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Kreis Wesel
Der Wechsel-Wahlkreis

Das Lexikon zur Bundestagswahl 2017
Das Lexikon zur Bundestagswahl 2017 FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Kreis Wesel. Der Norden des Kreises Wesel bildet den Wahlkreis Wesel I. Spannung ist garantiert: Klassische SPD-Städte findet man ebenso wie CDU-Hochburgen. Von Sebastian Peters, Julia Lörcks und Bernfried Paus

Lange war Wesel I Stammland der Sozialdemokraten: Ein Sieg von Sabine Weiss (CDU), die zwei Mal erfolgreich war, wäre jetzt keine Überraschung mehr. Und: Es gibt die Chance auf mehrere Abgeordnete.

wesel Ein Kreis - aber drei Wahlkreise: Während der größte Teil der Städte und Gemeinden im Kreis Wesel zum Wahlkreis Wesel I gehört, gibt es zwei Ausnahmen: Im Südwesten sind Moers und Neukirchen-Vluyn dem Krefelder Wahlkreis zugeschlagen. Dinslaken bildet einen Wahlkreis mit Oberhausen. Im Nord-Wahlkreis Wesel I mit insgesamt rund 207.350 Wahlberechtigten gibt es eine sehr heterogene Wähler-Struktur: Klassische SPD-Städte wie Voerde und Kamp-Lintfort findet man hier ebenso wie die CDU-Hochburgen Xanten, Alpen oder Sonsbeck.

Die Situation ist paradox: Viele Jahre hatte die SPD - teilweise in anderem Wahlkreiszuschnitt - ein Abo auf Wesel I. Die SPD-Abgeordneten Uwe Jens und Dr. Hans-Ulrich Krüger holten den Wahlkreis mit großer Regelmäßigkeit. Den Christdemokraten blieb nur das Nachsehen. Mit dem Überraschungssieg der früheren Dinslakener Bürgermeisterin Sabine Weiss gelang der CDU 2009 ein echter Coup. Bei den Wahlen 2013 baute Weiss den Vorsprung noch aus, kam insgesamt auf 43,5 Prozent. In Rheinberg lagen Weiss und Krüger lange Kopf an Kopf. Doch am Ende ging Weiss (32,1) auch hier mit gut zwei Punkten Vorsprung durchs Ziel. In Xanten erhielt sie 51,5, in Alpen 51,8 und in Sonsbeck gar 55,2 Prozent der Stimmen. Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestags-Fraktion ist über die Liste ihrer Partei abgesichert, tritt also mit der Gewissheit an, erneut den Einzug ins Parlament zu schaffen. Sabine Weiss hat aber den Ehrgeiz, die Fahrkarte direkt zu ziehen.

Ihr SPD-Herausforderer stammt aus Kamp-Lintfort: Jürgen Preuß sitzt im Kreistag und im Rat der einstigen Zechenstadt. Er ist in Rheinberg vielleicht noch bekannt, hat aber in den nördlicheren Kommunen wie Alpen, Sonsbeck und Xanten kaum einen Namen. Preuss muss als Kandidatennachfolger von Hans-Ulrich Krüger viel Zeit darauf verwenden, sein Gesicht auch dort bekannt zu machen. In Xanten hat er das bereits getan. Mit Parteikollegen klapperte er jüngst die Haushalte ab und putzte von Haustür zu Haustür Klinken. Die Resultate Obwohl Wesel I lange rot gefärbt war: Ein erneuter Wechsel scheint unwahrscheinlich. Bei der Wahl 2013 holte die CDU 39,3 Prozent der Zweitstimmen - starke 6,2 Prozentpunkte mehr als 2009. Die SPD mit dem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier kam vor vier Jahren bei den Zweitstimmen im Wahlkreis Wesel I auf 34,9 Prozent. Sie legte gegenüber den Wahlen im Jahr 2009 um 2,7 Prozent zu.

Grüne (6,4) und Linke (6 Prozent) kamen über die Fünf-Prozent-Marke, der FDP wiederum gelang dies in Wesel nicht. Mit Spannung wird also verfolgt, wie sich die FDP in Wesel I schlägt. Liberales Zugpferd soll hier Bernd Reuther sein. Der ist in Wesel eine starke liberale Stimme im Rat. In Xanten war er erst vor einer Woche auf dem Sommerfest der NRW-FDP in Wardt zu Gast. Mit Listenplatz elf hat er je nach Abschneiden der Liberalen auf Bundes- und Landesebene sogar Chancen auf den Einzug ins Parlament.

Die Grünen schnitten in Wesel I bei den 2013er-Wahlen schon schwächer ab als im Bundestrend: 6,4 Prozent erreichten sie hier. Der Voerder Stefan Meiners ist Direktkandidat der Grünen, für Die Linke tritt der Dinslakener Ratsherr Gerd Baßfeld an.

Offen ist, welche Rolle die AfD im Wahlkreis Wesel I spielen kann. Kandidat Renatus Rieger, promovierter Historiker, macht sich politisch rar. Dieses Vorgehen der AfD ist von der jüngsten Landtagswahl bekannt. Schon dort spielte der lokale Kandidat vielerorts überhaupt keine Rolle.

Renatus Rieger wiederum wollte im Landtagswahlkampf 2013 für die AfD in Moers/Neukirchen-Vluyn antreten. Wegen eines fehlenden Formulars - seine Partei hatte es laut Landeswahlleiter zu spät eingereicht - wurde Rieger nicht zugelassen. Jetzt versucht es Rieger eben in Wesel I.

Quelle: RP
 
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