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Sonsbeck
Kriegsgrab in Russland ausfindig gemacht

Sonsbeck: Kriegsgrab in Russland ausfindig gemacht
Karl Vossen fiel 1943 in Russland. Sein Grabstein findet sich auf einem Wehrmachtsfriedhof in Ropsah. FOTO: Urbig (2), Privat
Sonsbeck. Der Verein Kriegsgräber Russland hilft Menschen dabei, die Begräbnisstätte ihrer Angehörigen zu finden. Brigitte Janßen aus Sonsbeck hat sich an ihn gewandt und war nun erstmals auf dem russischen Friedhof, wo ihr Onkel begraben liegt. Von Natalie Urbig

Das Bild in dem Fotoalbum ihrer Mutter hat Brigitte Janßen viele Jahre beschäftigt. Es zeigt den Grabstein ihres Onkels, Karl Vossen, der 1943 in Russland gefallen und dort auf einem Wehrmachtsfriedhof in Ropsha beerdigt worden ist. "Meine Mutter hat immer so schön von ihm erzählt, dass er gut Klarinette spielen konnte und Fluglehrer war", sagt die Sonsbeckerin. Eine Verbindung zu ihrem Onkel, sei so immer da gewesen: Als sie dann mit ihrem Mann plante, den Sohn in Finnland zu besuchen, um eine Reise durch das Baltikum zu starten, wollte sie die Gelegenheit nutzen und das Grab im Norden Russlands suchen.

So wie ihr geht es vielen Angehörigen, wissen Wilhelm Wehren und Richard Füchtner vom Verein Russland Kriegsgräber (VRK), der seinen Sitz am Niederrhein hat: Vor 17 Jahren wurde er gegründet, seitdem ist der Vorsitzende Wilhelm Wehren dabei und bearbeitet Suchanfragen aus der ganzen Welt - "die weitesten kamen aus den USA, Neuseeland und Australien", erzählt er und Pressesprecher Füchtner fügt hinzu: "Es ist beachtlich, dass selbst 72 Jahre nach Kriegsende noch so ein hohes Interesse da ist." Die Anfragen seien ganz unterschiedlich: "Einige wollen nur den Ort des Grabes wissen", erzählt Wehren, "aber viele sind auch sehr emotional und fahren gezielt zu der Begräbnisstätte."

Brigitte Janßen begann ihre Suche zu Hause. Erster Anhaltspunkt war ein Brief, den der Kompaniechef an die Angehörigen geschrieben hatte, um über den Tod von Karl Vossen zu informieren - darin wurde auch der Ort des Begräbnisses genannt: Ropsha, eine Siedlung im Bezirk Leningrad. Ihre Recherche führte Brigitte Janßen weiter zum Volksbund für Deutsche Kriegsgräberfürsorge: Dort erfuhr sie, dass über die Gräber der deutschen Soldaten in Ropsha russische Gräber gelegt wurden - eine Umbettung von Karl Vossen zu einem Sammelfriedhof war so nicht mehr möglich - und die genaue Lage des Grabes nicht mehr festzustellen. Ob der Friedhof in Ropsha überhaupt noch existierte und wo zu suchen sei, wusste die Sonsbeckerin nicht. Denn eben mal "Ropsha Friedhof" bei Google eingeben, so leicht geht es nicht. Das war der Moment, als die Sonsbeckerin auf den Verein Russland Kriegsgräber aufmerksam wurde.

VRK-Vorsitzender Wilhelm Wehren FOTO: Urbig

Wilhelm Wehren, der eine Steuerkanzlei leitet, machte sich nach Feierabend an die Recherche, bis spät in die Nacht las er die Dokumente und besah sich die Fotos des Grabs. Ein einzig optischer Anhaltspunkt war ein Gebäude im Hintergrund: "Ich habe es zuerst für einen Brückenbogen gehalten, das hat mich ziemlich in die Irre geführt."

Stunden brauchte er, bis er auf der Karte schließlich einen Friedhof entdeckt hat - der Brückenbogen, stellte sich als die Ruine einer Kirche heraus. "Erstaunlich, wie akribisch er gesucht hat", sagt Janßen, die von Wehren sogleich die Koordinaten und die Adresse des Friedhofes bekommen hat.

VRK-Sprecher Richard Füchtner FOTO: Urbig

Doch nicht nur bloße Koordinaten liefert der Verein: "Die Angehörigen haben auch ein Interesse daran, etwas über das Schicksal des Soldaten zu erfahren. Nicht nur wo er begraben, sondern auch was geschehen ist", erzählt Füchtner. "Wir schreiben nicht etwa ,der arme Wehrmachtsoldat', sondern betten die Informationen in ihren geschichtlichen Kontext", sagt Wehren. Stück für Stück setzte sich so auch die Geschichte von Karl Vossen zusammen, dem 31-jährigen Unteroffizier aus Straelen, der Mitglied der Luftwaffe war und 1943 bei einem Gefecht in der Nähe von Schloss Peterhof starb.

Mit all den Daten machte sich Familie Janßen auf die Reise: Den Friedhof im Norden Russlands hat sie gefunden: "Es war sehr bewegend, den schmalen Weg zur Kirchenruine zu gehen", erzählt Brigitte Janßen. "Die alten Bäume halfen uns, die mögliche Grablage von Karl zu finden. Wir verließen den Friedhof mit einem positiven Gefühl." Besonders beeindruckt hat sie aber neben der Grabstelle der enorme Einsatz von Wilhelm Wehren bei der Suche: "Es ist wirklich bewundernswert, was er leistet."

Quelle: RP
 
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