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Xanten
Kirche am Markt zeigt Werke von Otto Pankok

Xanten. Ausstellung "Menschenbilder" mit etwa 30 Holzschnitten und zwei Kohlezeichnungen des 1966 in Wesel gestorbenen Künstlers. Von Eva Karnofsky

Dem Gesicht des alten Rabbiners sind die Not und das Elend seines Volkes unter der todbringenden Knute der Nationalsozialisten abzulesen. Oder Gaisa und Ringela, die beiden Zigeunermädchen - ahnt man nicht schon in ihrem Blick, dass die Zeit des vertrauten sich Unterhakens in festlichen Gewändern bald vorbei sein könnte? Gaisa sollte in einem Konzentrationslager sterben. Otto Pankok (1893 - 1966) hat es wie nur wenige Künstler verstanden, Menschen so darzustellen, dass der Betrachter ihr Umfeld und ihre Gefühle, ihre Ängste vor allem, gleich mit begreift.

Pankok wollte nicht Schönheit abbilden. Er fühlte sich vielmehr der Wahrheit verbunden. Das zeigen die rund dreißig Holzschnitte und zwei Kohlezeichnungen, die in der Ausstellung "Menschenbilder" seit Sonntag in der Evangelischen Kirche am Markt zu sehen sind. Besonders beeindruckend: Pankok arbeitete nicht mit einer üppig ausgestatteten Farbpalette, sondern begnügte sich mit Schwarz- und Grauschattierungen. Und trotzdem spiegeln die Augen des Rabbiners tiefe Trauer. Schwarz-grau-weiß sind die Röcke der jungen Zigeunerinnen, und doch wirken sie bunt und beschwingt.

Pastorin Ulrike Dahlhaus hat die Idee aus ihrer Gemeinde, Bilder des Malers, der seine letzten Jahre in Hünxe-Drevenack verbrachte und 1966 in Wesel starb, nach Xanten zu holen, gern aufgegriffen. Weil sein Werk, das sich gegen Krieg, Unterdrückung und Rassismus wendet, brandaktuell ist und Dahlhaus ihn diesseits des Rheins deshalb gern noch bekannter machen möchte. Sie stellte den Kontakt zur ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Ilse Falk her, die Mitglied des Stiftungsrates der Otto-Pankok-Stiftung ist. Und nun sind Pankoks Portraits von Sinti, Roma und Juden, die meist während des Nationalsozialismus oder kurz danach entstanden sind, bis zum 3. September in Xanten zu sehen.

Es war denn auch Ilse Falk, die nach dem Sonntagsgottesdienst den rund vierzig Interessierten anlässlich der Ausstellungseröffnung einen kurzen Einblick in Pankoks Leben gab. Sie ging vor allem auf die Entstehung der Exponate ein.

Die Eltern hatten ihn zu Liberalität und Menschlichkeit erzogen, und schon als junger Mann ging es ihm darum, Anteilnahme mit denen zu zeigen, die am Rande stehen, erläuterte Falk: "Die Zigeuner waren sein großes Lebensthema", wobei er das Wort nicht diskriminierend meinte. Er war, als er in Düsseldorf lebte, am Rande der Stadt Sinti und Roma begegnet, und er malte vor allem Kinder und junge Leute. Eine Kohlezeichnung des kleinen Jungen, der skeptisch in die Welt blickt, hängt nun links neben dem Xantener Altar.

In den Dreißigerjahren schuf Pankok eine Reihe von sechzig Zeichnungen, in der er die Passion Jesu' mit Kohle zeichnete, wobei er die "Guten" als Zigeuner darstellte, und den "Bösen" Züge der Nationalsozialisten verlieh, berichtete Falk weiter. Das Ergebnis ließ nicht auf sich warten: Seine Werke zählten fortan zur "entarteten Kunst".

Pankok, seine Frau Hulda und Tochter Eva tauchten auf dem Land unter und wechselten häufig den Wohnsitz. Nach dem Krieg wurde er an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. Nach dem Ende seiner Lehrtätigkeit zog die Familie 1958 an den Niederrhein.

Die Ausstellung ist bis zum 3. September donnerstags und samstags von 10 - 12 und von 15 - 17 Uhr geöffnet. Wenn sich Freiwillige für die Kirchenaufsicht finden, wird auch an weiteren Tagen geöffnet.

Quelle: RP
 
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