterstützt. Spenden können auf das Konto des Fördervereins bei der Volksbank Niederrhein (DE95 3546 1106 3016 0880 12, Heilpädagogisches Reiten) eingezahlt werden. Der Verein stellt auch Spendenquittungen aus. www.kita-waldblick.de

Quelle: RP
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