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Xanten
Kirche schließt den Sprachheilkindergarten

Xanten. Bisher wurden Kinder mit Sprachschwierigkeiten in der Einrichtung an der Rheinstraße gefördert. Im Sommer 2017 ist damit Schluss. Von Heinz Kühnen

Der Sprachheilkindergarten der Propsteigemeinde wird aller Voraussicht nach im Sommer 2017 endgültig geschlossen werden. Noch bis vor kurzem war Einrichtung, die Kinder mit Sprachschwierigkeiten aus Xanten und Umgebung wie Alpen, Sonsbeck und Rheinberg besuchen, mit der Vorbereitungen für seine 40-Jahr-Feier beschäftigt. Nun zeichnet sich ab, dass ihr Ende bevorsteht. Nach langem Kampf um den Erhalt müsse sich der Träger letztendlich geschlagen geben, teilten Propst Klaus Wittke, Kirchenvorstand Thomas Frensch und Verwaltungsleiter Stefan Feltes mit. Das haben sie den Eltern der 20 Kinder, die derzeit Sprachförder- oder Heilpädagogische Gruppe besuchen, schriftlich mitgeteilt. Da zehn Kinder ohnehin im nächsten Jahr eingeschult werden, muss die andere Hälfte für ein Jahr umziehen.

Es gebe eine ganze Reihe von Ursachen, die zur Schließung führen, sagt Thomas Frensch nach etlichen Fahrten nach Köln, zum Bistum in Münster, zum Kreis in Wesel und nach Gesprächen mit der Stadt.

Da sei zum einen der bildungspolitische Wille, dass Kinder mit Förderbedarf gemeinsam mit Kindern ohne Beeinträchtigung spielen und lernen sollen. Damit stehen Sondereinrichtungen generell auf dem Prüfstand.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR), der diese Sondereinrichtungen finanziert, hat neue Anforderungen für die Besetzung des das pädagogischen Personals herausgegeben. Er strich erhebliche Finanzmittel, es sei denn, der Träger reicht ein alternatives Besetzungsmodell ein. Dies erlaubte aber auch nur einen Aufschub für ein Jahr.

Derzeit ist wegen der gesetzlichen Inklusionsvorgaben nicht absehbar, mit welchen Fördermitteln Sprachheilkindergärten ab dem nächsten Kindergartenjahr rechnen können. Vom LVR gab es dazu trotz mehrerer Anfragen keine verbindlichen Auskünfte.

Die Höhergruppierung von Erziehern und die von Verdi erstrittene 4,8-prozentige Lohnerhöhung summiert sich zu gut zehnprozentigen Mehrausgaben. Die LVR-Zuwendungen wurden im gleichen Zeitraum lediglich um zwei Prozent erhöht.

Da zwei Räume nur eine Ausgangstür haben, dürfen sie gemäß neuer Auflagen nicht mehr genutzt werden. Damit gibt es zu wenig Ruheräume. Ein Raum ist noch vorübergehend nutzbar, ebenfalls nur bis Sommer 2017. Das Gebäude hat ohnehin einen sehr großen Sanierungsbedarf. Mit seinen viel zu hohen Raumdecken ist es laut in den Räumen, die uralten Fenster müssten getauscht werden, das Haus braucht ein neues Dach - all das ist teuer.

Deshalb hat die Propsteigemeinde die Schließung beschlossen, dabei aber auf einen nahtlosen Übergang gehofft. Sie hat bereits eine Um- und Neugestaltung ihres Helena-Kindergartens an der Landwehr ins Auge gefasst. In den fertigen Architektenplänen enthalten ist ein Anbau. Damit entstünde eine Einrichtung, die alle Maßgaben erfüllt: U 3-, Ü 3-Betreuung, Inklusion und eine Sondergruppe für Kinder mit einem intensiveren Förderbedarf.

Beim Neubau, so Frensch, spielen aber viele mit: Die Gemeinde müsse Geld in die Hand nehmen, und das Bistum müsse dieses Geld auch freigeben. Das tut es aber erst, wenn der Kreis Wesel, die Stadt und möglicherweise auch der LVR Zuschüsse gewähren. Das dauert. "Und das kriegen wir bis zum Sommer 2017 nicht geregelt", sagt Frensch. Er ist zuversichtlich, dass es in den sieben und dann nur noch sechs Kita-Einrichtungen der Propsteigemeinde durch die Schließung zu keinen Entlassungen kommt.

Quelle: RP
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