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Xanten
Künstler stellen in Geschäften aus

Xanten: Künstler stellen in Geschäften aus
Eugenie Schumacher (re.) hat im Petersilchen die Fotos ihres Vaters Eugen Fox ausgestellt , die besonders dem Zeitzeugen Paul Oeliger (90/Mitte) gefielen. Hinter ihm steht Sohn Josef, links Nachbar Franz Melchers. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die Aktion "ArtOrt 2016" bringt die Kunst direkt in den Alltag der Menschen: Wer nämlich bis Ende Februar in der Xantener Innenstadt unterwegs ist, kann in Geschäften und Lokalen Fotos, Gemälde und Skulpturen bewundern. Von Erwin Kohl

Wer bis Ende Februar durch Xantens Geschäfte stöbert, kommt ganz nebenher in einen außergewöhnlichen Kunstgenuss. "ArtOrt 2016" nennt sich das vom Kunstkreis Xanten und der Interessengemeinschaft Gewerbetreibender Xanten (IGX) initiierte Projekt, bei dem 22 Künstler aus Xanten und der umliegenden Umgebung in 19 Geschäften der Innenstadt Bilder, Skulpturen oder Fotografien ausstellen.

Mit dabei sind diesmal auch die Schüler der Jahrgangsstufe sechs des Stiftsgymnasiums. "Inselobjekte aus Metallfundstücken" nennen die Nachwuchskünstler ihre witzig anmuten Figuren, für die sie alte Konservendosen, Flaschenkorken und sonstigen Abfall verwertet haben. Ivo Tekath findet die Idee gut und hat bereitwillig sein Schaufenster am Marktplatz zur Verfügung gestellt. Dass futuristisch anmutende Insekten aus Blech zwischen kunstvoll gefalteten Oberhemden liegen, kommt nicht nur beim Ladeninhaber gut an. "Die Kunden finden das amüsant, weil es so außergewöhnlich ist. Es ist eben keine Kunst von Profis, sondern von Schülern", erklärt der Geschäftsmann.

Die eigentliche Kunst scheint die Einbindung der Werke in die unterschiedlichen Sortimente der Geschäfte zu sein. Dass dies hervorragend gelungen ist, wird am Beispiel der Malerin Silke Haan deutlich, deren "Grüner Apfel" sich im Ladenlokal von Maria Geenen-Groß geradezu symbiotisch seiner aus Bratpfannen und Töpfen bestehenden Umgebung anpasst, ebenso der stolze Hahn auf dem festlich dekorierten Ostertisch.

Nebenan im Hotel Neumaier stellt Hans-Dieter Kluck seine Metallarbeiten vor. Neben einer metergroßen stählernen Bibel ist das filigran geschweißte römische Patrouillenboot ein absoluter Hingucker. Kluck, der als gelernter Kunstschmied seinen Beruf zum Hobby gemacht hat, legt dabei sehr viel Wert aufs Detail, erkennbar etwa an der winzig kleinen "Viktoria" auf dem Schiffsheck. Kunst passend zum ihr umgebenden Raum hat auch Eugenie Schumacher entworfen. "Sie hat von uns eine alte Brille bekommen und daraus ein kleines Meisterwerk geschaffen", erklärt Ingrid Bentele.

Werke von Jan Vermeer oder Claude Monet mal anders dargestellt dürfen Leseratten im Librarium in den kommenden Wochen bewundern. "Ich interpretiere die Bilder auf meine Weise, verändere Kleinigkeiten oder mache sie einfach nur heller", erläutert Dr. Kerstin Kraus, die ihre Ölfarben auch schon mal aus Pigmenten und Leinöl selber herstellt. Die wohl farbenfrohesten Bilder der ArtOrt-Reihe sind ebenfalls in der Buchhandlung an der Marsstraße zu besichtigen und stammen von der Wahl-Xantenerin Maria Cavalcanti-Heinrich. "Ich komme aus Brasilien, dort sind die Farben sehr intensiv, weil immer die Sonne scheint. Ich brauche die Malerei für meine Seele, dabei vergesse ich, dass die Welt da draußen so grau ist", sagt sie.

Abseits der "ArtOrt"-Aktion kann sich Kunstvolles auch ganzjährig etablieren, zum Beispiel im Juwelier-Geschäft Hammans. "Kunst und Schmuck bilden bei uns eine wunderbare Symbiose. Renate Migas` Porzellan- und Keramikskulpturen sind vor allem bei Touristen sehr beliebt", sagt Anna Hammans.

Dass die Künstler gerne den Wünschen der Geschäftsleute entsprechen, bestätigt Cornelia Fabricius: "Das Möbelhaus Kempkes hat sich fürs Schaufenster etwas Karnevalistisches gewünscht. Da trafen sie bei mir als gebürtige Kölnerin natürlich auf offene Ohren." Für die nächsten Wochen ziert deshalb ein mit einer Narrenkappe versehener Globus aus Keramik neben bunten Clowns das Schaufenster am Markt.

Quelle: RP
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