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Xanten
Krematorium: Pfarrerin mahnt

Xanten. Die intensive Debatte um das Krematorium in Birten beschäftigt nicht nur die Menschen in Xanten. Das neue Plakat der Bürgerbewegung Xanten veranlasste Pfarrerin Ulrike Thölke von der Evangelischen Kirchengemeinde Wallach-Ossenberg-Borth, unserer Redaktion zu schreiben.

"Dass die Wogen in Birten und Xanten hochgehen, ist auch mir als Rheinbergerin nicht entgangen. Ich habe regelmäßig mit Menschen zu tun, die ihre Angehörigen mit einer Urne zu Grabe tragen. Im Zusammenhang eines Krematoriums von ,Leichentourismus' und ,dauerbetriebener Einäscherungsfabrik' zu sprechen, ist für meinen Geschmack mehr als pietätlos. Es missachtet die Würde des Toten, die in unserem Land Gott sei Dank geschützt ist. Es missachtet auch die Trauer all derer, die sich mit dem Verstorbenen für eine Feuerbestattung entschieden haben. Das sind inzwischen etwa 50 Prozent der Beisetzungen, Tendenz steigend. In unserem Konfirmandenunterricht ist ein wichtiges Thema der Umgang mit und die Haltung zum Tod. Deshalb gehe ich mit den Jugendlichen auf den Friedhof, und ein Bestatter steht der Gruppe Rede und Antwort. Wir beschäftigen uns mit Traueranzeigen und Zeitungsartikeln. Die Jugendlichen haben ein Gespür dafür, wie sensibel Menschen in Verlusterfahrungen sind und wie schwer ihnen der Abschied fällt. Und sie haben ein Gespür dafür, dass die Würde eines Menschen auch nach dem Tod nicht aufhört. Neulich sagte mir ein Junge: Das find' ich gut, dass, wenn ich tot bin, trotzdem meine Würde noch geschützt wird. Auch wenn die Emotionen bei den Mitgliedern der Bürgerinitiative hochgehen, sollten sie doch über ihre Wortwahl nachdenken und mehr Sachlichkeit an den Tag legen."

(möw)
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